Anlagen der Anlandestation der Gaspipeline Nord Stream 1 in Lubmin | dpa

Wartung an Nord Stream 1 Gazprom unterbricht Gaslieferung erneut

Stand: 19.08.2022 20:26 Uhr

Der russische Staatskonzern Gazprom hat für Ende August eine dreitägige Unterbrechung der Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland angekündigt. Grund seien Wartungsarbeiten. Als Reaktion schnellte der Gaspreis in die Höhe.

Der russische Staatskonzern Gazprom hat angekündigt, Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas nach Deutschland fließen, teilte Gazprom am Abend mit.

In den drei Tagen müsse die einzige funktionierende Turbine der Kompressorstation Portowaja überprüft und überholt werden. Dies solle in Zusammenarbeit mit Spezialisten von Siemens Energy geschehen. Von Siemens Energy gab es auf Anfrage keinen Kommentar zu der Ankündigung von Gazprom.

Nach Wartung Rückkehr zu aktuellen Liefermengen geplant

Nach den angekündigten dreitägigen Wartungsarbeiten sollen Gazprom zufolge täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas durch Nord Stream 1 geliefert werden - falls es keine technischen Probleme gebe. Das entspricht 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen unter Hinweis auf notwendige Reparaturen verringert hat.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz teilte mit, die Wartungsmeldung zur Kenntnis genommen zu haben. "Wir beobachten die Lage in engem Austausch mit der Bundesnetzagentur. Die Gasflüsse über die Pipeline Nord Stream 1 liegen derzeit unverändert bei 20 Prozent", hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, äußerte sich ähnlich auf Twitter.

Gaspreis schnellt in die Höhe

Die Ankündigung einer weiteren Unterbrechung der russischen Gaslieferungen via Nord Stream 1 trieb den Gaspreis in die Höhe: Als Reaktion auf die Gazprom-Mitteilung erreichte an der Energiebörse in den Niederlanden der als Referenz geltende Terminkontrakt TTF am Abend den Preis von 257,40 Euro pro Megawattstunde - so viel wie noch nie zum Handelsschluss. 

Schon im Tagesverlauf war der Gaspreis gestiegen. Analysten erklärten den Preisanstieg unter anderem mit Äußerungen von Netzagenturchef Klaus Müller. Dieser hatte in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview gesagt, die vom Bund verordneten Ziele zur Füllung der Gasspeicher ließen sich kaum erreichen.  Vorgesehen ist, dass die Speicher zum 1. Oktober zu 85 Prozent und zum 1. November zu 95 Prozent gefüllt sind. Das Erreichen des 85-Prozent-Ziels sei zwar "schon sehr ambitioniert", einen durchschnittlichen Füllstand von 95 Prozent zum 1. November "werden wir kaum hinkriegen", sagte Müller.  Der Höchstpreis war am 7. März erreicht worden, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Damals kostete Gas im europäischen Handel kurzzeitig 345 Euro pro Megawattstunde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2022 um 20:00 Uhr.