Heizkraftwerk Cottbus | picture alliance / Andreas Frank

Notfallpläne von Versorgern Gewappnet für den dritten Corona-Winter

Stand: 22.10.2022 14:40 Uhr

Der Winter steht vor der Tür - und damit wohl auch die nächste Corona-Welle. Wie bereiten sich Unternehmen in der kritischen Infrastruktur auf die kommende Erkältungssaison vor?

Von Markus Reher und Phillip Manske, rbb

Eine riesige, grün leuchtende Monitorwand. Darauf in weiß, grün, blau, orange und rot Schaltkreise, Symbole, Zahlen und Diagramme. Vor der Wand fünf Männer vor weiteren Monitoren: Der Leitstand im Heizkraftwerk Cottbus. Auf ihn kommt es an. Von hier aus steuern sie die fünf Gasmotoren des Kraftwerks und stellen so sicher, dass mehr als 82.000 Haushalte in der brandenburgischen Stadt ausreichend Strom und Wärme haben. Kritische Infrastruktur also. Hier darf möglichst niemand ausfallen. Der Leitstand muss rund um die Uhr besetzt sein. Auch in Corona-Zeiten.

Gut 100 Techniker haben sie für den Leitstand. Und im Moment gibt es nur wenige Corona-Infektionsfälle, sagt Vlatko Knezevic von den Stadtwerken Cottbus, die das Heizkraftwerk betreiben. Sollten die Fallzahlen aber wieder steigen, müssten sie wieder mehr testen lassen und eine Maskenpflicht einführen. Denn: Ab sechs gleichzeitigen Fällen "wird es kritisch", so der Geschäftsführer der Stadtwerke.

Fokus auf das Kerngeschäft

Dabei habe sich die Ausgangssituation im Vergleich zu 2020 entspannt, heißt es vom Verband kommunaler Unternehmen. Der VKU vertritt über 1500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser, Abwasser, Abfallwirtschaft und Telekommunikation. "Falls sich die Lage zuspitzen sollte, sind die kommunalen Unternehmen bestmöglich vorbereitet", so der Verband. Es gebe inzwischen Notfallpläne, um die etwa 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der kommunalen Wirtschaft vor Erkrankung und Quarantäne zu schützen, Personalbedarf genau abzuschätzen und den Fokus auf das Kerngeschäft zu legen. All das mit dem Ziel, Menschen und Wirtschaft sicher versorgen zu können - selbst bei Erkrankungswellen.

Im Heizkraftwerk Cottbus etwa haben sie längst eingespielte Abläufe zum Infektionsschutz entwickelt: Eine sogenannte "Freimeldestelle" vor dem Leitstand für Mitarbeiter, die länger nicht im Dienst waren etwa. Oder feste Teams für verschiedene Schichten, die sich nicht begegnen sollen, damit sich im Ernstfall nur möglichst wenige auf einmal anstecken. Strikte Zugangsbeschränkungen und eine Zwangsbelüftung für den Leitstand kommen hinzu. "Man muss sich vorstellen, dass an diesen Plätzen alles, was wir an der kritischen Infrastruktur haben, zusammenläuft." Homeoffice sei da nicht möglich, sagt Knezevic.

Wenn Homeoffice keine Option ist

Auch bei der BVG, den Berliner Verkehrsbetrieben, ist Homeoffice für viele Mitarbeiter keine Option. Wer etwa die großen gelben Busse durch Berlin steuert, muss unter Leute. Die BVG, die sich selbst als Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen bezeichnet, zählte 2021 mehr als 700 Millionen Fahrgastfahrten, mehr als 15.000 Mitarbeitende halten die Hauptstadt mobil. Die Linie 100 ist bei Touristen besonders beliebt: Zoologischer Garten, Siegessäule und Schloss Bellevue, Bundestag, Brandenburger Tor und Staatsoper Unter den Linden. Für die Berlinerinnen und Berliner ist die BVG mit ihren Bussen, U- und Straßen-Bahnen aber noch weitaus mehr: Sie ist oft das Verkehrsmittel der Wahl auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Veranstaltungen oder zu Treffen mit Freunden. Kurz: Aus dem Alltag für viele nicht wegzudenken.

Ein BVG-Bus fährt am Zoologischen Garten in Berlin vorbei. | picture alliance/dpa

Ein Bus der BVG in Berlin. Auf manchen Linien schränken die Verkehrsbetriebe die Taktung etwas ein. Bild: picture alliance/dpa

Um auch künftig insgesamt alle Linien und Haltestellen des Bus-Netzes weiter bedienen zu können, hat sich die BVG entschlossen, den Verkehr auf besonderen Strecken leicht einzuschränken. Es geht dabei vor allem um Linien, auf denen es eine Expresslinie und eine "normale" Linie parallel gibt. Bereits während der "Sommerwelle" sei man so verfahren, heißt es bei der BVG - weil damals neben der Corona-Pandemie auch die angespannte Arbeitsmarktlage in der Hauptstadt auf die Personaldecke der Verkehrsbetriebe drückte. Die Maßnahmen aus dem Sommer gelten im Herbst und Winter nun erstmal weiter. Anpassungen darüber hinaus soll es vorerst nicht geben.

Etwas länger warten auf die U-Bahn

Schon im Januar hatte die BVG ihr Fahrplanangebot einmal einschränken müssen - damals um 4,8 Prozent der Fahrten, wegen zunehmender Fälle von Krankmeldungen und Quarantäne. Auch damals waren im Busnetz vor allem Linien mit parallelem Angebot ausgedünnt worden, um das Netz insgesamt bedienen zu können. "Berlin kann sich auf die BVG verlassen", sagte Betriebsvorstand Rolf Erfurt damals. Bei der U-Bahn hätten die Fahrgäste laut BVG höchstens eine Minute länger auf Ihren Zug warten müssen als sonst; im Straßenbahnverkehr waren 2 von 22 Linien von größeren Taktintervallen betroffen. Für den kommenden Corona-Winter sehen sich die Berliner Verkehrsbetriebe daher gut gewappnet.

Auch im Heizkraftwerk Cottbus mit dem streng abgeschirmten Leitstand mit seiner großen grün leuchtenden Monitorwand sehen sie den kommenden Monaten gelassen entgegen. Man habe schon die vergangenen Corona-Wellen ganz gut überstanden und sei vorbereitet, sagt Stadtwerke-Chef Knezevic. Die Energie- und Wärmeversorgung sei gesichert.