Eine Ryanair-Maschine fährt über das Rollfeld auf dem Flughafen Frankfurt  | picture alliance/dpa

Billigflieger gibt Basis auf Ryanair-Aus am Frankfurter Flughafen

Stand: 07.01.2022 14:02 Uhr

Der Billigflug-Anbieter Ryanair löst seine Basis am Frankfurter Flughafen im März auf. Grund dafür sind die erhöhten Start- und Landegebühren. Der Bundesregierung wirft der Konzern Wettbewerbsverzerrung vor.

Wegen gestiegener Start- und Landegebühren gibt Ryanair seinen Standort am Frankfurter Flughafen auf. Die fünf dort noch stationierten Flugzeuge würden zum 31. März dieses Jahres auf kostengünstigere Flughäfen umverteilt, teilte das irische Unternehmen heute mit. Als Beispiel wurde Nürnberg genannt, wo zwei Flugzeuge stationiert werden sollen.

Ryanair betrieb seine Basis am größten deutschen Flughafen seit dem Sommerfahrplan 2017. Ziel war es damals gewesen, ein internationales Drehkreuz für Europaflüge aufzubauen. Europas größter Billigflieger profitierte dabei von einem Anreizprogramm des Betreibers Fraport mit gesenkten Fluggebühren für neue Anbieter. Damit ist nun jedoch Schluss.

Ryanair klagt über Wettbewerbsverzerrung

Passagiere mit bereits gebuchten Tickets würden in den kommenden Tagen benachrichtigt und erhielten Rückerstattungen, erklärte die Low-Cost-Airline. Im bislang veröffentlichten Sommerflugplan bleibe Frankfurt als Ziel der Iren aber enthalten. Zum Umfang des künftigen Angebots mit Flugzeugen aus anderen Basen äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht. Für die Crews bietet Ryanair nach eigenen Angaben alternative Arbeitsplätze in seinem stark wachsenden Europa-Netz an.

Grund für die Auflösung der Basis ist laut Ryanair die Entscheidung des Flughafens, in der aktuell angespannten Phase zum Jahreswechsel weiter die Start- und Landegebühren zu erhöhen. "Anstatt Ryanair einen Anreiz zum Bleiben und Wachsen zu geben, hat sich Frankfurt dafür entschieden, Verkehr und Arbeitsplätze durch eine Erhöhung der Flughafenentgelte zu vertreiben", heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Während die Airline ohne Beihilfen Investitionen in Höhe von 200 Millionen Dollar in deutsche Standorte getätigt habe, soll die Bundesregierung mit den milliardenschweren Hilfen für Lufthansa den Wettbewerb verzerrt haben.

Fraport hält Kritik für unberechtigt

Der Flughafenbetreiber Fraport wies die Kritik als unberechtigt zurück. Mit einer genehmigten Preiserhöhung um 4,3 Prozent liege man im europäischen Vergleich der Drehkreuze sehr niedrig, sagte ein Sprecher der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt getragene Konzern muss sich Gedanken machen über die Auslastung des nahezu fertiggestellten Flugsteigs G, der explizit auf die Bedürfnisse von Direktfluganbietern wie Ryanair zugeschnitten ist. Wegen der Corona-Krise war die Eröffnung aber schon zuvor erst gemeinsam mit dem gesamten Terminal 3 im Jahr 2026 vorgesehen.

Der eigentlich hochprofitable Ryanair-Konzern hatte jüngst wegen der Pandemie seine Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr gesenkt. Das Unternehmen kalkuliert nun mit einem Fehlbetrag von 250 Millionen bis 450 Millionen Euro für das bis Ende März 2022 laufende Geschäftsjahr. Beim Passagieraufkommen rechnet der Konzern mit unter 100 Millionen Fluggästen statt über 100 Millionen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Januar 2022 um 10:50 Uhr.