Die Zentrale von United Internet | dpa

Deutscher Cloud-Anbieter Ionos soll an die Börse

Stand: 27.10.2021 14:39 Uhr

Die auf Cloud- und Webhosting-Geschäfte spezialisierte United-Internet-Tochter Ionos soll einem Medienbericht zufolge an die Börse gehen. Möglicherweise könnte dies schon Ostern 2022 geschehen.

Ionos, ein Tochter-Unternehmen des Konzerns United Internet, könnte im kommenden Jahr an die Börse gehen. Geplant sei demnach ein IPO (initial public offering) ab Ostern 2022, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise berichtete. Dabei könnte Ionos mit Sitz in Montabaur auf eine Marktkapitalisierung von rund fünf Milliarden Euro kommen.

Demnach werde ein Börsengang dann geplant, wenn die Marktbedingungen günstig seien, bestätigte eine Konzernsprecherin gegenüber der Zeitung: "Ein Börsengang von Ionos ist ein naheliegender nächster Schritt in der Entwicklung des Unternehmens." Derzeit arbeite United Internet daran, Ionos soweit vorzubereiten, damit das Unternehmen dann "zum passenden Zeitpunkt 2022 oder 2023" einen Börsengang durchführen könnte, heißt es in dem Bericht.

Cloud Computing

Früher war die Festplatte des heimischen PC ganz selbstverständlich der Ort, wo man seine Daten lagerte. Doch durch die schnellen Breitbandverbindungen ist es mittlerweile attraktivgeworden, Texte, Bilder und Musik ins Internet hochzuladen und dort zu speichern. Typischerweise wird das Internet in Netzwerkdiagrammen als Wolke (engl. cloud) dargestellt. Daher kommt der Begriff Cloud Computing: die Daten liegen in der Wolke - also im Internet.

Der Vorteil: Die Daten sind überall verfügbar, die Server, auf denen sie liegen, werden regelmäßig gewartet. Datenverlust durch Festplattencrash ist damit extrem unwahrscheinlich. Finanziert werden diese Dienste unterschiedlich, etwa durch Werbung oder Lizenzgebühren.

Momentan sind Hunderte Firmen in dem Bereich aktiv, darunter auch Microsoft und Google. Aber auch der Online-Händler Amazon gehört zu den namhaften Spielern im Cloud Computing.

Ziel ist ein europäischer Hyperscaler

Wie das "Handelsblatt" erfuhr, habe der Konzern dafür Banken aufgefordert, sich für Mandate zur Organisation des Listings zur bewerben, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen.

Mit den Erlösen aus dem Börsengang könnte das Unternehmen seine großen Ambitionen finanzieren: "Wir werden eine europäische Hyperscaler-Alternative sein", sagte Ionos-Chef Achim Weiß im März im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Ein Hyperscaler ist ein Anbieter von IT-Ressourcen auf Basis des Cloud Computings.

Führende Anbieter kommen aus den USA

Die führenden Hyperscaler auf dem Markt sind derzeit die drei US-Firmen Amazon Web Services, Microsoft Cloud und Google Cloud. Sie beherrschen auch den europäischen Cloud-Markt zu fast 70 Prozent. Microsoft konnte nur im Cloud-Geschäft seine Erlöse um 50 Prozent steigern, wie aus den Quartalszahlen hervorging.

Europäische Firmen spielen auf dem Markt dagegen kaum eine Rolle: Vor zwei Wochen ging das französische Unternehmen OVH Cloud an die Börse, mit einer Marktkapitalisierung von vier Milliarden Euro. Die Deutsche Telekom plant dagegen eine Kooperation mit Google für eine "souveräne Cloud", die es ab Mitte des kommenden Jahres in Deutschland geben soll.

Börsenkurs von United Internet profitiert

Spekulationen um einen baldigen Börsengang der Tochter Ionos haben den Kurs von United Internet in die Höhe schnellen lassen. In der Spitze sprangen die Papiere am Mittwoch um zehn Prozent nach oben, nachdem sie seit Anfang September stark gefallen waren. Zuletzt betrug das Kursplus noch knapp sechs Prozent.