Solaranlage auf dem Dach einer Shell Tankstelle | picture alliance / imageBROKER

Investor-Forderung Ruf nach Spaltung des Shell-Konzerns

Stand: 28.10.2021 11:32 Uhr

Der Investor Third Point drängt darauf, den Energiekonzern Royal Dutch Shell in zwei Teile aufzuspalten. Um dessen Ansehen zu verbessern, soll das Geschäft mit fossiler Energie von den Geschäften mit erneuerbaren Energien getrennt werden.

Der Energiekonzern Royal Dutch Shell ist bisher hauptsächlich für seine Aktivitäten bei Öl und Gas bekannt. Der Großaktionär Third Point will das nun ändern. Laut der gewöhnlich gut informierten Finanzzeitung "Wall Street Journal" verlangt Third Point, dass sich der britisch-niederländische Konzern in zwei eigenständige Unternehmen aufspaltet. Dadurch solle die Firma ein besseres Image bekommen, berichtete das Blatt und berief sich dabei auf einen Insider.

Third Point ist die Investmentfirma des in der US-Finanzszene bekannten Investors Daniel Loeb. Sie verwaltet laut den aktuellsten Daten Gelder in Höhe von rund 17 Milliarden US-Dollar. Laut dem Investor distanzieren sich Aktionäre von Shell, weil der Konzern als umweltschädlich gelte. Neben den alten Geschäftsbereichen mit fossilen Energien solle eine neue Firma mit Fokus auf alternative Energien und Investments entstehen.

Höhere Bewertung in Sicht?

Unternehmen, die über klimafreundliche Geschäftsmodelle verfügen, werden an der Börse erfahrungsgemäß sehr viel höher bewertet als Unternehmen, deren Tätigkeiten als klimaschädlich und langfristig als wenig aussichtsreich gelten. Bei der Aktie von Royal Dutch Shell stehen Investoren vor dem Dilemma, dass das Papier beide Bereiche enthält. Selbst wenn der Konzern wegen seines Engagements bei Solar- und Windstrom für Investoren interessant sein sollte, gibt es diese bisher eben nicht ohne das traditionelle Geschäft mit fossilen Energien.

Schon seit längerem gibt es den Trend, dass Anleger Investments in besonders umweltschädlichen Wirtschaftssektoren ablehnen. Vor einigen Jahren hatte beispielsweise der norwegische Staatsfonds, einer der größten seiner Art, angekündigt, sich von Öl-und Gasinvestments trennen zu wollen. In diesem Jahr investierte der Fonds, der ein Volumen von mehr als einer Billion US-Dollar hat, erstmals direkt in erneuerbare Energien. 

Gestern Abend hatte Royal Dutch Shell mitgeteilt, von einem entsprechenden Schreiben des Investors Kenntnis zu haben. Man begrüße den offenen Dialog mit allen Anteilseignern, inklusive Third Point, hieß es.

Strengere Emissionsziele

Auch sonst scheint Royal Dutch Shell auf Forderungen der Allgemeinheit zu reagieren. Das britisch-niederländische Unternehmen setzt sich neue Klimaziele. Bis zum Jahr 2030 will es die absoluten Emissionen aus seiner Geschäftstätigkeit gegenüber dem Niveau von 2016 halbieren, wie das Unternehmen nun mitteilte. Bis 2050 will Shell klimaneutral werden.

Der Konzern steht unter Druck, schneller mehr zu tun, nachdem ihn ein niederländisches Gericht im Mai zu deutlich schärferen Zielen in Bezug auf seine CO2-Emissionen verteilt hatte. Laut dem Urteil soll Shell seine Gesamtemissionen, einschließlich denen aus der Verbrennung seiner Produkte durch Kunden, bis 2030 um 45 Prozent reduzieren.

Royal Dutch Shell hatte sich ursprünglich vorgenommen, bis 2023 die Emissionen um mindestens sechs Prozent, bis 2030 um 20 Prozent und bis 2035 um 45 Prozent gegenüber 2016 zu senken.