Obi-Baumarkt in Moskau | picture alliance/dpa

Baumarktkette gibt Filialen ab Obi kommt Enteignung in Russland zuvor

Stand: 13.04.2022 17:10 Uhr

Der Tengelmann-Konzern gibt das komplette Russland-Geschäft seiner Baumarkt-Tochter Obi auf. Die 27 Filialen im Land verschenkt das Unternehmen an einen russischen Investor - offenbar auch aus Sorge vor einer drohenden Enteignung.

Der Familienkonzern Tengelmann hat mit einem harten Schnitt das Russland-Geschäft seiner Baumarktkette Obi beendet. Die gesamte russische Tochter mit ihren 27 Baumärkten und 4900 Mitarbeitern im Land wird an einen Investor abgegeben - ohne dass Tengelmann hierfür Geld erhält.

Alle juristischen Einheiten seien in Russland ohne Kaufpreiszahlung an einen Investor übertragen worden, teilte die Baumarktkette heute mit. Damit ist das Unternehmen einer drohenden Enteignung in dem Land offenbar zuvorgekommen. Der Name des Investors wurde nicht genannt. Die zuständigen Behörden müssten der Abgabe der Märkte noch zustimmen, hieß es. Einzige Bedingung sei, dass die Marke Obi künftig in Russland nicht mehr verwendet werden dürfe.

Widerstand russischer Manager

Tengelmann-Chef Christian Haub hatte vor drei Wochen in einem Interview mit dem "Manager Magazin" gesagt, er rechne mit einer Enteignung in Russland - und damit, die dortigen Filialen abschreiben zu müssen. Er könne sich aus "moralischen Gründen nicht vorstellen, weiterhin Geschäfte in Russland zu betreiben und damit indirekt das dortige Regime finanziell zu unterstützen".

Bereits Mitte März hatte die deutsche Führung beschlossen, die Obi-Baumärkte in Russland zu schließen. Doch russische Manager öffneten sie einfach wieder. Daraufhin trennte die deutsche Obi-Leitung die Kassen von den Servern. Die russische Zeitung "Wedemosti" sprach von einem "schweren Konflikt zwischen der russischen Obi-Führung und dem deutschen Mehrheitsaktionär".

Französische Kette Leroy-Merlin hält an Russland fest

Zahlreiche westliche Unternehmen haben wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ihr Geschäft im Land bereits aufgegeben - oder stark zurückgefahren. In der Baumarkt-Branche hält der französische Konkurrent Leroy Merlin anders als Obi am russischen Markt fest. Die Schließung der Märkte würde den Weg für eine Beschlagnahmung öffnen und Geld in die Kassen Russlands spülen, erklärte die Familie Mulliez, die 85 Prozent der Holding von Leroy Merlin besitzt. Man könne nicht die russischen Mitarbeiter für einen Krieg bestrafen, den sie nicht entschieden hätten.

Leroy Merlin steht deswegen in der Kritik. In Sozialen Netzwerken gibt es Aufrufe zum Boykott der Baumarktkette. "Leroy Merlin ist das erste Unternehmen der Welt, das die Bombardierung seiner eigenen Geschäfte und die Tötung seiner eigenen Mitarbeiter finanziert hat", twitterte das ukrainische Verteidigungsministerium.