Mister Minit Filiale

Deutsche Filialen schließen Mister Minit sagt leise Servus

Stand: 05.03.2021 15:30 Uhr

Nach rund 60 Jahren schließt der Schuh- und Schlüsseldienst Mister Minit sämtliche Filialen in Deutschland. Das Geschäft lief hierzulande schon länger schlecht; die Pandemie beschleunigte das Ende.

Wer jemals durch Bahnhöfe oder Einkaufszentren geschlendert ist, kennt Mister Minit - also vermutlich jeder. Jahrzehntelang waren die Filialen für viele die erste Anlaufstelle bei Schuhreparaturen, Schlüsselersatz oder Schlüsselanhängern, für Namensschilder und Gravuren. Jetzt heißt es Abschied nehmen, denn Mister Minit stellt seinen Geschäftsbetrieb in Deutschland ein.

Käufer tritt überraschend zurück

Die Minit Service GmbH hatte Ende April 2020 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gestellt. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wurde am 1. August eröffnet.

Der Käufer des im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung neu aufgestellten Betriebs habe den Kaufvertrag nun überraschend nicht vollzogen und verweigere die Übernahme des Geschäftsbetriebs, teilte der für die Eigenverwaltung in das Unternehmen berufene Sanierungsexperte Christoph Enkler von der Kanzlei Brinkmann & Partner mit.

Der Kaufvertrag vom 4. November 2020 habe die Übernahme des restrukturierten Geschäfts der Minit Service GmbH mit 116 Shops und rund 250 Mitarbeitern in Deutschland spätestens zum 1. März 2021 vorgesehen. Die Eigenverwaltung und der Sachwalter würden nun rechtliche Schritte gegen den Käufer prüfen, heißt es weiter.

"Faktenlage nicht umkehrbar"

Da der anhaltende Lockdown auf die aktuelle Liquiditätslage mit täglich hohen Verlusten voll durchschlage und das Interesse alternativer Investoren auf dem Nullpunkt sei, sehe sich die Eigenverwaltung gezwungen, den Geschäftsbetrieb unmittelbar einzustellen, hieß es aus der Kanzlei Brinkmann & Partner. Eine Überbrückung des Lockdowns mit staatlichen Hilfsgeldern sei der Minit Service GmbH als Gesellschaft in Insolvenz verwehrt.

"Mit dem Restrukturierungsplan waren wir auf einem sehr guten Weg", sagte Geschäftsführer Michael Heina. Leider zwinge die Liquiditätslage dazu, den Betrieb einzustellen. "Die durch den überraschenden Rückzug des Investors geschaffene Faktenlage ist nicht umkehrbar", ergänzte der gerichtlich bestellte Sachwalter Dr. Gregor Bräuer von der Kanzlei hww, der von einem bitteren Moment für die Belegschaft spricht. Mister Minit litt aber nicht nur unter Lockdown und Corona-Krise. Auch schon vor der Pandemie hatte sich der Markt für Schuh-Reparaturen schlecht entwickelt.

Heißes Pflaster Brüssel

Das war vor mehr als sechs Jahrzehnten anders: Mister Minit wurde 1957 in Belgien gegründet. Wie das Unternehmen zur eigenen Geschichte mitteilt, seien damals Stöckelabsätze hochmodern gewesen. Das Brüsseler Kopfsteinpflaster habe viele Schuhe beschädigt, so dass traditionelle Schuhmacher die Nachfrage nicht mehr hätten bewältigen können - die Geburt einer Geschäftsidee. 1959 folgte schließlich der Sprung nach Deutschland. Europaweit hat Mister Minit nach eigenen Angaben heute mehr als 900 Filialen, viele davon in seiner Heimat Belgien.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. März 2021 um 18:01 Uhr.