Adar Poonawalla steht vor einem Schild des Serum Institutes of India | REUTERS

Indisches Serum Institute Kampfansage an globale Pharmariesen

Stand: 03.02.2021 12:57 Uhr

Als weltgrößter Impfstoffproduzent ist das Serum Institute aus Indien im Kampf gegen Covid-19 stark gefragt. Der Konzern will expandieren und künftig auch selbst Vakzine entwickeln.

Von Sibylle Licht, ARD-Studio Neu-Delhi

Er sammelt Gemälde von van Gogh, Renoir oder Chagall. In seiner Garage steht eine Flotte mit Autos der Marken Rolls-Royce, Ferrari oder Lamborghini. Adar Poonawalla hat einen erlesenen und teuren Geschmack. Er kann ihn sich leisten. Der Inder ist der Sohn eines der reichsten Männer Indiens: Cyrus Poonawalla, Gründer des Serum Institute im indischen Pune.

Sibylle Licht ARD-Studio Neu-Delhi

Globaler Impfstofflieferant

Der Aufstieg zum - nach eigenen Angaben - größten Impfstoffproduzenten der Welt begann auf dem Familiengestüt und mit der Idee eines Tierarztes. Der schlug vor, von Pferden gewonnenes Serum zur Herstellung von Impfstoffen zu verwenden. 1966 wurde das Serum Institute gegründet. Vor der Pandemie belieferte das Unternehmen 170 Länder mit Impfstoffen gegen Kinderlähmung, Mumps, Meningitis, Diphterie, Keuchhusten, Wundstarrkrampf oder Masern.

Als 20-Jähriger stieg Adar Poonawalla nach Internat und Universitätsausbildung in Großbritannien in die Firma seines Vaters ein. Mit 30 Jahren übernahm er die Geschäftsführung und begann seine ehrgeizigen Pläne voranzutreiben.

Hand hält Impfdosis des AstraZeneca-Vakzins Covidshield | AFP

Eine Milliarde Dosen des Vakzins Covidshield will das Serum Institute of India produzieren. Bild: AFP

Ziel: Eine Milliarde Impfdosen von AstraZeneca

Heute ist er 40 Jahre alt, und sein Unternehmen ist gerade weltweit gefragt. Es stellt den Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca, Covidshield, für Schwellen- und Entwicklungsländer in Lizenz her. Die Produktion von einer Milliarde Impfdosen ist geplant. 50 Prozent reserviert Ada Poonawalla für sein eigenes Land, 200 Millionen Dosen gehen an die COVAX-Initiative. Das COVAX-Projekt wird von der Weltgesundheitsorganisation unterstützt und dient der Verteilung von Covidshield an ärmere Länder.

"Indien stellte vor der Pandemie 60 bis 70 Prozent aller Impfstoffe weltweit her", sagte Poonawalla im vergangenen Sommer im ARD-Interview. Die werden vor allem von den westlichen Pharmakonzernen entwickelt. Indische Firmen erwarben bislang Lizenzen. Sie lieferten fast ausschließlich nach Afrika, Südamerika, nach Fernost oder in die ASEAN-Staaten zu günstigen Preisen.

Mann steht neben einer Produktionsstraße für Impfstoffe des Serum Instituts Indien | AP

Das Serum Institute of India will künftig nicht nur Impfstoffe produzieren, sondern auch selbst entwickeln. Bild: AP

Von der Produktion zur Entwicklung von Impfstoffen

"Aber vielleicht wird sich das ändern und mehr indische und chinesische Firmen werden in den nächsten 20 Jahren eigene Impfstoffe in Europa und den USA vertreiben." Adar Poonawallas Worte dürfen als Kampfansage an die großen europäischen und amerikanischen Pharmafirmen wie GlaxoSmithKline, Merck & Co., Sanofi oder Pfizer verstanden werden.

Die Pandemie könnte ihm jetzt helfen, schneller in die Impfstoffentwicklung einzusteigen. "Bisher waren unsere Gewinnmargen klein. Wir konnten keine Rückstellungen bilden, so wie die großen westlichen Pharmaunternehmen, um in die Entwicklung eigener Impfstoffe zu investieren", so Adar Poonawalla.

Milliarden von der Regierung

Vor dem Hintergrund der Pandemie stärkt nun Indiens Regierung seinen einheimischen Serumproduzenten den Rücken. Im kommenden Haushaltsjahr investiert das Land vier Milliarden Euro in die Impfstoffentwicklung und in Impfprogramme. Das seien 137 Prozent mehr als im Vorjahr.

Adar Poonawalla hat in den vergangenen Jahren fast eine Milliarde Dollar in seine Firma investiert. Er ist bereit für den Expansionskurs. Sein Ziel ist klar: Das Serum Institute soll nicht nur auf den westlichen Absatzmärkten mitspielen - es will den Pharmariesen Konkurrenz machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 27. Januar 2021 um 18:30 Uhr.