Stripe-Logo auf einem Smartphone

US-Zahlungsdienstleister Stripe ist 95 Milliarden Dollar wert

Stand: 15.03.2021 16:00 Uhr

Der Zahlungsdienstleister Stripe bringt es nach der letzten Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von 95 Milliarden Dollar. Nicht einmal Facebook oder Uber hatten vor ihrem Börsengang ein derart hohes Niveau erreicht.  

Bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde hat der US-Zahlungsdienstleister Stripe insgesamt 600 Millionen Dollar eingesammelt. Die Hauptinvestoren waren der Risikokapitalgeber der Allianz, Allianz X, Axa, Baillie Gifford, Fidelity, der Irish Strategic Investment Fund (ISIF) und Sequoia Capital. Damit wird Stripe aktuell mit 95 Milliarden Dollar bewertet und ist das wertvollste nicht-börsennotierte Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Facebook hatte vor seinem Börsengang 2012 lediglich die Marke von 80 Milliarden Dollar erreicht, Uber kam vor der Aktienplatzierung auf gut 70 Milliarden Dollar.

Die hohe Gesamtbewertung ergibt sich daraus, welchen Anteil an der Firma die Investoren für das investierte Kapital bekamen. Es ist also anzunehmen, dass sie eher kleine Anteile am Unternehmen erwarben. Mit dem frischen Geld will Stripe Expansionspläne in weitere Länder umsetzen.

Kommt ein Börsengang?  

Mit 95 Milliarden ist Stripe fast dreimal so viel wert wie die Deutsche Bank und die Commerzbank zusammen. Noch im April 2020 war das Unternehmen mit 36 Milliarden Dollar bewertet worden.

Die rasant gestiegene Bewertung hängt mit dem Boom des Onlinehandels und dem Voranschreiten der Digitalisierung im Zuge der Corona-Krise zusammen. Viele Unternehmen bauten das Online-Segment aus. Außerdem gilt das bargeldlose Bezahlen als sicherer, weil es zu keinerlei Kontakt zwischen den Menschen kommt.

Über einen möglichen Börsengang - eventuell sogar in diesem Jahr - wird längst spekuliert, aber konkrete Nachrichten dazu gibt es nicht. Dabei wäre der Zeitpunkt günstig. Denn ob die Milliardenbewertung den aktuellen Online- und Aktienmarktboom überdauert, ist zumindest ungewiss.

Zahlungsverkehr und Geschäftsabläufe

Stripe hat eine Plattform entwickelt, über die Unternehmen den Zahlungsverkehr organisieren können. Das Unternehmen wickelt nach eigenen Angaben für etablierte Unternehmen wie für Start-ups Transaktionen im Wert von hunderten Milliarden Euro ab. Bekannte Kunden sind unter anderem Amazon, Google, Salesforce, Zoom oder Axel Springer.  

Außerdem unterstützt Stripe Unternehmen bei Betrugsbekämpfung, Abrechnung, Finanzierungen, bei der Verwaltung der Unternehmensausgaben und der Onlineverwaltung der Geschäftsabläufe. Zudem arbeitet das Unternehmen an Produkten, die Firmen dabei helfen sollen, regulatorische Vorgaben zu kennen und einzuhalten.

Stripe-Gründer Patrick und John Collison

Stripe-Gründer Patrick und John Collison

Neue Kunden nach Wirecard-Pleite

Stripe wurde im Jahr 2011 von den irischen Brüdern Patrick und John Collison gegründet. Zu den frühen Investoren gehört auch Tesla-Chef Elon Musk. Derzeit arbeiten an 14 globalen Standorten mehr als 2500 Mitarbeiter für den Zahlungsdienstleister. Die Hauptsitze liegen in San Francisco und für Europa in Dublin. Weitere Standorte sind beispielsweise in London, Paris, Singapur und Tokio. Mehr als 135 Währungen werden nach Unternehmensangaben unterstützt. Derzeit ist Stripe in 42 Ländern aktiv, darunter in 31 europäischen.

Stripe-Manager Matt Henderson, der für Europa, den Nahen Osten und Afrika verantwortlich ist, hatte im Sommer des vergangenen Jahres angekündigt: "Irgendwann sollen es alle sein."

Neben dem in Europa bekannten Unternehmen Klarna, das aktuell mit rund 31 Milliarden Dollar bewertet wird und damit ebenfalls zu den Schwergewichten der Branche zählt, gehörte einst auch Wirecard zu den Konkurrenten. Von der Pleite hatte Stripe laut Henderson durchaus profitiert: Es sei schwer, den Effekt zu beziffern. Aber in der Tat seien laut Henderson einige frühere Wirecard-Kunden gewechselt.

Im Stripe-Vorstand sitzt seit Ende Februar dieses Jahres der Kanadier Mark Carney, der von 2013 bis 2020 die Bank of England leitete.