Sanofi-Manager | AFP

Zu große Konkurrenz Sanofi stoppt mRNA-Impfstoff

Stand: 28.09.2021 14:36 Uhr

Der französische Pharmakonzern Sanofi beendet die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs auf Basis der mRNA-Technologie. Der Vorsprung der beiden Konkurrenten BioNTech und Moderna ist bereits zu groß.  

Sanofi steigt trotz positiver erster Studienergebnisse aus der Entwicklung eines eigenen mRNA-Impfstoffs gegen Covid-19 aus. Dieser würde zu spät auf den Markt kommen, erklärte ein Sprecher des französischen Pharmakonzerns. Denn der Wettbewerb wird bereits von den erfolgreichen Impfstoffen der Konkurrenten BioNTech/Pfizer und Moderna dominiert. Deshalb rechnet sich der Konzern in diesem Geschäft nur geringe Chancen aus.   

"Wir brauchen keine neuen Covid-Impfstoffe mit mRNA-Technologie mehr", sagte Thomas Triomphem, Vizechef der Impfsparte. Sanofi wird sich daher auf seinen proteinbasierten Covid-19-Impfstoff konzentrieren. Dieses Vakzin, das Sanofi zusammen mit dem britischen Hersteller GlaxoSmithKline entwickelt, befindet sich derzeit in der entscheidenden Phase-3-Studie und könnte bis Dezember verfügbar sein.

Impfstoffe für künftige Pandemien

Das Unternehmen will die neue Technik laut Triomphem aber nutzen, um Vakzine für künftige Pandemien zu entwickeln. Außerdem konzentriert sich Sanofi nun auf die Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs gegen Influenza. Die klinischen Studien dazu sollen im kommenden Jahr starten. Aber auch hier ist Pfizer schon weiter. Der US-Konkurrent hat bereits eine klinische Studie mit einem mRNA-Impfstoff gegen Grippe gestartet. Moderna entwickelt derzeit ebenfalls ein vergleichbares Vakzin.

Ohnehin gilt die Technologie als ausgesprochen zukunftsträchtig. Die mRNA-Technologie könne künftig eine große Rolle spielen, etwa bei der Behandlung von Krebs und seltenen Krankheiten, hatte Sanofi-Chef Paul Hudson erst kürzlich betont.

Messenger-RNA

Messenger-RNA, kurz mRNA oder auf Deutsch Boten-RNA, ist ein Botenmolekül, das genetische Informationen aus dem Zellkern zu den Ribosomen bringt. Das sind die Bereiche der Zelle, in denen - gewissermaßen nach der Bauanleitung der Erbinformation - Proteine gebildet werden. Bei den Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 wird mRNA genutzt, um den menschlichen Körper dazu anzuregen, eigene Antikörper als "Medikamente" gegen das Coronavirus herzustellen. Impfstoffe auf Basis von mRNA können schneller entwickelt, angepasst und hergestellt werden als herkömmliche Präparate wie Vektor- oder Totimpfstoff.

AstraZeneca kooperiert mit Start-up

Wie erfolgversprechend dieser Weg ist, haben längst auch andere entdeckt. Erst vor einigen Tagen vereinbarte der britische Pharmakonzern AstraZeneca eine millionenschwere Kooperation mit dem Startup VaxEquity. Der Konzern setzt dabei auf die nächste Generation der RNA-Technologie. Auch AstraZeneca geht es dabei um den therapeutischen Einsatz bei Krebs und seltenen genetischen Erkrankungen.

Die Anleger reagieren gelassen auf die Sanofi-Nachricht. In Frankreich legt die Aktie in einem insgesamt schwachen Markt leicht zu. Mit seiner Entscheidung kann der Konzern Entwicklungskosten sparen, die nun in andere Produkte fließen können.