Leere Einkaufsstraße

Geschlossene Geschäfte Abholung auch im Lockdown erlaubt?

Stand: 14.12.2020 17:25 Uhr

Am Mittwoch muss der Einzelhandel weitgehend dicht machen. Doch die Branche dringt darauf, im Lockdown "click & collect" zu ermöglichen - also das Abholen zuvor online gekaufter Waren in den Läden.

Die Modeshops, Elektronikketten, Buch- und Möbelhändler fürchten, dass ihnen die Online-Händler das Geschäft in der Lockdown-Zeit wegnehmen. Deshalb appelliert der Handelsverband Deutschland (HDE) an die Politik, den Einzelhändlern im Lockdown weiterhin die Übergabe von im Internet bestellter Ware ("click & collect") in den Läden zu erlauben. "Wir fordern, dass das "click & collect" möglich bleiben muss", sagte HDE-Sprecher Stefan Hertel. Auch der E-Commerce-Verband bevh hatte zuvor erklärt, ein solcher Schritt könnte das Überleben des stationären Handels sichern und die allgemeine Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

MediaMarkt, Ikea & Co plädieren für Abholstationen

Unterstützung bekommen die Verbände von den zu Ceconomy gehörenden Elektronikketten Media Markt und Saturn, dem Möbelhändler Ikea und Buchhändlern. Ein Sprecher der Elektronikketten betonte, schon in der ersten Corona-Welle habe sich gezeigt, dass es möglich sei, beim Abholen von vorab bestellter Ware den Gesundheitsschutz für Kunden und Mitarbeiter durch speziell eingerichtete Abholstationen zu gewährleisten. Gleichzeitig biete "click & collect" den stationären Händlern die Möglichkeit, sich in der Krise besser im Wettbewerb gegen reine Onlinehändler zu behaupten. Und es entlaste die Lieferdienste, die vor Weihnachten ohnehin am Anschlag arbeiteten.

Auch Deutschlands größter Möbelhändler Ikea verlangt, dass dem Einzelhandel "weiterhin ein Abholservice mit kontaktloser Übergabe flächendeckend ermöglicht" werde. Ikea wünscht sich die Möglichkeit, seine riesigen Verkaufshäuser im Shutdown zumindest als Abholstationen nutzen zu können.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels drängt ebenfalls darauf, dass zumindest kontaktlose Abholstationen und Lieferdienste von Buchhandlungen möglich sind. Noch hofft er, dass der Buchhandel geöffnet bleiben kann. "Denn im letzten Shutdown und über das gesamte Jahr hinweg hat sich gezeigt, wie groß gerade auch in Krisenzeiten die Nachfrage nach dem Kulturgut Buch ist und welche unverzichtbare Rolle Buchhandlungen als geistige Tankstellen für die Gesellschaft einnehmen", erklärte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. Zuvor hatte Berlin angekündigt, dass Buchhandlungen weiter offen bleiben dürfen.

Gespaltene Reaktionen aus der Politik

In der Politik stieß der Vorschlag für Innenstadtläden als Abholstellen auf ein geteiltes Echo. Die baden-württembergische Landesregierung hält nach den Worten eines Regierungssprechers überhaupt nichts von Abholangeboten im Handel. "Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv", sagte der Sprecher. "Je mehr Ausnahmen wir machen, desto länger brauchen wir, bis die Infektionszahlen deutlich runter sind, desto länger dauert das Elend des Lockdowns, desto länger müssen die Geschäfte zubleiben."

Der Beschlussvorschlag des Bundeslandes Bremen für die Corona-Verordnung sah dagegen vor, dass "click & collect" möglich sein soll, wenn die Abholung unter Beachtung von Schutzmaßnahmen kontaktfrei erfolgen kann. Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) signalisierte im WDR, dass er zumindest im Buchhandel für eine solche Lösung offen sei.

Derweil stauten sich am Montag vor Buchhändlern und Friseuren die Kunden. Die Echtzeit-Daten des auf die Messung von Kundenfrequenzen spezialisierten Unternehmens Hystreet zeigten am Mittag bereits, dass in vielen Innenstädten überdurchschnittlich viele Verbraucher unterwegs waren.

Mit einem wirklich dramatischen Ansturm rechnet der Handelsverband HDE jedoch nicht. "Die meisten Kunden haben den Lockdown ja kommen sehen, und viele haben es schon so organisiert, dass sich nicht mehr einkaufen gehen müssen", meinte HDE-Sprecher Hertel. "Es können heute und morgen ein paar Kunden mehr in die Geschäfte kommen", meinte er.

Forderung nach Ausweitung der Öffnungszeiten bis Mittwoch

Um Gedränge vor den Läden zu vermeiden, fordern Politiker eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Hamburger Landesparteichef Christoph Ploß forderte, die "Shopping-Zeiten bis in den Abend" zu strecken, um Gedränge vor Geschäften zu vermeiden. Berlins CDU-Fraktionschef Burkard Dregger rief den Handel in der Hauptstadt gar dazu auf, die nach dem Gesetz möglichen Ladenöffnungszeiten von 0 bis 24 Uhr voll auszunutzen. Auch  FDP-Fraktionsvize Michael Theurer plädierte in der "Bild"-Zeitung für eine vorübergehende Öffnung der Geschäfte rund um die Uhr. "Eine 48-Stunden-Öffnung bis zum Lockdown verhindert Schlangenbildung, wozu es aus infektiologischer Sicht keinesfalls kommen darf." 

Der Einzelhandel will sich den Forderungen aus der Politik nicht verschließen. Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), Genth, bezeichnete eine Ausweitung der Öffnungszeiten vor dem Lockdown im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung als "sinnvoll".

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete BR Regionalnachrichten aus der Oberpfalz am 14. Dezember 2020 um 11:30 Uhr.

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