Leere Tribüne im Stadion des FC Schalke 04 | dpa

FC Schalke 04 Dank Anleihe zurück in die Bundesliga?

Stand: 14.06.2021 17:27 Uhr

Die vergangene Saison hat dem FC Schalke 04 zugesetzt - sportlich und finanziell. Um zumindest wirtschaftlich schnell wieder besser dazustehen, lockt der Verein seine Fans mit einer Anleihe.

Von Victor Gojdka, ARD-Börsenstudio

Vielleicht sagt schon der Banner im Netz alles: "Glück auf" heißt es, wenn man bei Schalke 04 die Anleihe kaufen will. Genau 5,75 Prozent Zinsen versprechen die Schalker ihren Anlegern. Angesichts von Nullzinsen auf dem Konto wirkt das üppig. Aber Fußballfan und Börsenexperte Alexander Langhorst von GSC Research sagt: Besser zweimal hinschauen.

"Im Endeffekt wird hier das Geld gebraucht, um Altschulden zurückzahlen", erklärt er. "Mit dem Geld kann man jetzt nicht Spieler kaufen, sondern das wird nur genutzt, um die alten Anleihegläubiger auszuzahlen. Und das ist auch immer ein Zeichen, dass man vorsichtig sein sollte." Denn geht eine Anleihefirma pleite, kann das Geld der Anleger weg sein.

Der Gang in Liga 2 schlägt ins Kontor

Und um die Finanzen der Königsblauen steht es alles andere als königlich: 52 Millionen Euro Verlust haben sie im vergangenen Geschäftsjahr eingespielt. Insgesamt schieben die Schalker einen Schuldenberg von 217 Millionen Euro vor sich her - und jetzt auch noch der Abstieg in die zweite Liga. Eine Schmach - fußballerisch und finanziell, sagt Sportökonom Daniel Weimar, der an der Uni Duisburg-Essen dazu geforscht hat: "Das sind hohe Einbußen auf jeglichen Kanälen der Ertragsgenerierung - Sponsorengelder, vor allem auch in der TV-Vermarktung. Also auf allen Ebenen ist damit zu rechnen, dass das Niveau der ersten Liga nicht gehalten werden kann."

Viele Fußballvereine kommen nach dem Abstieg in einen Teufelskreis: weniger Einnahmen, weniger Geld für Top-Spieler, schlechtere Leistung. Kein Zufall, dass sich vor Kurzem auch Werder Bremen per Anleihe Geld bei den Fans besorgt hat. Auch dieser Verein ist in die zweite Liga abgestiegen. Das ist ganz typisch bei den Fußballanleihen, sagt Sportökonom Weimar: "Das sieht man eben auch an den Namen, wenn man die Fananleihen durchgeht: Hansa Rostock, MSV Duisburg, Arminia Bielefeld - wir finden hier nicht Borussia Dortmund, wir finden hier nicht Bayern München."

Lieber Dauerkarte als Fananleihe?

Das allein sei schon ein Hinweis, sagt Weimar: "Das sind die Klubs, die keinen adäquaten Zugang mehr haben auf den normalen Kapitalmarkt." Heißt: Die Banken geben den Vereinen oft keine Millionenbeträge mehr. Oder nur noch zu extremen Zinsen. Den Privatanlegern, die in die Anleihe investieren sollen, bietet Schalke jetzt knapp sechs Prozent Zinsen. Bei der Bank, mutmaßen Experten, müsste der Verein wohl das Doppelte zahlen, um an frisches Geld zu kommen.

Also lieber ins Wettbüro gehen oder die Anleihe kaufen? Börsenexperte Alexander Langhorst von GSC Research hat da eine klare Meinung: "Vielleicht sollten Sie überlegen, ob Sie beides sein lassen. Oder Sie kaufen sich die Dauerkarte von S04. Da ist der Freudeeffekt, den Sie davon haben, der allergrößte." Der Ruhrgebietsverein Schalke 04 hängt schon allein historisch an der Kohle. Doch ob Anleger mit seinen Anleihen am Ende Kohle machen oder verbrennen? Das, sagen Experten, ist ziemlich unklar.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juni 2021 um 17:39 Uhr in den Wirtschaftsmeldungen.