Flugzeuge am Flughafen Frankfurt/a.M. | picture alliance / Daniel Kubirs

Luftfahrtbranche Corona ist nicht das einzige Problem

Stand: 18.06.2021 06:46 Uhr

Die Luftfahrt ist von der Corona-Krise besonders heftig getroffen worden. Aber auch beim Thema Klimaschutz steht die Branche unter Druck. Gelingt jetzt der Umbruch?

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Die Stimmung in der Luftfahrtbranche hat sich aufgehellt. Denn etliche Flugzeuge füllen sich wieder, und viele Menschen freuen sich auf ihren Sommerurlaub. Und so gehen dieser Tage die Buchungen fast überall durch die Decke: Lufthansa, Eurowings und Condor - alle erleben einen riesigen Sommertrend.

Michael Immel

Werden die Ersten die Letzten sein?

Auch die "Nationale Luftfahrtkonferenz", zu der heute Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg zusammenkommen, will an diesen positiven Trend anknüpfen. Aber das wird nicht einfach.

Selbst wenn die Auslastung jetzt kräftig steigt: Über das gesamte Jahr gesehen wird die Luftfahrtbranche wohl lediglich bei 40 bis 50 Prozent des Vorkrisenniveaus landen. Schon im vergangenen Frühjahr hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr festgestellt: "Wir waren als erste Branche von dieser weltweiten Krise betroffen und die Luftfahrt wird mit die letzte sein, die sie verlassen wird."

Reisebeschränkungen aufheben

In der gemeinsamen Erklärung zur Luftfahrtkonferenz, die heute in Berlin unterzeichnet werden soll, heißt es daher: "Nach rund 15 Monaten des nahezu völligen Stillstands leidet das deutsche Luftverkehrssystem unter massiven wirtschaftlichen Verlusten. Deswegen sind weitere Entscheidungen und Maßnahmen erforderlich, um die Wiederbelebung des Luftverkehrs zu unterstützen."

Dabei geht es vor allem um Reisebeschränkungen, die schrittweise aufgehoben werden sollen. Und um Vereinfachungen im Reiseverkehr insbesondere durch einen digitalen Impfpass für den Nachweis von Impfung, Genesung und Testergebnissen. Das soll die Prozesse an den Flughäfen beschleunigen.

Erfolgreich und nachhaltig

In dem neunseitigen Papier, das tagesschau.de vorliegt, geht es vor allem um eine grüne Strategie für die deutsche Luftfahrtbranche. Die Wiederbelebung soll ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit daherkommen. Klimaschutz, Ökoeffizienz und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit: Das sind die Zukunftsthemen für die gesamte Branche - die auch verstanden hat, dass Lippenbekenntnisse allein künftig nicht ausreichen werden.

"Ein wesentliches Instrument zum Klimaschutz im Luftverkehr ist die schnelle und kontinuierliche Erneuerung der Flugzeugflotten", heißt es daher in der Berliner Erklärung. Neue Verkehrsflugzeuge würden bis zu 25 Prozent weniger CO2 als die Vorgängergeneration emittieren. Mit dem Einbruch des Luftverkehrs sei aber auch die Flottenerneuerung weitgehend zum Erliegen gekommen.

"Deswegen hat der Bund ein Förderprogramm angestoßen, um einen wirtschaftlichen Anreiz für die Flottenerneuerung zu geben. Wir setzen uns weiter für eine schnelle beihilferechtliche Genehmigung des Programms noch in dieser Legislaturperiode ein."

Kritik von Gewerkschaften

Derweil hagelt es schon im Vorfeld der Luftfahrtkonferenz massiv Kritik von Gewerkschaften. Seit Beginn der Pandemie hätten laut ver.di-Umfrage 16 Prozent der Belegschaft den Luftverkehr verlassen. "Die Zahlen zum Personalabbau sind erschreckend", sagte Mira Neumaier, ver.di-Bundesfachgruppenleiterin für Luftverkehr, die heute auch an der Luftfahrtkonferenz teilnimmt.

"Angesichts der schon vor Beginn der Pandemie extrem dünnen Personalbesetzung und der großen Belastungssituation für die Beschäftigten steht zu befürchten, dass ein geregelter Neustart im Luftverkehr - auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus - nicht mehr leistbar sein wird."

Sicherung von Arbeitsplätzen

"Es reicht nicht, Konzerne zu retten", mahnt Stefan Herth, Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. "Das Kurzarbeitergeld war in der akuten Krise eine wichtige Maßnahme. Was wir aber nun brauchen, ist die nachhaltige Sicherung der Arbeitsplätze. Hier hat die Politik in den zurückliegenden eineinhalb Jahren zu wenig Engagement gezeigt", so Herth.

Als Großaktionär habe der Bund auch die Verantwortung, bei wichtigen unternehmerischen Entscheidungen das Wohl der Beschäftigten nicht aus den Augen zu verlieren. "Lohndumping und Sozialabbau auf Staatskosten dürfen an keiner Stelle akzeptiert werden."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juni 2021 um 07:21 Uhr.