Blick auf die Blöcke A-E des Braunkohlekraftwerks Neurath  | picture alliance / Goldmann

Versorgungssicherheit RWE prüft Kraftwerke für Energiereserve

Stand: 15.03.2022 15:39 Uhr

RWE will den Bund bei seinen Bemühungen um mehr Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen unterstützen. Dazu prüft der Versorger nun, welche Kraftwerke als "Back-up" einspringen können.

Der Energiekonzern RWE arbeitet an der Versorgungssicherheit für deutsche Energiekunden. Dazu sollen nun Kraftwerke ausfindig gemacht werden, die als Reserve fungieren können.

Back-up-Kapazitäten auf dem Prüfstand

Laut dem heute veröffentlichten Geschäftsbericht von RWE will der Konzern die Energieversorgung in Deutschland auch in der Ukraine-Krise absichern helfen. "Dazu prüfen wir, welche RWE-Kraftwerke als zusätzliche Back-up-Kapazitäten infrage kommen. Außerdem wirken wir bei der Diversifizierung der Gasbeschaffung mit", so Vorstandschef Markus Krebber. Welche der Kraftwerke dafür geeignet wären, ließ das Unternehmen noch offen.

In der vergangenen Woche hatte RWE bereits erklärt, dass vor allem Kraftwerks-Kapazitäten im Rheinischen Revier unter die Lupe genommen werden. Der Block C des Kohlekraftwerks in Neurath sollte eigentlich teilweise Ende des Monats vom Netz gehen. Zwei weitere Blöcke befinden sich bereits seit 2018 in Sicherheitsbereitschaft und können innerhalb weniger Tage wieder betriebsbereit sein.

Im Rahmen des Ausstiegs aus der Kohle sollen bis Jahresende zudem auch die Kohle-Kraftwerksblöcke Neurath B, Niederaußem C und Weisweiler E abgeschaltet werden. Auch diese könnten durch die neue Lage womöglich wieder als Reserve-Kapazitäten für die Stromerzeugung in Betracht kommen.

Gegen Stopp russischer Energielieferungen

RWE hat sich heute anlässlich der Vorlage seiner Geschäftszahlen aber gegen einen Stopp russischer Energielieferungen nach Deutschland ausgesprochen. Dies hätte auf Grund der hohen Abhängigkeit massive Konsequenzen, so Vorstandschef Krebber bei der Bilanzpressekonferenz in Essen: "Ein sofortiger Stopp hätte ungeahnte Folgen für die Wärmeversorgung der Haushalte." Eine längere Lieferunterbrechung dürfte zudem die Produktionsanlagen der Industrie und des Mittelstandes nachhaltig schädigen.

RWE gehört zu den Großkunden des russischen Gaskonzerns Gazprom und hat mit diesem einen langfristigen Liefervertrag. "Welche Auswirkungen die Ukraine-Krise auf den Kontrakt haben wird, ist unbestimmt", hieß es im Geschäftsbericht. "Sollte der Vertrag fortbestehen, haben wir die Möglichkeit, im Rahmen turnusgemäßer Preisrevisionen über Anpassungen der Konditionen an die aktuelle Marktlage zu verhandeln."

Milliardengewinne im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr hatte der größte deutsche Stromerzeuger dank Zuwächsen im Handelsgeschäft und beim Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken sein bereinigtes operatives Ergebnis auf 3,65 Milliarden Euro nach zuvor 3,29 Milliarden Euro gesteigert. Der bereinigte Überschuss kletterte auf 1,57 Milliarden Euro nach 1,26 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Die Aktionäre sollen wie angekündigt für 2021 eine Dividende von 90 Cent je Aktie erhalten nach zuletzt 85 Cent. Für 2022 will RWE die Dividende stabil halten.

Über dieses Thema berichteten am 15. März 2022 MDR aktuell um 11:12 Uhr und BR24 um 13:37 Uhr.