Flugzeuge mit Logo "Ryanair" auf dem Rollfeld | dpa

Zurückgekehrte Reiselust Ryanair erwartet mehr Passagiere

Stand: 07.11.2022 16:14 Uhr

Der Billigflieger Ryanair hat im Sommer einen Rekordgewinn erwirtschaftet. Auch im Winter hofft die Airline vom größeren Preisbewusstsein vieler Menschen zu profitieren. Ihre Passagierprognose hat sie angehoben.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Europas größter Billigflieger Ryanair hat wegen der starken Erholung des Reisegeschäfts einen Rekordgewinn eingeflogen. Für das am 1. April begonnene erste halbe Geschäftsjahr bis September erwirtschaftete Ryanair einen Überschuss von 1,37 Milliarden Euro. Das sind rund sechs Prozent mehr als im bisherigen Rekordhalbjahr 2017 - lange vor der Coronakrise. Der Halbjahresumsatz habe sich auf 6,6 Milliarden Euro verdreifacht, teilte die Fluggesellschaft mit.

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Billigflieger in der Krise gefragt

Wie alle anderen Airlines geht auch Ryanair davon aus, dass die Reiselust weiter anhält - obwohl die Menschen wegen steigernder Preise weniger Geld in der Tasche haben. Rezession und Inflation schreckten ihn nicht, sagt Ryanair-Chef Michael O'Leary in der BBC: "In den 30 Geschäftsjahren von Ryanair haben wir drei oder vier Rezessionen durchgemacht. Und wenn eine Rezession kommt, dann hören die Menschen nicht auf zu fliegen, sie gucken nach dem günstigsten Anbieter, und das ist Ryanair." Das gelte auch für Marken wie IKEA, Aldi oder Lidl. "Günstige Anbieter legen während Rezessionen zu. Leute ändern ihre Gewohnheiten nicht, aber sie werden preisbewusster."

Zehn Prozent mehr Sitze als vor Corona im Winter

Aus diesem Grund werde Ryanair im Winter zehn Prozent mehr Sitze anbieten als vor der Pandemie, während die meisten Konkurrenten in der Europäischen Union Kapazitäten reduzierten. "Geschäftsreisen haben wieder zugenommen, Leute reisen für die Arbeit aber auch mit Blick auf Weihnachten. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass man Freunde und Familie wieder ungehindert besuchen kann - und das Interesse daran ist groß", so O'Leary.  

Während die meisten Konkurrenz-Airlines wegen Personalmangels im Flugbetrieb im Sommer massiv Flüge streichen mussten, konnte Ryanair mehr Tickets verkaufen als vor Ausbruch der Pandemie.  Die Passagierprognose für das gesamte bis März 2023 laufende Geschäftsjahr hob die Airline leicht an auf 168 Millionen - ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Spitzenwert von 149 Millionen Kunden vor der Pandemie.

Kritik an Personalpolitik

Während in Ägypten beim Weltklimagipfel über die Reduzierung von CO2-Emissionen verhandelt wird, preist O'Leary seine Flugzeugflotte als - im Vergleich - umweltfreundlich an: "Für Inseln wie Irland oder Großbritannien ist Flugverkehr sehr wichtig. Darum sollten die Menschen weiterhin fliegen, aber zum Beispiel auf unsere Flotte mit jungen Maschinen umsteigen, die weniger CO2-Ausstoß haben."

Ryanair steht immer wieder wegen seiner Personalpolitik in der Kritik. Nur ein Teil der Piloten sind fest angestellt, der Rest sind Scheinselbständige, die ihre Pilotendienste über eine Vermittlungsfirma anbieten müssen. Auch Kabinenpersonal wird je nach Bedarf in Zwangsurlaub geschickt. Im Zuge der Corona-Krise mussten die Beschäftigten von Ryanair harte Einschnitte hinnehmen. Erst im September hatten sich Piloten in einem offenen Brief an O'Leary beschwert, dass sie noch immer weniger Gehalt bekämen als vor der Corona-Krise.