Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereitet im Krankenhaus Severo Ochoa in Madrid eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/BioNTech vor. | dpa

Hersteller liefern weniger Impfkampagne könnte ins Stocken geraten

Stand: 16.06.2021 14:47 Uhr

In Deutschland stehen kommenden Monat weniger BioNTech-Dosen zur Verfügung. Auch Johnson & Johnson liefert weniger als geplant. Die deutsche Impfkampagne könnte deswegen einen Rückschlag erleiden.

Der Impfstoffhersteller BioNTech wird im Juli deutlich weniger Impfstoff an Deutschland liefern als noch im Juni. Statt 5,7 Millionen Dosen für die letzte Juniwoche, sind in der ersten Juliwoche (KW 27) nur noch 3,2 Millionen Dosen vorgesehen. Von einer überraschenden Kürzung könne aber nicht die Rede sein, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Vielmehr habe BioNTech im Juni Lieferungen vorgezogen, die eigentlich für später vorgesehen waren. Es sei immer klar gewesen, dass die Liefermenge des Mainzer Herstellers im dritten Quartal mit rund 40,2 Millionen Impfdosen niedriger sein würde als die rund 50 Millionen im zweiten Quartal.

Bisher gebe es nur eine klare Lieferzusage für die erste Juli-Woche mit 3,235 Millionen Dosen. Danach sei mit rund 3,3 Millionen Dosen pro Woche zu rechnen. Das sei den Bundesländern auch so mitgeteilt worden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt deshalb vor einem Rückschlag für die Impfkampagne: "Wenn die BioNTech-Lieferungen so stark zurück gehen, wird es schwer, die Herdenimmunität vor Mitte September darzustellen", sagte er dem "Spiegel". Zugleich zeige sich, dass die Delta-Variante hochinfektiös sei und zum Teil schwere Verläufe verursache. "Das ist beängstigend“, so Lauterbach.

6,5 Millionen weniger Dosen von Johnson & Johnson

Auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) wird deutlich weniger Impfdosen liefern als geplant. Die Europäische Kommission erwartet, dass J&J seine Lieferziele an die EU für das zweite Quartal nicht einhalten kann. Grund dafür ist eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, wonach 17 Millionen Dosen des Vakzins aus Sicherheitsgründen nicht in der EU verwendet werden dürfen, nachdem es in einem US-Werk zu Fällen von Verunreinigungen gekommen ist. Der Konzern werde daher sein Lieferziel von 55 Millionen Dosen bis Ende Juni wohl nicht erreichen, sagt ein Kommissionssprecher. Bislang seien lediglich rund zwölf Millionen Dosen ausgeliefert worden.

Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass J&J wegen der Panne bis Ende Juni etwa 6,5 Millionen Dosen weniger nach Deutschland liefern kann als geplant. "Das ist bedauerlich, denn jede Impfdose zählt", so eine Sprecherin. Das Ministerium erwartet, dass die fehlende Menge im Juli nachgeliefert wird.

Warten auf Sputnik und Curevac

Auch auf den russischen Impfstoff Sputnik V müssen die Deutschen wohl noch länger warten, denn die Zulassung verschiebt sich Regierungskreisen zufolge "voraussichtlich auf September, vielleicht sogar auf Ende des Jahres". Der Grund sei, dass der russische Hersteller bislang nicht die nötigen Daten der klinischen Studien bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eingereicht habe, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen. Das klinische Dossier habe eigentlich bis zum 10. Juni vorliegen sollen. Der russische Staatsfonds RDIF, der Sputnik V vertreibt, bezeichnete die Information dagegen als falsch. Alle nötigen Daten über die Klinikstudien seien vorgelegt und hätten eine positive Kommentierung bekommen. Von der EMA war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ebenfalls noch nicht verfügbar ist der Impfstoff von Curevac. Das einst als Hoffnungsträger gepriesene Vakzin des Tübinger Unternehmens ist noch immer nicht zugelassen. Das Bundesgesundheitsministerium hat deshalb die ursprünglich für das laufende zweite Quartal vorgesehene Lieferung von 1,4 Millionen Impfdosen gestrichen. Gesundheitsexperte Lauterbach zufolge könne die Verzögerung bei der Zulassung darauf hindeuten, dass es mit der Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffes nicht gut aussehe.

Moderna liefert ein bisschen mehr

Derweil mehren sich die Klagen über den Mangel an Impfstoffen - bei Betriebsärzte, Hausärzten und auch manchen Impfzentren. Die Rufe einiger Ministerpräsidenten nach mehr Impfstoff reißen ebenfalls nicht ab - während noch immer Millionen Deutsche auf eine Erstimpfung warten.

Positive Nachrichten kommen von Moderna: Der US-Hersteller wird seine Liefermenge gegenüber Juni erhöhen, von 622.000 auf 733.000 Dosen pro Woche. Zudem gibt Schleswig-Holstein einen Teil des von Dänemark überlassenen AstraZeneca-Impfstoffs an Hamburg ab. Durch die Lieferung können seit heute mindestens 8000 neue Termine im Impfzentrum der Millionenstadt vergeben werden. Das benachbarte Bundesland schafft es nicht, die Dosen aus dänischem Lagerbestand rechtzeitig vor Ablauf der Haltbarkeit Ende Juni zu nutzen.