Blick ins Cockpit eines ICE der Deutschen Bahn | imago images/Action Pictures
Hintergrund

Lokführer bei der Bahn Ein Job an entscheidenden Hebeln

Stand: 23.08.2021 11:01 Uhr

Der Beruf ist für viele ein Kindheitstraum. Doch was macht die Arbeit des Lokomotivführers im Alltag aus? Axel Wolf und Sebastian Präkelt können sich bis heute für den Job begeistern - trotz des Schichtdienstes.

Von Ulrich Crüwell, RBB

Irgendwas um die 2400 Euro überweist ihm die Deutsche Bahn jeden Monat. "Mehr ist es nicht", sagt Axel Wolf, ein Lokführer mit 30 Jahren Berufserfahrung. Den Job wählte Wolf aber auch nicht, um reich zu werden. Für ihn war der Beruf des Lokomotivführers vor allem eine große Möglichkeit. Draußen zu sein, ständig neue Kollegen kennenzulernen und Verantwortung zu tragen, sei das Schöne an seinem Beruf. Davon träumte er schon als Kind.

Als Halbwüchsige wanderten er und seine Brüder zu den Gleisen am Stadtrand Berlins, ließen Züge an sich vorbei rauschen und beschlossen irgendwann, Lokführer zu werden. Axel Wolf und einem seiner Brüder gelang das Kunststück, die kindliche Leidenschaft ins Erwachsenenalter hinüberzuretten.

Auf das Abitur verzichtet

1986 fuhr Wolf zum ersten Mal alleine einen Zug. Da war er 18 Jahre alt und hatte gerade seine Lehre bei der DDR-Reichsbahn beendet. "Der Job begeistert mich noch heute", sagt der 53-Jährige. Nach vielen Berufsjahren schleiche sich natürlich auch Routine ein, aber es gebe immer wieder besondere Momente. Zum Beispiel, wenn der ICE zwischen Frankfurt und Köln bergab von 230 auf 300 Kilometer beschleunige - ganz ohne die Kraft der Motoren sondern nur durch das starke Gefälle.

ICE fährt in der Nähe von Hildesheim durch eine Kurve | dpa

Erlebnisse wie die Beschleunigung des ICE begeistern Lokführer teilweise auch nach vielen Berufsjahren. Bild: dpa

Er hätte auch Abitur machen können, erzählt Wolf. Die Lehrer seien dafür gewesen, aber eine Karriere am Schreibtisch erschien ihm zu dröge. "Als Lokführer sitzt du an entscheidenden Hebeln." Ein Satz, der in den Tagen von Lokführer-Streiks eine zweideutige Wucht entfaltet. "Kollegen, die die Toiletten in den Bahnen putzen, haben nicht unsere Macht, aber mit verstopften Klos könnten die Züge auch nicht fahren", sagt Wolf.

Arbeiten im Schichtsystem gehört dazu

Zum Alltag von Lokführern gehört das Arbeiten in Schichten, die auch in die Nacht fallen können. "Wer Lokführer wird, weiß vorher, dass er in einem Schichtsystem arbeitet", sagt Sebastian Präkelt, ein 32 Jahre alter Lokführer, der im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg fährt und wie sein Kollege Wolf als ehrenamtlicher GDL-Funktionär tätig ist. Auch für ihn ist der Beruf mehr als nur ein Job.

Lokführer Sebastian Präkelt | Ulrich Crüwell RBB

Für Lokführer Sebastian Präkelt gehört Schichtarbeit zum Alltag. Bild: Ulrich Crüwell RBB

Seit seinem zwölften Lebensjahr fotografiert er Lokomotiven. Wenn er keine Lok steuert, liest Präkelt Bücher und Fachzeitschriften über die Bahn. Wenn der Schienen-Fan über das Verkehrsmittel Bahn spricht, wird es politisch - dann geht es um die Macht der Autoindustrie, billige Flugtickets und die Fridays-For-Future-Bewegung: "Durch die aktuelle Klima-Debatte kriegt die Bahn endlich die Bedeutung, die sie eigentlich haben müsste."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. August 2021 um 11:01 Uhr.

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Moderation 23.08.2021 • 18:55 Uhr

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