Bietigheim-Bissingen: Ein Mitarbeiter testet einen Lackierroboter bei der Dürr AG. | dpa

Höhere Bürgschaften Mehr Fördermöglichkeiten für Mittelstand

Stand: 08.12.2022 15:31 Uhr

Um den steigenden Kapitalbedarf im Strukturwandel zu decken, wollen Bund und Länder dem Mittelstand ab 2023 mehr unter die Arme greifen. Bei Finanzierungen sollen höhere Bürgschaften gewährt werden.

Bund und Länder weiten die Fördermöglichkeiten über die Bürgschaftsbanken und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften ab kommendem Jahr aus. Vom 1. Januar 2023 an können die Bürgschaftsbanken bis zu zwei Millionen Euro übernehmen, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) heute in Berlin mitteilte. Bisher konnten Kredit- und Leasingnehmer nicht mehr als 1,25 Millionen Euro in Anspruch nehmen.

Außerdem sollen die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften künftig mit bis zu 1,5 Millionen Beteiligungskapital unterstützen. Bisher waren es lediglich eine Million Euro.

Mehr Geld für Transformation und Strukturwandel

"Die Erhöhung und Verbesserung der Bürgschaften und der Beteiligungsfinanzierung dient der stärkeren Unterstützung von Transformationsvorhaben, für die höhere Finanzierungsvolumina benötigt werden als in der Vergangenheit", begründete der Parlamentarische Staatssekretär im BMWK, Michael Kellner, die Maßnahmen. Hinzu komme, dass der Kapitalbedarf für den Strukturwandel - sprich die Bekämpfung von Fachkräftemangel und die Auswirkungen des technologischen Wandels - bereits seit Jahren steige.

Die Bürgschaftsbanken und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaften sind öffentlich geförderte Selbsthilfeeinrichtungen für den Mittelstand. Sie werden von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern, von Banken, Versicherungen und Verbänden getragen. Durch die Übernahme von Finanzierungsrisiken erleichtern sie Existenzgründungen und die Erweiterung oder Nachfolge kleiner und mittlerer Unternehmen. Alle fünf Jahre werden die Rahmenbedingungen der entsprechenden Verträge zwischen Bund, Ländern und Bürgschaftsbanken neu ausgearbeitet.

Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) begrüßte den Ausbau der Fördermöglichkeit. "Mit der deutlichen Ausweitung der Obergrenzen haben die Unternehmen nun Planungssicherheit, dass Finanzierungen auch bei größeren Vorhabensummen durch die Förderinstrumente Bürgschaften und Beteiligungskapital gestemmt werden können", so der VDB-Vorsitzende Guy Selbherr.

"Mittelstand schöpft Hoffnung"

Derweil hat sich die Stimmung im deutschen Mittelstand wegen der schwindenden Sorgen über eine Gasmangellage sowie der Hilfen der Bundesregierung zuletzt gehoben. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen verbesserte sich im November, wie die staatliche Förderbank KfW zu ihrem Mittelstandsbarometer mit dem Münchner ifo-Institut gestern mitteilte. Dieses stieg um 3,6 Zähler auf minus 19,7 Saldenpunkte.

Ursächlich für das Nachlassen der depressiven Stimmung war demnach ein deutlicher Anstieg der Geschäftserwartungen, während die Lage etwas schlechter als im Vormonat beurteilt wurde. "Der Mittelstand schöpft wieder etwas Hoffnung", sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib zu den Ergebnissen. Das aktuelle Barometer lasse vermuten, dass viele Unternehmen das große Risiko einer Gasmangellage in diesem Winter herauspreisten und sich wahrscheinlich auch aufgrund des jüngsten Entlastungspakets von den allergrößten Sorgen verabschiedeten.

"Wenn neue Hiobsbotschaften ausbleiben, dann könnte sich in den nächsten Monaten die Trendwende bei den Geschäftserwartungen bestätigen", fügte die Ökonomin hinzu. Trotz des jüngsten Silberstreifs am Horizont seien die Geschäftserwartungen aber aktuell noch in etwa so pessimistisch wie zu Beginn der Corona- oder Finanzkrise. Etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet weiter mit schweren Zeiten, da energieintensive Unternehmen unter hohen Gas- und Strompreisen leiden.