Roland Busch, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Siemens AG

Mehr Gewinn erwartet Rückenwind für den neuen Siemens-Chef

Stand: 03.02.2021 09:01 Uhr

Er hat Siemens umgebaut wie kein anderer: Heute ist der letzte Arbeitstag für Siemens-Chef Joe Kaeser. Sein Nachfolger Roland Busch startet mit einer angehobenen Gewinnprognose ins neue Amt.

Nach einem überraschend guten ersten Quartal hat der Münchner Technologiekonzern seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 angehoben. Der Umsatz soll nun stärker wachsen, der Gewinn um mindestens ein Fünftel auf 5,0 bis 5,5 Milliarden Euro steigen.

Knapp 40 Prozent mehr Gewinn

Die Entwicklung im vergangenen Quartal, für das der neue Siemens-Chef Roland Busch bereits die operative Verantwortung trug, stimmt den Konzern optimistisch. Von Oktober bis Dezember profitierte Siemens insbesondere von einer starken Entwicklung der Automatisierungssparte Digital Industries. Auch die Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers, an der Siemens immer noch mit 85 Prozent beteiligt ist, trug zu der positiven Entwicklung bei.

Unterm Strich stand bei Siemens für das erste Geschäftsquartal ein Gewinn von 1,5 Milliarden Euro - ein Plus von knapp 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. "Ich bin dankbar, so ein starkes Unternehmen an die neue Führungsriege übergeben zu können", erklärte Vorstandschef Joe Kaeser, der nach der Hauptversammlung am heutigen Mittwoch abtritt.

Aktie auf Rekordhoch

Die Geschäftsentwicklung der Siemens AG schlägt sich auch in der Kursentwicklung der Aktie nieder. Das im deutschen Leitindex DAX notierte Papier hatte bereits im Vorfeld der Zahlen ein neues Rekordhoch erreicht, das heute nach Handelsbeginn rasch übertroffen werden dürfte.

Die Machtübergabe auf der heutigen virtuellen Hauptversammlung ist von langer Hand vorbereitet. Busch konnte sich eineinhalb Jahre lang als Vize warmlaufen.

Umbau und Abspaltungen

Mit Kaesers Abgang endet bei Siemens eine Ära. Kaeser hatte vor 41Jahren bei Siemens angefangen, seit 2013 war er Vorstandsvorsitzender. Der heute 63-Jährige baute das einstige Industriekonglomerat um wie kein anderer Siemens-Manager zuvor.

Unter seiner Ägide trennte sich Siemens unter anderem vom Geschäft mit Hausgeräten, Medizintechnik und Energieerzeugung. Kaeser legte stattdessen den Fokus auf die Sparten Digitale Fabrik, Smarte Infrastrukturen und Mobilität.

Siemens-Chef Joe Kaeser

Joe Kaeser hat den Siemens-Konzern massiv umgebaut

Mehr Fokus auf Innovationen?

Die Erwartungen an den Neuen an der Siemens-Spitze sind hoch: Er soll den Konzern auf Profitabilität trimmen und vermehrt Früchte des gewaltigen Konzernumbaus ernten. Die Fondsgesellschaft Union Investment fordert Bush auf "aus dem Schatten seines Vorgängers" zu treten und als Physiker und Techniker den Fokus stärker auf "Innovationen und die Entwicklung marktreifer Produkte" zu legen.

Den Erwartungen der Börse, weitere Sparten abzuspalten, erteilte Busch derweil bereits im Herbst 2020 in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" selbstbewusst eine Absage: "Würde ich ausschließlich auf den Kapitalmarkt hören, könnte ich die Firma in 20 Teile zerlegen. Dann hätten die Investoren ihren Einsatz maximiert - nur wäre nichts mehr übrig von Siemens."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Februar 2021 um 07:41 Uhr.