Logo des Streamingsdienstes Netflix | AFP

Nur noch wenig Wachstum Ende des Netflix-Booms lässt Aktie abstürzen

Stand: 21.01.2022 09:01 Uhr

Zu Beginn der Corona-Pandemie gehörte der Streamingdienst Netflix zu den großen Gewinnern. Jetzt lässt das Wachstum nach und der Ausblick ist dank starker Konkurrenz ernüchternd. Die Aktie verlor nach Vorlage der neuesten Zahlen stark an Wert.

Dem weltgrößten Streaming-Anbieter Netflix macht die schärfer werdende Konkurrenz von Disney, Apple und Amazon zu schaffen. Der Konzern gewann im abgelaufenen Quartal dank Streaming-Hits wie "Squid Game" zwar 8,28 Millionen neue Kunden, Marktbeobachter hatten aber rund 110.000 mehr erwartet. Insgesamt haben derzeit weltweit 222 Millionen den Dienst abonniert.

Obwohl das Verfehlen der Prognose auf den ersten Blick nicht spektakulär wirkt, lesen die Fachleute daraus einen deutlich abflauenden Wachstumstrend. Für das laufende erste Quartal des neuen Jahres erwartet Netflix lediglich 2,5 Millionen neue Kunden. Auch damit blieb Netflix deutlich unter den Prognosen der Analysten. Und im ersten Quartal 2021 hatte der Konzern noch fast vier Millionen neue Abonnenten dazugewonnen. "Die Abonnentenbindung und das Publikum sind nach wie vor stark, aber das Wachstum neuer Abonnenten hat nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht", räumte Netflix ein.

Dabei sehen die Ergebniszahlen noch gut aus: Im Schlussquartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 16 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um rund zwölf Prozent auf 607 Millionen Dollar, was 537 Millionen Euro entspricht.

  

Wettbewerb intensiviert

Netflix hatte vor allem zu Beginn der Pandemie einen regelrechten Kundenansturm erlebt. In der ersten Pandemie-Welle 2020 hatte der Konzern 36 Millionen neue Kunden gewonnen. 2021 wuchs die Zahl noch um 18,2 Millionen. Doch das Wachstum flaut schon länger ab. Betrug der Marktanteil von Netflix 2018 noch 50 Prozent, soll er bis 2023 laut Prognose des Analyseinstituts eMarketer auf 28 Prozent sinken.

Denn der Streaming-Konzern kämpft mit starker Konkurrenz. Rivalen wie Disney+, Hulu und HBO Max rüsten auf und investieren Milliarden, um am Erfolg des Geschäftsmodells zu partizipieren. Zudem sind neue Anbieter wie Peacock und Paramount+ hinzugekommen. Im Quartalsbericht stellt Netflix fest, dass sich der Wettbewerb intensiviert habe, da Entertainment-Konzerne weltweit ihre eigenen Streaming-Services entwickelten.

Ein Experte weist zudem darauf hin, dass die Menschen in den USA aufgrund der hohen Inflation versuchen würden, Kosten zu senken. "Wenn die Leute Probleme haben, sich Benzin und Lebensmittel zu leisten, wird es für sie schwer sein, einen weiteren Streaming-Dienst zu rechtfertigen", so der unabhängige Analyst Rob Enderle.

21.1.2022 • 09:01 Uhr

Netflix-Aktienkurs bricht ein

Branchenkenner werfen schon länger die Frage auf, ob das Streaming-Geschäft auf eine Übersättigung zusteuert. Netflix setzt wegen der verhaltenen Wachstumsaussichten in etablierten Märkten wie Nordamerika deshalb stark auf seine internationale Expansion. Asien und Europa waren 2021 mit je über sieben Millionen neuen Nutzern die wichtigsten Märkte für Netflix. In den USA und Kanada, den größten Märkten, kam nur gut eine Million an neuen Kunden hinzu. Vergangene Woche hatte Netflix dort die Preise angehoben.

Nachbörslich stürzte die Netflix-Aktie zeitweise um 20 Prozent ein, das Unternehmen verlor also ein Fünftel seines Marktwerts. Auch die Aktien anderer Streaming-Anbieter gerieten kräftig unter Druck. Für den Unterhaltungsgiganten Walt Disney ging es zeitweise um rund fünf Prozent nach unten. Auch der Mutterkonzern des Netflix-Konkurrenten Paramount+, ViacomCBS, und der Live-Sport-Streaming-Dienst FuboTV erlitten deutliche Kursverluste.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Januar 2022 um 06:36 Uhr.