Eingefrorene Windräder während einer Kältewelle in Texas.

Energiekonzern RWE Stromversorger will auf Extremwetter reagieren

Stand: 12.08.2021 16:15 Uhr

Kältewellen, Starkregen oder Hochwasser sind ein Risiko auch für die Energiebranche. Beim RWE-Konzern haben extreme Wetterphänomene hohe Millionenschäden verursacht. Nun will er sich besser dagegen wappnen.

Von Jörg Marksteiner, WDR

Eisregen in Texas, der Windräder einfrieren lässt. Dazu eine Jahrhundertkälte mit zusammenbrechender Stromversorgung. Zuletzt die Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz - solche Extremwetterlagen machen auch die Spitze des größten deutschen Stromerzeugers RWE nachdenklich.

"Das ist natürlich schon ein Punkt, wo man ins Nachdenken kommt", sagte der neue RWE-Chef Markus Krebber in einer Telefonkonferenz zur Halbjahresbilanz. "Ich sehe das mal so: Ich glaube, neben dem Kampf gegen den Klimawandel müssen wir uns auch damit beschäftigen, dass diese Wettereffekte häufiger vorkommen."

Deshalb entwerfe man gerade Pläne, wie man die Stromversorgung auf solche Phänomene besser vorbereitet, so der Topmanager. "Wenn man auf dieses Jahr guckt: Das ist das zweite Mal, dass wir unerwarteterweise jetzt - in kleinerem Umfang durch das Hochwasser, in größerem Umfang durch die Wetterkapriolen in Texas - in wirtschaftlicher Hinsicht in erheblichem Maße durch Wettereffekte betroffen werden."

Eingefrorene Windräder

Wirtschaftliche Folgen sind das eine: 35 Millionen Euro betragen die Flutschäden bei RWE. Ein Teil des Braunkohletagebaus Inden muss repariert werden, weil dort mit der Flut Wasser und meterhoher Schlamm eingebrochen sind. Zehn Tage lang war alles lahmlegt. Deutlich dramatischer: Dabei wurde auch ein Mitarbeiter mitgerissen, der später nur tot geborgen werden konnte.

Schon im Frühjahr hatte RWE mit Extremwetterlagen zu kämpfen. Völlig unerwartet ließ eine nie gekannte Kältewelle im US-Bundesstaat Texas die eigenen Windräder still stehen. RWE musste teuer zukaufen. Der Schaden hier: rund 400 Millionen Euro.

Dennoch sei man mit den ersten sechs Monaten sehr zufrieden, sagte Krebber. Tatsächlich hat der Energiemulti die Gewinnprognose fürs Gesamtjahr sogar erhöht. "Unser gutes Halbjahresergebnis basiert auf einer herausragenden Entwicklung unseres Energiehandels", so der RWE-Chef. Denn immer wenn Energiepreise stark schwanken, wie zuletzt, bietet das die Chance, im Börsenhandel Gewinne einzufahren.

Wieder mehr Kohlestrom

Dazu kommt: RWE hat zwar die Erneuerbaren Energien als neues Kerngeschäft auserkoren - seit der Konzern in einem Tauschgeschäft vor drei Jahren viele Wind- und Solarparks vom Konkurrenten E.ON übernahm. Doch noch hat man auch die alten Anlagen.

Und weil weniger Wind wehte, gleichzeitig nach Corona aber viele Betriebe ihre Produktion wieder hochgefahren haben und damit der Strombedarf stieg, liefen die traditionellen, fossilen RWE-Kraftwerke im ersten Halbjahr wieder deutlich öfter. Die Braunkohlekraftwerke haben fast 50 Prozent mehr Strom produziert - ihr Anteil am RWE-Energiemix stieg leicht auf 26 Prozent. Die Gaskraftwerke lieferten 35 Prozent. Von den Erneuerbaren Energien kamen rund 13 Prozent des Stroms.

Dieser Anteil, das ist klare Konzernstrategie, soll deutlich steigen. Fast zwei Milliarden Euro hat RWE dafür im ersten Halbjahr ausgegeben. Doch so einfach sei es gar nicht, Projekte zu finden. Und auch klimaschädliche Kohlekraftwerke werden immer wieder einspringen, glaubt der RWE-Chef - wenn es nicht gelingt, deutlich schneller deutlich mehr Wind und Solarparks zu ans Netz zu bringen.

"Genehmigung dauert viel zu lange"

"Die fossilen springen nur ein, wenn noch eine Lücke da ist", sagte Krebber. "Wenn Sie ausschließen, dass Sie irgendwann den Strom rationieren wollen, muss die ganze Energie der Diskussion darauf gehen: Wie bekommen wir schneller grüne Energieträger? Der Rest ergibt sich von selbst."

Und da wünsche er sich von der Politik mehr Engagement. Konkret: verbindliche, höhere Ausbauziele, mehr Flächen für Windräder, weniger Abstandsvorgaben und auch mehr Tempo bei Genehmigungsverfahren. "Aktuell dauert es fünf, manchmal auch sieben Jahre, bis in Deutschland ein Windpark an Land in Betrieb genommen werden kann. Das ist natürlich viel zu lange", so der RWE-Chef.

Und das ist mit ein Grund dafür, dass der Großteil der Wind- und Solaranlagen von RWE derzeit im Ausland steht.