Ein Tesla-Besitzer, demonstriert wie er während der Fahrt Videospiele auf der Konsole des Fahrzeugs spielen kann.  | dpa

US-Behörde ermittelt Prüfung von Tesla-Unfällen ausgeweitet

Stand: 10.06.2022 10:57 Uhr

Die US-Verkehrsbehörde schaut dem Elektroautohersteller Tesla noch stärker auf die Finger. Eine schon länger dauernde Untersuchung zum so genannten "Autopilot" des Unternehmens wird nun ausgeweitet.

Die US-Verkehrsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat ihre Untersuchung des von Tesla eingesetzten Fahrassistenzsystems "Autopilot" nach einer Reihe von Auffahrunfällen auf eine sogenannte technische Analyse ausgeweitet. Ein solcher Schritt ist notwendig, um im Anschluss daran gegebenenfalls einen offiziellen Rückruf anordnen zu können.

Bei der aktuellen "Autopilot"-Untersuchung geht es der NHTSA zufolge um rund 830.000 Fahrzeuge aller vier aktuellen Modellreihen S, 3, X und Y aus den Jahren 2014 bis 2022. Bei der bisher laufenden Untersuchung waren rund 765.000 Fahrzeuge betroffen. Zum Vergleich: Bis Ende des ersten Quartals hatte der Konzern seit seiner Gründung weltweit gut 2,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, es ist also rechnerisch fast ein Drittel aller bisher von Tesla produzierten Autos betroffen. Allerdings werden die Fahrzeuge in Dutzenden von Ländern verkauft, über so weitgehende Ermittlungen außerhalb der USA ist bisher nichts bekannt. Dementsprechend ist der Anteil betroffener Tesla-Fahrzeuge in den USA erheblich höher einzuschätzen.

Seit Aufnahme der Ermittlungen im August vergangenen Jahres hat die Behörde sechs weitere Zwischenfälle ermittelt, bei denen Tesla-Autos mit eingeschaltetem "Autopilot"-System auf am Straßenrand parkende Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht aufgefahren waren. Ursprünglich ging es um elf solcher Unfälle. Der jüngste Crash passierte im Januar.

Unzureichende Überwachung des Fahrers?

Die Ermittlungen sollen nun unter anderem mit der Auswertung zusätzlicher Daten ausgedehnt werden, wie die NHTSA mitteilte. Sie prüft demnach auch gut 100 "Autopilot"-Unfälle, an denen keine Einsatzfahrzeuge beteiligt waren. Dabei solle auch untersucht werden, inwieweit das System des Elektroauto-Herstellers das Risiko menschlicher Fehler verschärfe.

Tesla weist die Kunden selbst darauf hin, dass "Autopilot" nur ein Assistenzsystem sei und deshalb der Mensch im Fahrersitz jederzeit die Hände am Lenkrad behalten müsse. Auch solle er stets bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Fahrer sich komplett auf das "Autopilot"-System verlassen. Tesla verschärfte vor einigen Jahren die Sicherheitsmaßnahmen: Die Software stellt fest, wenn der Fahrer die Hände nicht am Steuer hat und gibt nach kurzer Zeit Warntöne ab.

Seit Februar prüft die NHTSA Tesla auch wegen Berichten über unvermitteltes Bremsen. Auslöser seien 354 Beschwerden binnen neun Monaten gewesen, weil das "Autopilot"-System plötzlich und unerwartet die Bremsen aktiviert habe. Die Behörde forderte auch bei anderen Autoherstellern Informationen zu deren Assistenzsystemen an.

Auch in Deutschland sorgt das Autopilot-System bei Experten für harsche Kritik. So urteilte der ADAC im November vergangenen Jahres: "Die Qualität der Regelungen ließ im Test teilweise sehr zu wünschen übrig. Dass das System keine Verkehrszeichen erkennt und auch Hindernisse übersieht, zeigt die Unausgereiftheit der Technik. Und dass der Wagen zudem den Autopilot-Modus in der Stadt zulässt, obwohl der laut Handbuch seine Aufgaben nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen beherrscht, ist unverantwortlich."