Ein Mitarbeiter mit einer Schutzweste mit der Aufschrift Nord Stream 2. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Pipeline-Projekt Betreiber von Nord Stream 2 vor Pleite

Stand: 01.03.2022 14:53 Uhr

Die Nord Stream 2 AG, die Schweizer Eigentümergesellschaft der neuen Ostsee-Pipeline nach Russland, steht offenbar vor der Insolvenz. Die Arbeitsverträge der mehr als 140 Mitarbeiter sind bereits gekündigt.

Nach dem Stopp der Ostsee-Pipeline steht die schweizerische Eigentümergesellschaft, die Nord Stream 2 AG, offenbar vor der Pleite. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach arbeite die Nord Stream 2 AG derzeit mit Finanzberatern daran, Teile ihrer Verbindlichkeiten zu ordnen. Sie könnte noch in dieser Woche offiziell in der Schweiz einen Insolvenzantrag stellen, heißt es.

Nord Stream 2 hat nach Angaben des Schweizer Wirtschaftsministers Guy Parmelin bereits die Arbeitsverträge mit den mehr als 140 Mitarbeitern gekündigt. Sie ist eine Tochtergesellschaft des russischen Gazprom-Konzerns und hat ihren Hauptsitz in Zug gut 30 Kilometer südlich von Zürich. Das elf Milliarden Dollar schwere Pipeline-Projekt war aber zur Hälfte von den Energie- und Ölriesen Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall DEA finanziert worden.

Genehmigungsverfahren auf Eis gelegt

Russland wollte mit der 1230 Kilometer langen Pipeline durch die Ostsee die Kapazität der Erdgas-Lieferungen nach Deutschland verdoppeln. Nord Stream 2 ist fertig, die Bundesregierung hatte aber das Genehmigungsverfahren und damit die Inbetriebnahme wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf Eis gelegt. Deutschland bezieht rund 50 Prozent seiner Erdgasimporte aus Russland und überwies im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts 19,4 Milliarden Euro für Erdöl und Erdgas an das Land.

Das US-Finanzministerium hatte als Teil der Sanktionen gegen Russland in der vergangenen Woche ultimativ die Abwicklung aller Geschäfte mit der Nord Stream 2 AG und deren Mehrheitsbeteiligungen bis zum 2. März verlangt. Washington stand der Pipeline schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine sehr kritisch gegenüber. Der Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG, der frühere Stasi-Agent Matthias Warnig, ist von den USA mit Sanktionen belegt worden.

Zwei Nord-Stream-Gesellschaften

Nord Stream 2 war laut Reuters für eine Stellungnahme nicht erreichbar, Gazprom wollte sich nicht zu den Informationen äußern. Uniper erklärte, man wisse nichts von einem bevorstehenden Insolvenzantrag. Die übrigen Mitfinanziers waren der Nachrichtenagentur zufolge nicht für Stellungnahmen erreichbar oder äußerten sich nicht.

Die Nord Stream AG, die ebenfalls im schweizerischen Zug ansässige Betreibergesellschaft des seit 2011 in Betrieb genommenen ersten Pipeline-Doppelstrangs durch die Ostsee, ist ein Joint-Venture von Gazprom und mehreren westlichen Energiekonzernen - darunter Eon und Winterhall Dea. Dort sitzt Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder im Aufsichtsrat. Die Kritik an den Russland-Verbindungen des SPD-Politikers hatte zuletzt massiv zugenommen.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 MV am 01. März 2022 um 15:00 Uhr.