Unmontierte Mercedes-Sterne im Daimler-Werk in Rastatt | REUTERS

Milliardengeschäft Auch Nissan steigt bei Daimler aus

Stand: 05.05.2021 10:23 Uhr

Nach Renault trennt sich nun auch Nissan von seiner Beteiligung an Daimler. Damit ist die Überkreuzbeteiligung der drei Autobauer Geschichte. Die Schwaben haben längst einen anderen Partner gefunden.

Nach Renault im März steigt nun auch der japanische Autobauer Nissan beim Stuttgarter Daimler-Konzern aus. Nissan warf am Dienstagabend rund 16,4 Millionen Daimler-Aktien auf den Markt und stieß damit fast seinen kompletten Anteil von 1,54 Prozent an dem schwäbischen Konkurrenten ab.

Die Aktien wurden nach Aussagen der beteiligten Banken zu 69,85 Euro zugeteilt, also mit einem Abschlag von 3,5 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs an der Frankfurter Börse. Nissan spült der Verkauf 1,15 Milliarden Euro in die Kassen. Erst im März hatte sich Renault für einen vergleichbaren Preis von seinem gleich großen Daimler-Aktienpaket getrennt.

Partnerschaft soll fortgeführt werden

Renault und Nissan waren vor mehr als zehn Jahren mit je 1,54 Prozent bei Daimler eingestiegen. Ziel der drei Autobauer war es, ihre industrielle Partnerschaft mit einer Überkreuzbeteiligung zu untermauern. Doch die ehrgeizigen Pläne schrumpften rasch zusammen, die Zusammenarbeit von Daimler und Renault beschränkt sich vorwiegend auf Vans und Transporter. Sie soll unabhängig vom Ende der Überkreuzbeteiligung fortgeführt werden.

Für Daimler hat die einst vom früheren Konzernchef Dieter Zetsche und seinem Renault- und Nissan-Pendant Carlos Ghosn eingefädelte Partnerschaft längst ihre strategische Bedeutung verloren. Zwar hält der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller weiterhin jeweils 3,1 Prozent an den beiden Partnern. Er hat die beiden Aktienpakete aber längst in das Pensionsvermögen eingebracht, aus dem die Betriebsrenten für die Belegschaft gezahlt werden - ein Signal, dass die Beteiligungen für Daimler nur noch von finanziellem Interesse sind.

Geely ist längst wichtiger

Die Schwaben arbeiten inzwischen mehr mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammen, dessen Gründer Li Shufu seit 2018 fast zehn Prozent der Anteile von Daimler besitzt. Nach anfänglicher Skepsis haben die beiden Partner Ende letzten Jahres vereinbart, gemeinsam Motoren zu entwickeln und zu produzieren. Dabei soll es sowohl um Verbrenner als auch um E-Antriebe und Wasserstofftriebwerke handeln. Die Fertigung soll bei Geely in China angesiedelt sein, die Entwicklung bei Daimler. Bei den Gewerkschaften sorgt dies für Unmut.

Mit der Kooperation will Daimler offenbar seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Geely kann in China zu wesentlich günstigeren Bedingungen produzieren. Daimlers Ziel ist eine jährliche Kosteneinsparung im dreistelligen Millionenbereich. Die gemeinsam entwickelten Motoren sollen laut dem Stuttgarter Autobauer nicht nur in Daimler-Fahrzeugen, sondern auch in Volvo-Autos zum Einsatz kommen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Mai 2021 um 10:40 Uhr.