Johnson & Johnson Produktionsort für Covid19-Impfstoff in Leiden, Niederlande | Johnson & Johnson

Covid-Vakzin von Johnson & Johnson Warum wird die Produktion gestoppt?

Stand: 09.02.2022 14:40 Uhr

Der Pharmakonzern Johnson & Johnson hat Medienberichten zufolge die Produktion seines Corona-Impfstoffes in den Niederlanden eingestellt. Was steckt dahinter?

Von Lilli Hiltscher, tagesschau.de

Ein Bericht der "New York Times", wonach Johnson & Johnson die Produktion des Corona-Vakzins "Janssen" in seinem Werk im niederländischen Leiden vorerst eingestellt hat, wirft Fragen auf. Die Zeitung beruft sich auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Der Pharma-Konzern gibt sich zugeknöpft. Ein Sprecher des Unternehmens sagte auf Anfrage von tagesschau.de lediglich: "Der Standort wird auch im Jahr 2022 eine Rolle in unserer Impfstoffproduktion spielen."

Lilli Hiltscher

Produktionsstopp offenbar nur vorübergehend

Laut "New York Times" soll die Anlage die Herstellung bereits Ende vergangenen Jahres eingestellt haben. In der Anlage werde momentan ein experimenteller Impfstoff zum Schutz vor einem nicht verwandten Virus produziert. Das Werk werde die Produktion des Corona-Impfstoffes wohl in einigen Monaten wieder aufnehmen. Die Lieferungen des Impfstoffes seien aber nicht gefährdet: "Derzeit haben wir Millionen von Dosen unseres Covid-19-Impfstoffs auf Lager", so ein Sprecher auf Anfrage von tagesschau.de.

Außerdem ist der Standort in Leiden laut Unternehmensangaben nicht der einzige Standort, an dem "Janssen" produziert wird: "Wir haben unermüdlich daran gearbeitet, Partnerschaften zu schmieden und ein globales Produktionsnetzwerk auf vier Kontinenten aufzubauen, um unseren Impfstoff Covid-19 zu produzieren." Wo "Janssen" letztlich hergestellt werde, sei eine Entscheidung, die intern auf Grundlage von Produktionsplanungen getroffen werde. Laut dem Bericht der "New York Times" allerdings ist der Versuch, in anderen Produktionsstätten die Herstellung zu übernehmen, gescheitert, da sie entweder nicht in Betrieb seien oder noch die behördliche Genehmigung für die Herstellung des Impfstoffes erhalten müssten.

Johnson & Johnson-Vakzin in 82 Ländern zugelassen

Weltweit wird in 218 Ländern gegen das Corona-Virus geimpft. Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist in 82 dieser Länder zugelassen. Auch in Europa kann "Janssen" verimpft werden; verabreicht werden aber immer weniger Dosen des Vektorimpfstoffes. Waren es Anfang Juni vergangenen Jahres noch über eine Millionen Dosen innerhalb der EU, lag die Zahl in der vergangenen Woche laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten bei gerade einmal 28.878 Stück.

Einer der Gründe dafür dürfte wohl sein, dass bei der Verimpfung des Einmal-Impfstoffes zeitweilig eine Pause eingelegt wurde, da seltene Blutgerinnsel nach der Immunisierung aufgetreten waren. Dadurch war Vertrauen verloren gegangen. Außerdem müssen Personen, die in Deutschland mit Johnson & Johnson geimpft wurden, zusätzlich Zweit- und Drittimpfungen erhalten, um einen vollständigen Impfschutz beziehungsweise eine Boosterimpfung nachweisen zu können. Damit ist hierzulande der Vorteil des Einmal-Impfstoffes zunichte gemacht.

Einmal-Impfung ist besonders in Entwicklungsländern sinnvoll

Besonders Entwicklungsländer setzen aber weiterhin auf den Einmal-Impfstoff. "Janssen" wird vor allem in afrikanischen Ländern wie Südafrika, Westsahara, in der Elfenbeinküste oder auf der Insel Madagaskar verimpft. Ebenso kommt er in den südamerikanischen Ländern Brasilien, Bolivien und Kolumbien und in einigen asiatischen Ländern wie Nepal und Afghanistan zum Einsatz. Ein Großteil der Impfdosen wird den Ländern durch Spenden im Rahmen der Impfinitiative COVAX zur Verfügung gestellt. Genaue Zahlen, wie viele Impfdosen der Konzern in diesem Jahr im Rahmen von COVAX an Entwicklungsländer liefern wird, konnte ein Sprecher auf Nachfrage aber nicht nennen.

Denn gerade in Regionen mit schlechter medizinischer Infrastruktur ist es ein entscheidender Vorteil, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson im Gegensatz zu anderen Corona-Impfstoffen nur einmal verimpft werden muss, damit der vollständige Impfschutz erreicht ist. Außerdem muss der Impfstoff nicht bei so niedrigen Temperaturen gelagert und transportiert werden wie mRNA-Impfstoffe, die vor allem in den Industrieländern verimpft werden.