Daniel Křetínský | picture alliance/Matej Divizna/EPA FILE/dpa

Daniel Kretinsky Der Oligarch, der Metro kaufen will

Stand: 14.12.2020 20:35 Uhr

Energie, Medien und jetzt auch noch Einzelhandel - der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky ist in mehreren Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen investiert. Nun greift er nach der Macht bei Metro. Wer ist dieser Mann?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Im Lausitzer Braunkohle-Revier in den neuen Bundesländern gilt er als Freund der Kumpels, in Düsseldorf in der Konzernzentrale der Metro wird er dagegen gefürchtet: der tschechische Oligarch Daniel Kretinsky ist in der deutschen Wirtschaft höchst umstritten.

Seit gut zwei Jahren tobt ein Machtkampf bei Metro. Der tschechische Oligarch Kretinsky steht kurz davor, die Mehrheit beim Handelskonzern zu erobern. Bisher scheiterte er vor allem am Widerstand der Ankeraktionäre Beisheim und der Meridian-Stiftung der Familie Schmidt-Ruthenbeck. Beide halten zusammen über 23 Prozent der Anteile an Metro und haben faktisch eine Art Sperrminorität. Zuletzt hatte Kretinsky seine Anteile auf über 40 Prozent aufgestockt. Gegen die Altaktionäre kann er nicht durchregieren.

Was hat Kretinsky mit Metro vor?

Die Eiszeit zwischen Kretinsky und den beiden anderen Großaktionären könnte aber bald enden. Die Anteilseigner führen angeblich Gespräche, um den Machtkampf zu beenden. Metro-Aktionäre und -Mitarbeiter fragen sich jedoch, was der tschechische Milliardär mit dem Handelskonzern vorhat? Reicht es Kretinsky, als Großaktionär auf die Unternehmenspolitik Einfluss zu nehmen? Will er sich die Aktienmehrheit sichern oder den Konzern am Ende von der Börse nehmen? Niemand außerhalb seines engsten Zirkels weiß das so genau.

Auf jeden Fall ist es ein Abenteuer, auf das sich Kretinsky da einlässt. Denn seit Jahren geht es mit Metro bergab. Früher war das Unternehmen mit seinen Großmärkten, der Warenhauskette Kaufhof, den Elektronikmärkten Media Markt und Saturn sowie der Supermarktkette Real eine Großmacht im deutschen Handel. Einige schlechte Jahre, mehrere Firmenverkäufe und eine Aufspaltung später vereinigt die Metro nur noch die gleichnamigen Großmärkte und die nun ebenfalls zum Verkauf gestellte Supermarktkette Real unter ihrem Dach. Im Geschäftsjahr 2019/20 schrumpfte das bereinigte Ergebnis um knapp 17 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Im fortgeführten Geschäft - ohne die China-Aktivitäten und die ebenfalls verkaufte Supermarkttochter Real - stand gar ein Verlust von 140 Millionen Euro. Der Umsatz sank flächenbereinigt um fast vier Prozent.

Der zweitreichste Tscheche hat in den letzten Monaten seine Beteiligungen im Einzelhandel europaweit ausgebaut. Im September 2019 stieg Kretinsky mit 4,6 Prozent bei der französischen Supermarktkette Casino ein. Casino betreibt weltweit mehr als 12.000 Märkte und erwirtschaftet in etwa so viel Umsatz wie die Metro vor ihrer Aufspaltung.

Metro | picture alliance / dpa

Metro musste zuletzt stark sinkende Gewinne hinnehmen Bild: picture alliance / dpa

Der Kohlebaron

Ursprünglich hatte sich der tschechische Milliardär auf den Energiesektor konzentriert. 2012 schluckte seine EPH-Holding die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft Mibrag von der tschechischen CEZ. Drei Jahre später legte das Kretinsky-Imperium nach und übernahm die Braunkohlesparte des schwedischen Vattenfall-Konzerns (Leag) in Ostdeutschland. Kretinsky hält fossile Energieträger weiter für unverzichtbar im deutschen Energie-Mix. "Ohne Braun- und Steinkohle würde Deutschland morgen stillstehen."

Neben dem Energiesektor hat der tschechische Kohlebaron auch ein Faible für Medien. Er ist Miteigentümer von der größten tschechischen Boulevardzeitung Blesk. Im April 2018 erwarb er in Frankreich das linksorientierte Nachrichtenmagazin "Marianne", Ende 2018 stieg er bei der Tageszeitung "Le Monde"ein. Daraufhin gab es einen Aufschrei in der Pariser Medienszene. Die Redaktion von "Le Monde" fürchtete um die Unabhängigkeit des Blatts und den Ausverkauf der liberalen Tradition. Mehrere Intellektuelle unterzeichneten einen Aufruf. Am Ende einigten sich die beiden Hauptaktionäre von "Le Monde" auf ein Abkommen, das die Unabhängigkeit der Traditionszeitung garantiert.

Einstieg ins Mediengeschäft

In Frankreich erwarb Kretinsky auch zahlreiche Zeitschriften von der Lagardère-Gruppe. Zudem kaufte er Radiosender in mittelosteuropäischen Ländern von Lagardère. Im Oktober 2019 beteiligte sich der Oligarch auch mit vier Prozent an der deutschen TV-Senderkette ProSiebenSat.1.

Wer ist Kretinsky? Ein Spekulant, ein nachhaltiger Investor oder vielleicht gar eine "Heuschrecke"? Klare Aussagen dazu macht der scheue Milliardär nicht. Es gehe ihm nicht um den schnellen gewinnbringenden Exit, betonte er Ende 2018 bei einem Gespräch mit Journalisten. Bei Metro zum Beispiel habe ihn die unterbewertete Aktie und die großen Wachstumschancen im Online-Geschäft gereizt.

Unter den 1.000 Reichsten der Welt

Letztlich ist der tschechische Unternehmer also eine Art langfristig denkender Private-Equity-Investor. Mit seinen Investments hat er bisher ein gutes Händchen bewiesen. Auf der Forbes-Liste rangiert er unter den 1000 reichsten Menschen der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 2,6 Milliarden Dollar. Sein Name tauchte auch in den "Panama Papers" auf. Dem tschechischen Oligarchen gehörte die Briefkastenfirma "Wonderful Yacht Holdings" auf den Britischen Jungferninseln. Fragt sich bloß, was der 45-Jährige als nächstes vorhat!

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 15. Dezember 2020 um 07:41 Uhr.