Eine Frau reinigt einer Küche.

ZEW-Studie Kaum Firmenaufgaben durch Mindestlohn

Stand: 05.08.2022 09:44 Uhr

Kritiker des Mindestlohns warnen vor negativen Folgen für die Wirtschaft. Einer aktuellen Studie zufolge ist er alles andere als ein Jobkiller. Manche Branchen sind demnach sogar produktiver geworden.

Die befürchteten negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen in Deutschland durch den gesetzlichen Mindestlohn sind einer Studie zufolge ausgeblieben. Die Einführung des Mindestlohns Anfang 2015 und seine ersten Erhöhung 2017 hätten kaum zu Marktaustritten von Unternehmen geführt, heißt es in einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die im Auftrag der Mindestlohnkommission durchgeführt wurde.

Arbeitslosigkeit nicht gestiegen

Manche Branchen seien teilweise sogar produktiver geworden, lautet ein Ergebnis der Studie. "Hauptaspekt unserer Untersuchung waren die Lohnkostenerhöhungen, die durch den Mindestlohn verursacht werden und am Ende die Wettbewerbsbedingungen von Unternehmen beeinflussen", erläuterte der ZEW-Experte und Co-Autor der Studie, Moritz Lubczyk.

Der Studie zufolge gaben zwar Kleinstunternehmen mit bis zu vier Beschäftigten in den Arbeitsmarktregionen auf, wo viele Mitarbeiter zuvor weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienten. Gezeigt habe sich das vor allem in Ostdeutschland, wo der Bruttodurchschnittslohn 2015 zum Untersuchungszeitpunkt wesentlich niedriger gewesen sei als im Westen. "Oft sind es die unproduktiveren Unternehmen, die den Markt verlassen", sagte Lubczyk. Die Arbeitslosigkeit sei wegen der starken Nachfrage nach Arbeitskräften jedoch nicht gestiegen.

Investieren Unternehmen mehr?

Zugleich erhöhte sich den Angaben der Studie zufolge die Arbeitsproduktivität in manchen Branchen, die besonders vom Mindestlohn betroffen waren, wie das Wett- und Lotteriewesen oder die Werbebranche. Das bedeutet, dass der Umsatz im Verhältnis zu den eingesetzten Arbeitskräften stieg.

"Zum einen kann das damit zusammenhängen, dass Unternehmen verstärkt in Kapital, also Maschinen oder Technologien, investieren und somit ihre Arbeitskräfte produktiver einsetzen", erläuterte Lubczyk. "Wenn vor allem weniger produktive Unternehmen aus dem Markt austreten, dann steigt die durchschnittliche Produktivität der gesamten Branche."

Mindestlohn wird bald nochmals erhöht

Der gesetzliche Mindestlohn war zum 1. Januar 2015 mit einem Betrag von 8,50 Euro brutto pro Stunde eingeführt worden. Erstmals erhöht wurde er Anfang 2017 auf 8,84 Euro. Derzeit liegt die gesetzliche Lohnuntergrenze bei 10,45 Euro brutto pro Stunde.

Die Mindestlohnkommission aus Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Wissenschaft passt den Betrag regelmäßig an. Außerdem soll sie Auswirkungen des Mindestlohns auf den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, den Wettbewerb, Beschäftigung und Produktivität begutachten.

Zum 1. Oktober folgt nach dem Wunsch der Politik ein außerplanmäßiger einmaliger Sprung auf 12 Euro pro Stunde. Daneben gibt es in mehreren Branchen tarifliche Mindestlöhne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juni 2022 um 09:00 Uhr.