Telecom Italia Shop | picture alliance/dpa/MAXPPP

US-Finanzinvestor KKR hat Interesse an Telecom Italia

Stand: 22.11.2021 11:18 Uhr

Der US-Finanzinvestor KKR erwägt, den größten italienischen Telekom-Anbieters Telecom Italia (TIM) zu übernehmen. Ohne Zustimmung der italienischen Regierung wird aus dem Deal aber nichts. 

Der US-Finanzinvestor KKR will das italienische Telekommunikationsunternehmen TIM übernehmen. Die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft teilte offiziell ihr Kaufinteresse mit. Dieses sei "nicht bindend und indikativ", teilte TIM, die frühere Telecom Italia, nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Es handle sich um ein "freundliches" Übernahmeangebot, betonte das TIM-Management.

KKR strebe die Zustimmung der Geschäftsführung und Unterstützung des Verwaltungsrates an. Zunächst wolle der Fonds das Unternehmen aber vier Wochen lang überprüfen. Bei einer solchen Überprüfung, Due Diligence genannt, analysiert der mögliche Käufer neben den Geschäftszahlen das Unternehmen vor allem auf eventuelle Risiken, die in der Bilanz oder in den rechtlichen Verhältnissen liegen könnten. Ein neuer Eigentümer müsste zum Beispiel auch Schulden von 29 Milliarden Euro mit übernehmen.

Kaufpreis bei rund elf Milliarden

Einer Übernahme müsste ferner der italienische Staat zustimmen, der über eine "goldene Aktie" ein Veto-Recht hat. Größter Aktionär ist der französische Medienkonzern Vivendi mit einem Anteil von rund 24 Prozent. Aus dem Vivendi-Umfeld heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, die KKR-Offerte spiegele nicht den Wert der TIM wider. Vivendi hatte einst bei ihrem Einstieg 1,071 Euro pro TIM-Aktie gezahlt.

KKR strebt an, 100 Prozent der Aktien an dem ehemaligen italienischen Monopolisten zu übernehmen und den Konzern dann von der Börse zu nehmen. Der Investor bietet 0,505 Euro pro Aktie an, Vivendi würde beim Ausstieg also Verlust machen. Am Freitag war die TIM-Aktie mit 0,35 Euro gehandelt worden. Gemessen am Kurs der in den Raum gestellten Offerte wird Telecom Italia mit knapp elf Milliarden bewertet.

Die Geschäfte des italienischen Konzerns laufen seit langem nicht wie gewünscht. Der Umsatz ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Dafür ist auch der scharfe Wettbewerb mit Rivalen wie Iliad, Vodafone, Wind Tre und Fastweb verantwortlich. Die jüngsten Quartalsergebnisse enttäuschten ebenfalls. Auch ein Deal mit der Streamingplattform DAZN zur Übertragung von Fußballspielen der Serie A in dieser Saison brachte nicht die erhofften Zuwachszahlen an Abonnenten.

Stellt Italiens Regierung Bedingungen?

In Italien sorgte die Nachricht über den KKR-Vorstoß, über den zuerst die Zeitung "Corriere della Sera" berichtet hatte, für Aufregung. Die Regierung teilte mit, die Entwicklungen zu verfolgen. Zunächst sei es aber ein gutes Zeichen für das Land, wenn Investoren sich für italienische Unternehmen interessierten, hieß es.

Eine Einschätzung der Behörden wird noch erwartet. Ein "Golden Power" genanntes Gesetz erlaubt es der italienischen Regierung beispielsweise, Deals ausländischer Investoren in für den Staat strategischen Bereichen zu verhindern. Das Finanzministerium in Rom unterstrich in seiner Reaktion, dass der Breitbandausbau Priorität haben müsse, auch um die Anforderungen des milliardenschweren europäischen Wiederaufbaufonds zu erfüllen.

Was tun Beteiligungsgesellschaften?

KKR ist hierzulande vor allem wegen der großen Beteiligung am Medienkonzern Axel Springer bekannt, an dem die Beteiligungsgesellschaft 35,6 Prozent der Anteile hält. KKR ist einer der weltweit größten Finanzinvestoren und mittlerweile börsennotiert. Das Unternehmen gilt als einer der Pioniere der Branche, deren Geschäftsmodell es ist, meist kriselnde Unternehmen aufzukaufen, sie umzubauen und dann mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Genau für dieses Geschäftsmodell standen Finanzinvestoren wie KKR oder Blackstone als sogenannte Heuschrecken jahrelang in der Kritik. Ihnen wurde vorgeworfen, selbst gesunde Unternehmen einzig mit dem Interesse kurzfristiger und überzogener Renditeerwartungen zu kaufen, sie ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze umzustrukturieren und zu zerteilen, um die einzelnen Geschäftsteile mit Gewinn zu verkaufen.

Rücksichtslose Zerschlagung oder nachhaltige Sanierung?

KKR selbst brachte die Branche in Verruf, als es den US-Nahrungsmittelriesen Nabisco für 31 Milliarden Dollar übernahm und rücksichtslos zerschlug. Fürsprecher sind hingegen der Ansicht, dass Gesellschaften wie KKR vor allem als Unternehmensretter zu betrachten sind, die in Schieflage geratene Unternehmen mit langfristigem Interesse sanieren, damit Arbeitsplätze erhalten und einen wichtigen Beitrag für eine gesunde und effiziente Wirtschaft leisten.  

KKR verwaltet heute Unternehmensbeteiligungen im Wert von 429 Milliarden Dollar, was 371 Milliarden Euro entspricht. In Deutschland war KKR über die Jahre an zahlreichen Unternehmen beteiligt, etwa an MTU, Auto-Teile-Unger (A.T.U.), ProSieben und dem Dualen System Deutschland.