Eine Mitarbeiterin der Fa. IDT Biologika GmbH | null

Impfstoff-Hersteller IDT Biologika Global Player aus Sachsen-Anhalt

Stand: 17.02.2021 18:15 Uhr

Das Unternehmen IDT Biologika aus Dessau will zu einem der größten Produktionsstandorte für Impfstoff in Europa werden. Könnte es bald auch das russische Sputnik-V-Serum herstellen?

Von Carsten Dieckmann, MDR

Jürgen Betzing hat alle Hände voll zu tun im Moment. Der promovierte Pharmazeut ist Geschäftsführer eines der ältesten deutschen Impfstoff-Hersteller. IDT Biologika in Dessau-Roßlau entwickelt zur Zeit ein eigenes Vakzin gegen das Corona-Virus. Zugleich produziert das Unternehmen bereits einen Covid-19-Impfstoff im Auftrag von AstraZeneca. Bei beiden handelt es sich um sogenannte Vektor-Impfstoffe: Sie enthalten den genetischen Bauplan für Antikörper, die der menschliche Organismus dann selbst produziert.

Betzing verweist auf die Vorteile eines Vektor-Impfstoffs: Er lasse sich gut lagern und relativ einfach auch an mutierte Virus-Varianten anpassen. Anders als beim neuartigen mRNA-Impfstoff, den etwa die Unternehmen BioNTech und Pfizer produzieren, sei keine aufwändige Tiefkühlung nötig. Und das Wirkprinzip greife nicht nur beim Corona-Erreger, sondern ebenso bei anderen Viren. Darum investiere IDT Biologika zurzeit in fünf sogenannte Bioreaktoren, in denen jeweils 2000 Liter Impfstoff hergestellt werden können. Die gesamte Anlage soll Ende 2022 an den Start gehen - damit werde Dessau-Roßlau mit einer Produktionskapazität von 30 bis 40 Millionen Impfdosen pro Monat zum einem der größten Impfstoff-Produktionsstandorte Europas.

Impfstoffforschung seit 100 Jahren

Die Wurzeln von IDT Biologika reichen fast genau 100 Jahre zurück. Am heutigen Standort wurde 1921 das "Bakteriologische Institut der Anhaltischen Kreise in Dessau" gegründet, das sich zunächst mit Tuberkulose befasste. Daraus entwickelte sich bald ein Zentrum für Tier-Impfstoffe, dessen Tradition in der DDR als "VEB Serum-Werk Dessau" fortgeführt wurde.

Daraus wurde 1990 das "Impfstoffwerk Dessau Tornau" - kurz: IDT. Das Unternehmen besetzte mit seinen Produkten gezielt Nischen, die westdeutsche Hersteller vernachlässigt hatten. So wuchs die Zahl der Mitarbeiter von nur noch gut 100 Anfang der 1990er-Jahre bis auf aktuell rund 1500.

Kontakte mit Moskau

Bei der Entwicklung des eigenen Corona-Vakzins musste das Unternehmen allerdings zuletzt einen Rückschlag hinnehmen: Der Impfstoff erwies sich in ersten Tests als nicht so wirksam wie erhofft. Das habe den Zeitplan um zwei Monate zurückgeworfen. Doch inzwischen, erklärt Geschäftsführer Betzing, habe man nachgebessert und hoffe, bis Anfang nächsten Jahres eine Zulassung beantragen zu können. Dabei helfe auch, dass bei IDT von der Entwicklung bis zur Massenproduktion alles unter einem Dach stattfinde. Betzing ist sich sicher, dass Impfstoffe auch nach Bewältigung der Corona-Pandemie ein großer globaler Markt bleiben werden.

Welche weiteren Kooperationen und Auftraggeber demnächst noch kommen könnten, will Betzing nicht verraten. Als Auftragnehmer sei man grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet, bis auch der Auftraggeber an die Öffentlichkeit gehen wolle. Darum könne er auch mdr-Recherchen über Pläne zur Produktion des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik-V in Dessau-Roßlau nicht kommentieren. IDT Biologika pflege grundsätzlich Geschäftskontakte zu den weltweit größten Pharmafirmen, heißt es lediglich.

Nach Informationen des mdr haben der Entwickler von Sputnik-V - das Gamaleya-Institut in Moskau - und der staatliche russische Investmentfonds RDIF Interesse an einer Produktion in Dessau gezeigt. Allerdings ist das Vakzin noch nicht in der Europäischen Union zugelassen. Zuletzt hatte die europäische Arzneimittelbehörde EMA erklärt, dass noch kein offizieller Antrag auf Zulassung vorliege.

Über dieses Thema berichtet MDR Sachsen-Anhalt heute am 18. Februar 2021 um 19:00 Uhr.