Siemens-Energy-Chef Christian Bruch

Neues DAX-Mitglied Steiler Aufstieg von Siemens Energy

Stand: 22.03.2021 10:21 Uhr

Ab heute wird die Aktie von Siemens Energy im DAX gehandelt. Das Unternehmen gehört zu den globalen Marktführern bei Erneuerbaren Energien, doch auch die Kohlesparte hat noch viel Gewicht.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Erst vor wenigen Monaten ist Siemens Energy an die Börse gegangen, jetzt folgt schon der Aufstieg in den DAX, also in die erste Liga unter den börsennotierten Unternehmen Deutschlands. "Das sei eine große Anerkennung für unser Unternehmen und das große Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte Siemens-Energy-Chef Christian Bruch.

Unter Siemens Energy firmiert das einstige Kerngeschäft von Siemens. Die rund 90.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 27 Milliarden Euro auf dem Energiemarkt. Allerdings werden jetzt Stellen abgebaut. Das Geschäft reicht von Turbinen für Kohle- und Gaskraftwerke über Leitungstechnik bis zu Windkraft. Dieses Segment wird von der Tochter Siemens Gamesa bedient, an der Siemens Energy einen Anteil von noch rund 70 Prozent hält. Auch das Thema Wasserstoff nimmt eine wachsende Bedeutung im Konzern ein. "Wasserstoff ist für uns ein wichtiges Zukunftsthema, an dem wir auf verschiedenen Wegen arbeiten", so Bruch.  

Gasturbinenbau bei Siemens Energy

Gasturbinenbau bei Siemens Energy

Mehr als 50 Prozent des Portfolios, also der Geschäftsbereiche seien bereits dekarbonisiert, teilt das Unternehmen mit. Durch die Mehrheitsbeteiligung an Siemens Gamesa gehöre Siemens Energy zu den Weltmarktführern bei Erneuerbaren Energien. Vor allem das Thema Nachhaltigkeit sollte Teil des neuen Geschäftsmodells sein, sozusagen die Story, mit der das Management bei den Anlegern punkten will.

Kein "grüner Konzern"

Allerdings hatte Siemens Energy gewisse Probleme mit der Glaubwürdigkeit als Vorreiter für Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien, denn die Kohlesparte spielt noch immer eine wichtige Rolle. Ein "grüner Konzern" ist Siemens Energy längst noch nicht. Aber schon wenige Wochen nach dem Börsengang kündigte Siemens Energy den Ausstieg an.

Siemens Energy werde sich mit sofortiger Wirkung nicht mehr an Ausschreibungen für ausschließlich mit Kohle befeuerte Kraftwerke beteiligen, so Buch. Kohlekraftwerke gehörten zu den größten CO2-Emittenten der Welt: "Der Weg zur Nachhaltigkeit muss aus unserer Sicht genau hier beginnen."  

Klimaziele und technische Lösungen 

Das Kalkül könnte aufgehen, denn die Politik zeigt sich immer entschlossener, mittels ambitionierter Klimaziele den Energiewandel zu forcieren. Hier eröffnet sich ein breites Geschäftsfeld für die Unternehmen, die die Technologien bereitstellen müssen. So hat sich die EU das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral aufgestellt zu sein - der sogenannte "Green Deal". Das bedeutet: Unter dem Strich sollen keine Treibhausgase mehr ausgestoßen werden.

Aktuell wird über die verbindlichen EU-Klimaziele bis zum Jahr 2030 verhandelt, die eine deutliche Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen vorsehen. Das funktioniert nur mit der entsprechenden Technologie, die auch Siemens Energy bereitstellen will.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte festgestellt, dass ein klarer Weg hin auf die Klimaneutralität 2050 beginne. Das werde die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinschaft bestimmen: "Der Green Deal wird unsere Wachstumsstrategie sein", so von der Leyen.

Auch die USA wollen grün werden

Fachleute rechnen ferner damit, dass Siemens Energy letztlich auch zu den Gewinnern der US-Wahl gehört. Schließlich zählt US-Präsident Joe Biden anders als sein Vorgänger Umwelt- und Klimaschutz sowie Erneuerbare Energien zu den Kernthemen seines Regierungsprogramms. Und das lässt sich Biden etwas kosten: Er könnte als Initiator des größten Klimaschutz-Programms in die Geschichte eingehen, denn rund zwei Billionen Dollar will Biden dafür mobilisieren.

"Zwei Billionen Dollar Investitionen sind doppelt so viel, wie die EU im Green Deal über einen viel längeren Zeitraum bereitstellen will", sagte Oliver-Wyman-Berater Daniel Kronenwett dem "Handelsblatt". Das sei eine Jahrhundert-Chance für Ausrüster im Bereich erneuerbare Energien und E-Mobilität, so der Experte.

Allianzen mit anderen Konzernen

Um auf dem Gebiet klimaschonender Technologien zu reüssieren, geht Siemens Energy Kooperationen ein. Gemeinsam mit BASF hat das Unternehmen eine strategische Partnerschaft initiiert, um Themen wie die Wasserstoffproduktion, Wärmepumpen und Stromnetze auszubauen.

Ziel sei es, zum Erreichen der Klimaschutzziele auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt beizutragen, unterstreicht Siemens-Energy-Chef Bruch - und natürlich damit ein gutes Geschäft zu machen, darf man wohl ergänzen.