Logos von Microsoft und Azure | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Google Cloud abgeschlagen Microsoft punktet im Cloud-Wettbewerb

Stand: 27.10.2021 10:33 Uhr

Der Trend zum hybriden Arbeiten beflügelt das Cloud-Geschäft der US-Tech-Konzerne. Nun hat Microsoft im Wettbewerb der Cloud-Anbieter mit Amazon und Google ein starkes Ausrufezeichen gesetzt.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der US-Technologiekonzern Microsoft ist erfolgreich in sein neues Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal (Juli bis September) schnellten die Erlöse in der Cloud-Sparte um 50 Prozent in die Höhe. Damit hält das starke Wachstumstempo des Cloud-Geschäfts weiter an, im Vorquartal verzeichnete Microsoft hier ein Plus von 51 Prozent.

Branchenkennern zufolge hat Microsoft-Chef Satya Nadella zuletzt vermehrt Nutzer davon überzeugen können, auf High-end-Versionen seiner Cloud-Produkte umzusteigen und entsprechend mehr zu bezahlen.

Cloud Computing | colourbox.de
Was ist die Cloud?

Der Begriff Cloud (deutsch: "Wolke") meint das Zusammenspiel von mehreren Server-Computern. Diese Server übernehmen etwa die Datenspeicherung oder komplizierte Programmabläufe. Darauf können Nutzer via Internet zugreifen, meist über Programme auf den zugreifenden Geräten ("Clients") und den Webbrowser.

Analysten begeistert über Microsofts Cloud-Geschäft

Microsoft-Finanzchefin Amy Hood sprach von einem "starken Start" im Cloud-Geschäft für das im Juli begonnene Microsoft-Geschäftsjahr. Mit dieser Meinung steht sie allerdings nicht allein da, Analysten strichen in ersten Kommentaren zu den Microsoft-Geschäftszahlen vor allem die Entwicklung des Cloud-Geschäfts positiv heraus.

"Das zeigt, wie Nadella sich in diesem Cloud-Wettrüsten immer mehr Marktanteile sichern kann", betonte etwa Dan Ives, Aktien-Analyst der US-Investmentfirma Wedbush, in einem Interview auf Yahoo Finance. "Das dürfte die Aktie weiter nach oben treiben."

Dan Morgan vom Vermögensverwalter Synovus Trust schlägt auf Bloomberg in die gleiche Kerbe, auch er sieht Microsoft Azure auf einem guten Weg zu einem höheren Marktanteil.

Amazon Web Services mit der Lizenz zum Speichern

Bislang gilt Amazon Web Services (AWS) als Marktführer unter den Cloud-Anbietern. Erst gestern überraschte die "Financial Times" mit einer Meldung, wonach britische Geheimdienste AWS mit der Verarbeitung von vertraulichem Material beauftragt haben sollen. Ziel sei, künstliche Intelligenz verstärkt für Spionage zu nutzen.

AWS-Zahlen für das abgelaufene Quartal gibt es allerdings noch nicht, Amazon öffnet erst Donnerstagabend nach US-Börsenschluss seine Bücher. Analysten rechnen im Schnitt für die Amazon-Cloud-Sparte mit einem Umsatz von 15,5 Milliarden Dollar.

Microsoft auf dem Weg zur Nummer eins?

Kann Microsoft, die bisherige Nummer zwei im Cloud-Geschäft, somit womöglich AWS als Branchenprimus ablösen? Fakt ist: Microsoft wies für das vergangene Quartal Erlöse in Höhe von 16,96 Milliarden Dollar für sein "Intelligent Cloud"-Segment aus.

Auch ein Abflachen der Wachstumsdynamik ist nicht in Sicht: Für das laufende Quartal prognostiziert Microsoft Cloud-Erlöse in Höhe von 18,4 Milliarden Dollar - und liegt damit klar über den Analystenerwartungen von 17,9 Milliarden Dollar.

Allerdings müssen diese Zahlen insofern eingeschränkt werden, als dass Microsoft in seinem "Intelligent Cloud"-Segment nicht nur die Azure-Sparte, sondern auch weitere Sparten wie etwa GitHub, Visual Studio und Windows Server miterfasst.

Google Cloud klar unter Erwartungen

Auf alle Fälle hat Microsoft mit seiner starken Bilanz einmal mehr seinen Kampfeswillen im Wettbewerb der Cloud-Anbieter unter Beweis gestellt - und Google einmal mehr auf seinen Platz verwiesen.

Zwar konnte sich die Cloud-Einheit von Google unter der Ägide von Thomas Kurian etwas mehr Marktanteile sichern, doch liegt sie immer noch meilenweit hinter Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure zurück. Trotzdem glaubt Google-Chef Pichai, dass die Sparte ein "anhaltendes Momentum" habe, wie er auf dem Analysten-Call unterstrich.

Google mit Rekordgewinn, YouTube enttäuscht

Der dritte Konzern in der Cloud-Rangfolge wies für das vergangene Quartal für seine Sparte Google Cloud Erlöse von gerade einmal 4,99 Milliarden Dollar aus - und verfehlte damit deutlich den Wall-Street-Konsens von 5,04 Milliarden Dollar.

Auch die Erlöse des Videoportals YouTube blieben mit einem Plus von immerhin 44 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar hinter den Erwartungen zurück. Dank eines starken Werbegeschäfts konnte Alphabet dennoch mit 18,9 Milliarden Dollar den dritten Rekordgewinn in Folge verbuchen.

Starkes Xbox- und Office-365-Geschäft

Bei Microsoft erwiesen sich derweil neben der Cloud vor allem das Geschäft rund um die Xbox-Konsolen sowie die "Office 365"-Produkte mit einem Plus von 30 respektive 21 Prozent als starke Wachstumstreiber. Unterm Strich blieb im Gesamtkonzern ein Gewinn von 20,5 Milliarden Dollar hängen.

Doch nicht nur mit Blick auf Cloud-Geschäft und Gewinn hat Microsoft gegenüber Google die Nase klar vorn. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 2,33 Billionen Dollar liegt Microsoft deutlich vor der Google-Mutter Alphabet (1,86 Billionen Dollar) und kann sich auch von Amazon (1,71 Billionen Dollar) weiter nach oben absetzen.

Amazon-Aktie hinkt Microsoft und Google hinterher

Schaut man allerdings nur auf dieses Jahr, so hatte die Alphabet-Aktie an der Börse zuletzt den besseren Lauf: Sie schnellte seit Jahresbeginn um 59,6 Prozent in die Höhe, während die Microsoft-Aktie ein Plus von 39,3 Prozent vorweisen kann.

Die Amazon-Aktie blieb dagegen mit einem Kursgewinn von 3,7 Prozent nicht nur hinter der Cloud-Konkurrenz, sondern auch gegenüber dem Gesamtmarkt deutlich zurück. Umso genauer werden Anleger wie Analysten die Zahlen am Donnerstagabend unter die Lupe nehmen auf der Suche nach Hinweisen, ob die Wachstums-Aktie langfristig noch Potenzial hat.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.