Christian Lindner | picture alliance / photothek

Abschreibungen Lindner will Firmen stärker entlasten

Stand: 15.02.2022 10:56 Uhr

Bundesfinanzminister Christian Lindner plant wegen der Belastungen durch die Corona-Pandemie mehr Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen. Auch eine Verlängerung bestehender Regeln ist im Gespräch.    

Bundesfinanzminister Christian Lindner will Unternehmen vor allem mit mehr Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibung entlasten. "Daran arbeite ich", sagte der FDP-Vorsitzende gestern beim Mittelstandstag des Branchenverbands BVMW. Wenn es gut gehe, werde es auch eine Verlängerung von sogenannte degressiven Abschreibungen auf bewegliche Wirtschaftsgüter wie zum Beispiel Maschinen und Anlagen geben. Das allein hätte ein Volumen von rund drei Milliarden Euro für die Wirtschaft. Mit degressiven Abschreibungen sind Abschreibungen gemeint, deren Betrag von Jahr zu Jahr sinkt.  

Das Bundesfinanzministerium will im Rahmen des vierten Corona-Steuerhilfegesetzes zahlreiche Maßnahmen verlängern, darunter auch die Abschreibungen auf bewegliche Wirtschaftsgüter. Der Gesetzentwurf werde voraussichtlich am Mittwoch im Kabinett sein, so Lindner.

Was wird aus "Superabschreibungen"?

Die sogenannten Superabschreibungen, mit denen laut Koalitionsvertrag eigentlich Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz 2022 und 2023 forciert werden sollen, sind im Entwurf aber noch nicht enthalten. Über eine mögliche Verschiebung der Superabschreibungen sei noch nicht entschieden, sagte Lindner. Hier werde noch das Gespräch mit der Wirtschaft gesucht, um das beste Ergebnis zu erreichen.

Die eventuelle Verzögerung war zuletzt auf Kritik gestoßen. "Ich sehe keinen Grund für eine Verschiebung", hatte Torsten Schmidt vom Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung gesagt: "Die Unternehmen haben sich in der Corona-Pandemie mit Investitionen zurückgehalten." Daher sei mit dem Abklingen der Pandemie mit einem Investitionsschub zu rechnen. Den sollte die Bundesregierung nutzen, um die Bereiche Digitalisierung und Klimaschutz zu fördern.

"Jede Möglichkeit für Entlastungen nutzen"  

Für eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder eine Reform der Einkommens- und Körperschaftssteuer gebe es momentan keine politische Mehrheit, so Lindner weiter. Er wolle aber jede Möglichkeit für Entlastungen nutzen.

Lösungen gegen den Fachkräftemangel und ein Abbau von Bürokratie seien für viele Unternehmen derzeit aber noch dringlicher als eine Steuerreform. Die Bundesregierung erwäge auch eine frühere Abschaffung der EEG-Umlage, also des Strompreisaufschlags zum Ausbau erneuerbarer Energien. Dies sei schon ab Mitte 2022 erreichbar statt erst ab Anfang 2023. Die Entlastung würde sich auf rund 1,1 Milliarden Euro im Monat belaufen. Bei temporären Steuersenkungen, etwa der Mehrwertsteuer, sei er dagegen skeptisch, sagt der FDP-Politiker.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 14. Februar 2022 um 13:49 Uhr und tagesschau24 am 15. Februar 2022 um 12:40 Uhr in der Wirtschaft.