Ouigo | EPA

Konkurrenz für Billigflieger Low-Cost-TGV fährt durch Spanien

Stand: 10.05.2021 04:30 Uhr

Für nicht einmal zehn Euro in wenigen Stunden quer durchs Land: Das bieten in Europa bisher höchstens Billigflieger. In Spanien soll ein Low-Cost-Hochgeschwindigkeitszug den Flugzeugen Konkurrenz machen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Madrid-Barcelona ist die Rennstrecke der spanischen Bahngesellschaft RENFE. Die Züge fahren Spitzengeschwindigkeiten von 310 km/h, pro Jahr sind mehr als vier Millionen Passagiere auf der Route unterwegs. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE schafft die 620 Kilometer zwischen den beiden spanischen Metropolen in gerade einmal zwei Stunden und 30 Minuten.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Bisher ist das allerdings ein teures Vergnügen: Ein einfaches Ticket kostet im Normaltarif gut 80 Euro. Die Billig-Konkurrenz verlangt nur rund ein Zehntel davon; das französische Bahnunternehmen SNCF bietet in seinem Low-Cost-Hochgeschwindigkeitszug OUIGO Fahrten ab 9 Euro an.

"Wir wollen Hochgeschwindigkeitszüge populärer machen. Wir wollen das Verkehrsmittel für die ganze Familie sein: Erwachsene, Kinder und auch Haustiere", sagt Hélène Valenzuela, die Direktorin von OUIGO Spanien. Das Unternehmen setzt moderne Doppelstock-Züge auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona ein.

Extras kosten extra

Auf den ersten Blick bieten sie denselben Komfort wie die bisherigen AVEs der spanischen Eisenbahn. Allerdings gibt es nur eine Zweite Klasse, und Extras kosten einen Aufpreis, nach dem Prinzip Billigflieger. Wer mehr als nur ein Handgepäckstück mitnehmen möchte, muss draufzahlen. Ebenso wer vorab einen Sitzplatz reservieren will, was bei den AVE-Zügen inklusive ist, einen Platz mit mehr Beinfreiheit haben möchte oder während der Fahrt einen WiFi-Zugang will.

Trotzdem: Die Preise überzeugen, meinen vor allem jüngere Menschen: "Für jemanden wie mich, der noch studiert, ist das eine gute Option", so ein Zugfahrer. Auch andere Passagiere sehen kein Problem, wenn die Sicherheit der Billig-Züge dieselbe ist.

Bahngesellschaft zieht nach

Der günstige Einführungspreis soll Mitfahrer anziehen, die die Strecke Madrid-Barcelona normalerweise nicht mit dem Zug zurücklegen. Auch auf solche Kundschaft hat es der Betreiber von OUIGO abgesehen: Menschen, die bisher weniger mobil waren - oder vermehrt mit dem Auto oder dem Flugzeug verreist sind.

Diese Klientel will auch die spanische Bahngesellschaft RENFE ansprechen und startet in wenigen Wochen ein Konkurrenz-Produkt: den AVLO. Der Name setzt sich aus dem bisherigen Hochgeschwindigkeitszug AVE und dem Wort "Low Cost" zusammen. Der AVLO soll ab dem 23. Juni zwischen Madrid und Barcelona fahren. Die Ticketpreise sind auf OUIGO-Niveau, ebenso die sonstigen Leistungen.

Hochgeschwindigkeitsnetz derzeit nicht ausgelastet

Wird die spanische Bahn also im eigenen Land von der Konkurrenz aus Frankreich vor sich hergetrieben? Nein, sagt Francisco Arteaga, Direktor für den Hochgeschwindigkeitsverkehr bei RENFE: "Wir richten uns bei der Entwicklung unserer Strategien nicht nach der Konkurrenz. Wir sehen uns weiter als die Referenz im Bahnverkehr."

Im kommenden Jahr will ein weiterer Billigkonkurrent in den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene in Spanien einsteigen: das Unternehmen Ilsa. Die Kapazität des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes gibt das her: In diesem Jahr wird es nach Angaben der Betreibergesellschaft gerade einmal zu 65 Prozent ausgelastet sein. In Deutschland sind viele Strecken stärker genutzt - was auch ein Grund dafür sein dürfte, warum Low-Cost-ICEs bisher kein Thema sind.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2021 um 09:41 Uhr.