Ein Rollator steht in einer Tagespflegeeinrichtung. Im Hintergrund sitzen zwei Menschen an einem Tisch. | picture alliance / dpa

Corona-Regeln angepasst Höhere Tagespflege-Belegung in Bayern

Stand: 14.08.2021 03:24 Uhr

Die Regeln zum Infektionsschutz führen bei Einrichtungen der Tagespflege teils zu einer deutlichen Unterbelegung. Auch um den Betroffenen drohende Preisexplosionen zu ersparen, hat Bayern nun die Regeln angepasst.

Von David Donocik, BR

Einrichtungen der Tagespflege dürfen in Bayern von heute an wieder mehr Pflegebedürftige aufnehmen als zuletzt. Das bayerische Gesundheitsministerium hat mit Wirkung zum 14. August die Regelung so geändert, dass die Tagespflege beim Infektionsschutz nicht mehr nach den gleichen Bestimmungen wie der Einzelhandel behandelt wird.

Die Gleichbehandlung hatte unter anderem zur Folge, dass die Tagespflege-Einrichtungen nur einen Kunden pro zehn Quadratmeter Fläche betreuen durften. Dadurch konnten viele Einrichtungen im Bereich Tagespflege in Bayern teilweise nur etwa die Hälfte ihrer Plätze anbieten. Gefordert hatte die Neuregelung deshalb die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Hilferuf wegen Folgen der Unterbelegung

Das Problem für die Träger: Die Fixkosten in den Heimen blieben gleich, die Einnahmen sanken infolge der Unterbelegung. Die Sorgen der Tagespflege formulierte die AWO Ende Juli in einem Brief an Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Darin war von katastrophalen Auswirkungen für die Betreuten und ihre Angehörigen die Rede, sollten die bayernweit 70 Tagespflegeeinrichtungen der AWO dauerhaft unterbelegt sein.

Die Mindereinnahmen werden zwar durch den Pflege-Rettungsschirm der Bundesregierung ausgeglichen. Doch der läuft Ende September aus. Da es für die Zeit danach bislang keine politische Lösung gab und zeitgleich das bayernweite Infektionsgeschehen weiterhin Corona-Eindämmungsmaßnahmen erforderlich machte, befürchtete die AWO eine langfristige Unterbelegung. Dies könne sich der Verband nicht leisten.

Hunderte Euro Mehrkosten drohten

Daher hätte man ernsthaft über "exorbitante Preissteigerungen" für die Kunden nachdenken müssen: Marion Tost vom AWO-Zentrum Bayreuth sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass im Bayreuther Haus zurzeit acht von zwölf Plätzen belegt seien. Also hätten bei gleichbleibender Rechtslage die Mindereinnahmen durch die nicht belegten vier Plätze dauerhaft an die bestehenden acht Kunden umgelegt werden müssen. "Das will niemand. Das wären Preiserhöhungen von 30-40 Prozent." Oder anders ausgedrückt: Zwischen 350 und 760 Euro Mehrkosten für die Kunden.

Laut einer Sprecherin kommen derzeit nur zehn Prozent der Tageseinrichtungen ohne Einschränkungen bei ihrer Belegung aus. Fast ein Drittel aller verfügbaren Plätze in Bayern seien nicht belegt. Dabei sind die Wartelisten in vielen Heimen lang. Die, die einen Platz haben, sind froh darüber.

Hohe Impfquote in der Tagespflege

Alle Beteiligten, Kunden wie Träger, dürften froh sein, dass das bayerische Gesundheitsministerium den Bereich Tagespflege ab 14. August von den strengen Auflagen befreit. In den Einrichtungen sollen Gäste einen Mundschutz tragen, es muss jedoch keine FFP2-Maske sein. Das Abstandsgebot von 1,5 Metern soll trotzdem eingehalten werden. Die Impfquote steht bei den Gästen der Tagespflegeeinrichtungen laut AWO bei 94 Prozent, die der Mitarbeitenden bei rund 85 Prozent.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. August 2021 um 10:29 Uhr.