IAA-Messestand des Automobil-Zulieferers Bosch | dpa

IAA Mobility Neue Rolle für die Zulieferer

Stand: 10.09.2021 16:58 Uhr

Bei der IAA Mobility in München ist vieles anders als bei der früheren IAA in Frankfurt. Nicht nur die vielen Stände in der Innenstadt - auch der Fokus auf die Zulieferer ist neu.

Von Gabriel Wirth, BR

Auf der IAA Mobility begegnen sich Autohersteller und die großen Zulieferer auf Augenhöhe. Während auf der früheren IAA in Frankfurt die Autokonzerne mit ihren glänzenden Fahrzeugen und Shows die Hallen belegten, waren die Zulieferer eher versteckt im ersten Stock zu finden.

"Das liegt sicher daran, dass IAA als 'b2c-Messe' erfunden worden ist", sagt Aussteller Bernd Welzel - also als Schau, auf der man ausstellt, um gesehen zu werden. "Da wurden Autos verkauft, das war eine PS-Show, das ging immer an die Endkunden. Die Industrie dahinter, die haben wir auf der IAA viel zu wenig gespielt." Das ist nun in München anders. Hier sind nun auch die Zulieferer in den Hallen vertreten: die ganz Großen wie Bosch, Schaeffler, Continental und ZF neben Unternehmen wie Mahle, Brose und Webasto aus Stockdorf in der Nähe von München.

E-Mobilität in aller Munde

Auch bei den Zulieferern gehe es in erster Linie um Elektromobilität, erklärt Webasto-Vorstandschef Holger Engelmann: "Wir haben 2015 entschieden, in die Elektromobilität zu gehen, wir haben viel investiert, die Auftragslage ist gut, wir eröffnen demnächst großes Batteriewerk in Korea, wir sehen, dass die Investitionen langsam Früchte tragen." Je nach Auftragslage wolle man auch in Europa ein Batteriewerk bauen, so Engelmann weiter.

Bosch kündigte auf der IAA an, dass die Elektromobilität für das Unternehmen zum Kerngeschäft wird. Auch Schaeffler und Continental zeigen auf der Messe viele Innovationen rund um alternative Antriebe. Man habe schon einige Herausforderungen und schwierige Zeiten erlebt und man sei immer noch da, stärker als zuvor, so Conti-Chef Nicolai Setzer zum Auftakt der Messe.

Die Zulieferer befänden sich in einer noch größeren Transformation als die Hersteller, sagt der Autoexperte Stefan Bratzel. Es gebe viele Zulieferer, die sich auf bestimmte Technologien - auch rund um den Verbrennungsmotor - spezialisiert hätten. "Hier einen Wandel hinzubekommen ist extrem schwer", sagt Bratzel. Viele Firmen hätten Probleme, Kompetenzen im Bereich Elektromobilität oder Software zu binden. "Das erschwert teilweise die Wandlung der Automobilzulieferer."

Verkehrswende verlangt Firmen viel ab

Die Transformation trifft hier vor allem kleinere und mittelständische Zulieferer hart, die sich auf Verbrennungsmotoren spezialisiert haben und denen finanzielle Mittel fehlen, in einen Wandel zu investieren. Aber auch die großen Unternehmen bauen in bestimmten Bereichen zahlreichen Stellen ab und haben auch bereits einige Standortschließungen angekündigt.

"Der Wandel braucht Zeit, und Zeit ist knapp im Klimaschutz", warnt Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. "Umso mehr müssen wir die Menschen für die Nachhaltigkeit gewinnen. Wer das ökologische Klima schützen will, darf das soziale Klima nicht aus den Augen verlieren."

Dass die Autoindustrie hier der richtige Ansprechpartner für die Nachhaltigkeit ist, daran haben viele ihre Zweifel. Am Wochenende wird wieder mit zahlreichen Protesten und Zehntausenden Demonstranten gerechnet - und hier machen sich nicht nur die Hersteller Gedanken, wie sie ihre Stände durch Sicherheitspersonal schützen, sondern mittlerweile auch Zulieferer.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. September 2021 um 13:41 Uhr.