Siemens-Chef Roland Busch

Jahresprognose erhöht Chipmangel bremst Siemens noch nicht

Stand: 07.05.2021 13:19 Uhr

Wie gut es der deutschen Industrie geht, zeigt die Quartalsbilanz von Siemens. Das Geschäft mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau boomt, aber der Chipmangel macht auch Siemens zu schaffen.  

Beim Industriekonzern Siemens laufen die Geschäfte derzeit glänzend. Im abgelaufenen zweiten Quartal kletterte der Gewinn von 0,7 Milliarden im zweiten Quartal des Vorjahres auf rund 2,4 Milliarden. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

Beim Nettoergebnis gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass Siemens vom Verkaufsgewinn der Antriebstochter Flender in Höhe von knapp 900 Millionen Euro profitiert hat. Außerdem war der Gewinn im Vorjahr durch die inzwischen abgespaltene Energiesparte belastet worden, sodass der Vergleich zum Vorjahr für Siemens besonders günstig aussieht.

Prognose erhöht

Gleichwohl fallen die Zahlen durchweg besser aus, als Marktbeobachter prognostiziert hatten. Das hat auch Folgen für die Prognose des Managements, das nunmehr optimistischer in die Zukunft blickt.

Der vergleichbare Umsatz im Geschäftsjahr 2020/21 soll nun um neun bis elf Prozent steigen, ausgeklammert sind dabei Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe. Auch das Ergebnis nach Steuern soll mit 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro deutlich höher ausfallen.

Siemens verdankt den Rückenwind einer starken Nachfrage aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und dem Softwaregeschäft. "Die Industrie erholt sich weiter", sagte der neue Vorstandschef Roland Busch, der von einem "herausragenden Quartal" sprach. Rund lief das Geschäft insbesondere in China, wo die Importe aus Deutschland im vergangenen Monat kräftig wuchsen.

Deutsche Industrie mit Exportrekord

Dass die deutsche Industrie insgesamt die Corona-Krise hinter sich lässt, zeigen auch aktuelle Konjunkturdaten. Deutsche Exporteure haben im März so viel ins Ausland verkauft wie nie zuvor. Dank der von den USA und China ausgehenden globalen Konjunkturerholung setzten sie Waren im Wert von 126,5 Milliarden Euro ab - ein Rekord für einen einzelnen Monat.

"Der deutsche Außenhandel ist wieder zurück auf Vorkrisenniveau", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner.

Chipmangel ein Problem für Siemens & Co.

Trotz stark anmutender Zahlen gibt es doch Grund zur Sorge: Sowohl Siemens, als auch die gesamte deutsche Industrie sieht Risiken, die mit Lieferengpässen bei Vorprodukten zusammenhängen: Siemens-Chef Busch beobachtet eine Verknappung elektronischer Bauteile sowie Preissteigerungen in einigen Bereichen.

"Wir behalten unsere Lieferketten im Auge", so Busch. Siemens sehe unter anderem eine angespannte Situation bei Stahl, Kunststoffen und Frachtkapazitäten. "Daher könnten sich in den kommenden Monaten in einzelnen Fällen Einschränkungen in der Produktion und verlängerte Lieferzeiten ergeben", meint der Vorstandschef.

VW-Chef Herbert Diess warnte heute, dass sich die Lieferausfälle bei Elektronik-Chips mit wichtigen Halbleitern auch in der Autoindustrie noch spürbar hinziehen werden: "Die größten Risiken sehen wir bei den Halbleitern", erklärte Diess.