Zahlreiche Neuwagen

Pkw-Neuzulassungen im Juni Noch keine durchschlagende Erholung

Stand: 05.07.2021 15:18 Uhr

Die Zahl der E-Autos auf Deutschlands Straßen ist auch im Juni weiter gestiegen. Doch insgesamt liegt die Zahl der Pkw-Neuzulassungen noch immer deutlich unter dem Vorkrisenniveau.

In Deutschland sind im Juni erneut deutlich mehr Autos neu zugelassen worden als im Vorjahr - die Zahlen lagen aber weiterhin deutlich unter Vorkrisenniveau. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldete heute für Juni rund 274.000 Neuzulassungen, das waren knapp 25 Prozent mehr als im Juni 2020. Im Mai hatte der Anstieg bereits rund 37 Prozent betragen. 

Die Lücke gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 verringerte sich damit von 31 Prozent im Mai auf nunmehr 16 Prozent. "Von einer durchgreifenden Markterholung kann immer noch keine Rede sein, das Vorkrisenniveau bleibt in weiter Ferne," erklärte der Autoexperte von der Unternehmensberatung EY, Peter Fuß. Trotz der Aufholjagd nach dem Corona-Schock werde die Zahl der Neuzulassungen auch im Gesamtjahr das Vorkrisenniveau bei Weitem nicht erreichen. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller VDIK erwartet für 2021 ein Wachstum von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit läge das Volumen noch vier Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Mangel an Halbleitern

Einer der Gründe für die schwache Erholung ist der Mangel an Halbleitern. Nach der aktuellen Schätzung laufen deshalb allein in Deutschland rund 600.000 Fahrzeuge weniger als ursprünglich erwartet vom Band. "Weiterhin bleiben die Lieferengpässe bei Halbleitern ein Hindernis für die Produktion", erklärte der Automobilverband VDA.

Steuerchips sind seit Ende letzten Jahres Mangelware im Automobilbau, weil die Chip-Hersteller durch die veränderte Nachfrage in der Corona-Pandemie vor allem die Produzenten von Smartphones, Computern oder Spielekonsolen beliefern. Bei allen deutschen Autobauern stehen deshalb zeitweise die Bänder still und Kurzarbeit wird angeordnet. Mittlerweile betrifft das auch BMW, nachdem die Münchner zunächst dank höherer Bestände wenig betroffen waren.

Boom bei E-Autos

Bei Neuwagen mit Elektroantrieb hält der Boom unvermindert an. Insgesamt rund 149.000 Batterie-Antriebe kamen im ersten Halbjahr 2021 in Deutschland neu auf die Straße, drei Mal mehr als im Vorjahr, teilte das KBA mit. Mehr als jeder zehnte Neuwagen hatte damit einen Elektromotor. Noch im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres hatte ihr Anteil gerade einmal bei 3,5 Prozent an allen Neuzulassungen gelegen. Die Corona-Krise hatte den gesamten Autoabsatz damals einbrechen lassen.

Der VDA bewertet die steigende Zahl alternativer Antriebe als großen Erfolg. "Allerdings muss die Ladeinfrastruktur aufholen", teilte VDA-Präsidentin Hildegard Müller mit. "Bis 2030 braucht Deutschland mehr als eine Million Ladepunkte für E-Pkw und E-Transporter und damit erheblich mehr Anstrengungen."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. Mai 2021 um 20:13 Uhr.