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Neues Corona-Medikament Pfizer beantragt US-Notfallzulassung

Stand: 17.11.2021 09:12 Uhr

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat in den USA eine Notfallzulassung für sein neues Corona-Medikament Paxlovid beantragt. Sind Tabletten wie Paxlovid ein "Gamechanger" im Kampf gegen Corona?

Der US-Pharmakonzern und BioNTech-Partner Pfizer hat bei der US-Arzneimittelbehörde FDA gestern Unterlagen für eine Notfallzulassung seines Corona-Medikaments Paxlovid eingereicht. "Mit mehr als fünf Millionen Toten und zahllosen Leben, die weltweit von dieser verheerenden Krankheit betroffen sind, gibt es einen dringenden Bedarf nach lebensrettenden Behandlungsmöglichkeiten", erklärte Pfizer-Chef Albert Bourla.

"Zentrale Rolle im Kampf gegen Covid-19"

Die bei einer klinischen Studie aufgezeigte hohe Wirksamkeit der Pille zeige, dass antivirale Medikamente in Pillenform eine "zentrale Rolle im Kampf gegen Covid-19" spielen könnten, so Bourla.

Anfang November hatte Pfizer berichtet, dass Paxlovid bei Risikopatienten nach einer Coronavirus-Infektion die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um 89 Prozent senkt.

Merck-Pille bereits in Großbritannien zugelassen

Vor kurzem hatte die britische Arzneimittelbehörde bereits das Medikament Molnupiravir des US-Pharmakonzerns Merck & Co zur Behandlung von leicht bis mittelschwer erkrankten Covid-Patienten und -Patientinnen zugelassen. In Europa ist die Arzneimittelbehörde EMA noch dabei, die Zulassung des Präparats zu prüfen.

Auch bei Molnupiravir handelt es sich um eine Pille, die zu Hause eingenommen werden kann. Alle anderen antiviralen Medikamente wie etwa Remdesivir, die Ärzte bislang nutzen, müssen als intravenöse Infusion eingesetzt werden und machen damit einen Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Größerer Werkzeugkasten im Kampf gegen Corona

Vor diesem Hintergrund könnten Tabletten wie Molnupiravir und Paxlovid die am Limit arbeitenden Mediziner und Pfleger in den Krankenhäusern entlasten. Mit Medikamenten wie Paxlovid und Molnupiravir wird der Werkzeugkasten gegen Covid-19 in jedem Fall größer.

Waren 2020 noch Masken und Abstandhalten das probate Mittel, kamen 2021 die Impfungen und zuletzt die Auffrischungsimpfungen hinzu. Im Winter 2021/2022 sind es nun die Tabletten, die im Kampf gegen Corona erstmals eingesetzt werden könnten.

Günstigeres Angebot für ärmere Länder

Für die Pharmakonzerne geht es dabei auch um viel Geld. "Für eine Kur (fünf Tage lang drei Tabletten zweimal täglich) werden um die 700 Dollar abgerechnet werden", betonte Robert Rethfeld, Marktexperte von Wellenreiter-Invest.

Der Pfizer-Konzern hatte gestern allerdings angekündigt, das neue Corona-Medikament nach einer Zulassung in ärmeren Ländern billiger zur Verfügung stellen zu wollen. Der Konzern gab eine Übereinkunft zur Vergabe von Sublizenzen an Generikahersteller für die Produktion der Pille ohne Lizenzgebühren bekannt.

Dank einer Vereinbarung mit dem Medicines Patent Pool (MPP) soll die Pille in 95 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen rund 53 Prozent der Weltbevölkerung leben, zu einem niedrigeren als dem Originalpreis erhältlich sein.

1000 Dollar Gewinn je Sekunde

Pharmakonzerne wie Pfizer sahen sich zuletzt verstärkt Kritik von ärmeren Ländern und Nichtregierungsorganisationen ausgesetzt. Laut Untersuchungen eines globalen Impfbündnisses machen BioNTech, Pfizer und Moderna mit ihren Corona-Vakzinen 1000 Dollar Gewinn, und zwar pro Sekunde. Das hat die People's Vaccine Alliance (PVA) auf der Grundlage der Geschäftsberichte der Firmen und der dort angegebenen Erwartungen und Gewinnspannen errechnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.