Nike Schuhe | picture alliance / NurPhoto

Rabattaktionen Warum Nike seine Ware verramscht

Stand: 30.09.2022 15:54 Uhr

Bei Nike türmt sich in den Lagern und Regalen die Ware. Der weltgrößte Sportartikel-Konzern sieht sich gezwungen, die Überbestände rasch abzubauen. Dabei sind Preisnachlässe das Mittel der Wahl.

Die Lager bei Nike sind rappelvoll. Der weltgrößte Sportartikelhersteller hatte die eigenen Lager - ebenso wie die Konkurrenten Under Armour, Adidas und Puma - vor Schulbeginn kräftig aufgefüllt. Dahinter steckten vornehmlich Ängste vor Lieferengpässen in Asien. Doch im Gegensatz zu den vergangenen Jahren funktionierten diesmal die Lieferketten reibungsloser. Und nun türmt sich die Ware in den Regalen.

Im abgelaufenen Geschäftsquartal (per Ende August) schwollen die Lagerbestände bei Nike um 44 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar an; in Nordamerika betrug das Plus sogar fast zwei Drittel, wie Nike gestern Abend nach US-Börsenschluss mitteilte. Um die Lager zu leeren, sieht sich der Sportartikel-Hersteller gezwungen, seinen Kunden Preisnachlässe zu gewähren.

Nike-Aktie mit Kurssturz, Adidas und Puma tiefer

Was für die Nike-Kunden positiv klingt, gefällt den Anlegern an der Börse so gar nicht. Scharenweise nehmen Investoren bei der Nike-Aktie Reißaus. Dem Titel droht der größte Kurssturz seit März 2020. Artikel des Sportartikel-Herstellers fallen im vorbörslichen US-Geschäft um 10,5 Prozent. Das zieht auch die Papiere der Konkurrenz nach unten.

Im Sog von Nike verlieren die Titel des Rivalen Under Armour mehr als vier Prozent. Im DAX sacken die Papiere von Adidas bis zu 4,4 Prozent ab auf ein erneutes Tief seit 2016. Für die Puma-Anteile geht es sogar noch etwas deutlicher um gut 5,6 Prozent bergab. Sie bewegen sich nun auf dem niedrigsten Niveau seit fast zweieinhalb Jahren.

Sinkende Margen sorgen für Missfallen

Hintergrund des Nike-Kurssturz ist der Umstand, dass die Rabattaktionen ebenso wie die gestiegenen Logistikkosten und der starke Dollar heftig auf die Marge drücken. Die Bruttomarge werde im laufenden Geschäftsjahr 2022/23 (per Ende Mai) um 2,0 bis 2,5 Prozentpunkte sinken, musste Nike gestern Abend einräumen.

Im ersten Quartal ging diese wichtige Kennziffer für die Profitabilität bereits auf 44,3 von 46,5 Prozent im Vorjahreszeitraum zurück. Am stärksten werde der Preisdruck im Herbst-Quartal werden, in dem in den USA bereits das Weihnachtsgeschäft beginnt, so Nike. Der US-Konzern erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Umsatzes außerhalb des Heimatlandes.

Hohe Inflation lastet auf Konsumsektor

Dank des starken Markennamens und der geplanten Einsparungen könne längerfristig aber wieder mit höheren Margen gerechnet werden, ist derweil Analyst David Swartz vom Research-Haus Morningstar überzeugt.

"Die Lösung des Dilemmas zwischen Umsatzwachstum und Margenschutz ist angesichts der Inflationsproblematik und der niedrigeren Verbraucherausgaben komplexer denn je", meint dagegen Analyst Cédric Rossi vom Analysehaus Bryan Garnier. Umsatzwachstum gehe unter diesen Umständen zulasten der Profitabilität.

Experten befürchten, dass der Konsumsektor weiter leidet, solange der Anstieg der Verbraucherpreise so dynamisch bleibt wie aktuell. In Deutschland hat die Inflation mittlerweile die Zehn-Prozent-Marke und damit ein 70-Jahreshoch erreicht.