Die Silhouette einer Frau mit Mundschutz ist im Logo von Nike in einem Einkaufszentrum zu sehen. | via REUTERS

Produktionsausfälle wegen Corona Nike-Fabriken in Vietnam stehen still

Stand: 24.09.2021 09:50 Uhr

Der Adidas-Konkurrent Nike hat mit massiven Produktionsproblemen zu kämpfen. Wegen strikter Corona-Maßnahmen sind Fabriken in Vietnam seit Wochen geschlossen. Wird vor Weihnachten die Ware knapp?

Der Sportartikelhersteller Nike leidet unter Produktionsausfällen in seinen vietnamesischen Fabriken. Aufgrund der dort grassierenden Delta-Variante des Corona-Virus sind die Produktionsstätten wegen eines Lockdowns seit Mitte Juli entweder ganz geschlossen - oder sie operieren nur mit einer drastisch reduzierten Besetzung.    

"Wir haben bereits zehn Wochen Produktion verloren", sagte Finanzchef Matt Friend bei der Vorlage der aktuellen Quartalszahlen. Für einige der Werke seien zwar bereits Pläne zur Wiedereröffnung abgesegnet worden. Die bisherigen Pandemie-Erfahrungen zeigten aber, dass es mehrere Monate dauern werde, bis die Produktion das gewöhnliche Niveau erreiche. Einige Analysten fürchten bereits, dass dem Konzern ausgerechnet in der Vorweihnachts-Saison die Ware ausgehen könnte.

Produktion nach Indonesien verlagert

Asien ist so etwas wie die Werkbank der Sportartikelhersteller: Nike produziert in Vietnam früheren Angaben zufolge rund die Hälfte seiner Schuhe und 30 Prozent der Sportbekleidung. In China lässt Nike etwa 21 Prozent der Schuhe und 19 Prozent der Bekleidung herstellen. Neben China spielt noch Indonesien mit 24 beziehungsweise 12 Prozent für Nike eine wichtige Rolle als Produktionsstandort.

Angesichts der Werksschließungen sei die Fertigung zum Teil in Fabriken in China und Indonesien verlagert worden, sagte Friend. Wegen der Überlastung der globalen Lieferketten brauche die fertige Ware aber aktuell 80 Tage, um von Asien nach Nordamerika zu kommen - etwa doppelt so lange wie üblich.

Auch der Konkurrent Adidas ist von den Produktionsausfällen in Vietnam betroffen. Der deutsche Sportartikelhersteller beschafft sich in Vietnam rund 28 Prozent seiner Waren, hauptsächlich handelt es sich dabei um Schuhe. Wie hart Adidas betroffen ist, dürfte aus dem nächsten Geschäftsbericht hervorgehen. Am 10. November will das Unternehmen seine Bilanzzahlen der ersten neun Monate vorstellen.

   

Nike senkt Umsatzprognose

Die Produktionsausfälle haben spürbare Auswirkungen auf Nikes Geschäftsaussichten. Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen nur noch mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau und schließt sogar einen leichten Rückgang nicht aus. Damit würgen die Engpässe eine rasante Erholung des Nike-Geschäfts nach Rückgängen im Corona-Jahr 2020 ab.

Angesichts der aktuellen Entwicklung schraubte Nike ferner die Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjahr zurück. Statt prozentual zweistelliger Zuwächse wird nur noch ein einstelliges Plus erwartet.

Im Ende August abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal legten die Erlöse im Jahresvergleich immerhin noch um 16 Prozent auf 12,25 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten allerdings mit einem stärkeren Zuwachs gerechnet. Der Gewinn stieg um 23 Prozent auf 1,87 Milliarden Dollar. Die Aktie geriet wegen im nachbörslichen Handel unter Druck.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2021 um 23:38 Uhr.