Merck-Chefin Belen Garijo beim Besuch eines firmeneigenen Covid-19 Impfzentrums

BioNTech-Zulieferer Impfstoff-Boom für Merck

Stand: 05.05.2021 10:11 Uhr

Die weltweiten Impfkampagnen sind für den Darmstädter Pharmakonzern Merck ein wachsendes Milliardengeschäft. Er ist einer der wichtigsten Zulieferer von Lipiden, die der Hersteller BioNTech für die Vakzin-Produktion benötigt.

Der Start für die neue Merck-Vorstandschefin Belen Garijo hätte kaum besser verlaufen können. Nur wenige Tage nach ihrem Amtsantritt kann Merck über ein "sehr starkes erstes Quartal" berichten. Auch für den weiteren Jahresverlauf sei mit einer hohen Nachfrage zu rechnen, teilten die Darmstädter mit.

Die Merck KGaA erwartet daher für das laufende Jahr einen Umsatzzuwachs von sechs bis elf Prozent auf 18,5 bis 19,5 Milliarden Euro. Bisher hatte Merck hier lediglich ein "starkes organisches Wachstum" angestrebt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll auf 5,4 bis 5,8 Milliarden Euro steigen.

An der Börse kommt das gut an: Die Merck-Aktie gehört zu Handelsauftakt zu den großen Gewinnern im DAX. Binnen Jahresfrist steht ein Plus von knapp 40 Prozent zu Buche.

Ohne Lipide geht bei BioNTech nichts

Der DAX-Konzern gilt als einer der Nutznießer der Corona-Pandemie. Die weltweite Forschung nach Covid-19-Impfstoffen sorgt für einen Auftragsboom im Life-Science-Geschäft von Merck, das ein wichtiger Zulieferer für Pharma- und Biotechunternehmen ist.

So stellt Merck etwa die für die Impfstoffherstellung bei BioNTech/Pfizer so dringend benötigten Lipide her. Der Botenstoff des mRNA-Vakzins wird nämlich in eine Art Hülle verpackt, die aus Lipiden besteht. Diese fettartigen Moleküle sind wichtig, damit die Wirkstoffe des Vakzins im Körper freigesetzt werden können.

"Das Haus auf den Kopf gestellt"

Die Darmstädter hatten mit der Mainzer BioNTech bereits vor der Corona-Pandemie zusammengearbeitet und diese Partnerschaft zuletzt intensiviert. Erst vor drei Tagen hatte Merck-Chefin Garijo eine Ausweitung der Lipid-Produktion angekündigt.

"Wir haben bereits im zweiten Quartal Aufträge vorgezogen und werden in der zweiten Jahreshälfte unsere Lieferungen weiter ausbauen, um den hohen Bedarf an dringend benötigten Lipiden für Biontech und unsere anderen Kunden zu decken", so die Spanierin. "Wir haben das Haus dafür auf den Kopf gestellt."

Merck produziert die Lipide an seinem Stammsitz in Darmstadt sowie in Schaffhausen in der Schweiz. Zu den wenigen anderen Firmen, die ebenfalls Lipide an BioNTech liefern, zählt der im MDAX notierte Essener Spezialchemiekonzern Evonik.

Mitarbeiterimpfungen gestartet

Angesichts seiner Bedeutung nicht zuletzt für die Impfstoffproduktion zählt Merck zur so genannten kritischen Infrastruktur. Die Mitarbeiter sind daher in der Priorisierungsgruppe drei und damit impfberechtigt.

Im Rahmen eines Pilotprojektes des Landes Hessen startete Merck am Montag mit der Impfung seiner Mitarbeiter gegen Covid-19. Ein Impfangebot erhalten dabei Mitarbeiter, die unentbehrlich für die Aufrechterhaltung der Betriebe und Lieferketten sowie den sicherheitskonformen Betrieb des Standorts sind. In einer Turnhalle am Rande des Merck-Geländes in Darmstadt werden nun täglich bis zu 380 Mitarbeiter immunisiert.

Außer Merck beteiligen sich Sanofi-Aventis in Frankfurt, B. Braun Melsungen, die Marburger Pharmaserv GmbH (hier wird der BioNTech-Impfstoff produziert) und Fresenius Medical Care am Pilotprojekt des Landes Hessen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Mai 2021 um 08:00 Uhr.