Ein Mann sitzt im Homeoffice am Tisch an einem Laptop und arbeitet. | dpa

DGB-Umfrage bei Beschäftigten Mehr Stress im Homeoffice

Stand: 04.07.2022 12:39 Uhr

Weniger Pausen, mehr Überstunden, häufigere Störungen in der Freizeit: Das Arbeiten im Homeoffice führt laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes oft zu einer höheren Belastung.

Arbeiten im Homeoffice kann zu mehr Stress führen. Das geht aus einer Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. Demnach machen 28 Prozent der Heimarbeiter oft unbezahlte Überstunden. Zudem erwarteten Vorgesetzte von jedem dritten Mitarbeitenden, außerhalb normaler Arbeitszeiten erreichbar zu sein, etwa am Mobiltelefon. Beides komme etwa doppelt so häufig wie bei Beschäftigten vor, die meist oder immer am Sitz ihres Arbeitgebers arbeiten.

Betriebsvereinbarungen sind hilfreich

Heimarbeiter sind demnach viel öfter abends bis 23 Uhr tätig und fangen früh wieder an. 46 Prozent verkürzten die Pause oder ließen sie ganz ausfallen, lautet ein weiteres Ergebnis. 47 Prozent der Heimarbeiter hätten angegeben, in der Freizeit häufig nicht richtig abschalten zu können. Alle diese Werte seien deutlich höher als bei Beschäftigten, die meist oder immer in der Firma arbeiten.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass die Nachteile des Homeoffice unter bestimmten Bedingungen stark abnehmen. Wer die eigene Arbeitszeit stark selbst beeinflussen könne, mache häufiger Pause und sei seltener unbezahlt tätig. Auch wenn es eine Betriebsvereinbarung gebe, die das mobile Arbeiten regele, arbeiteten Beschäftigte weitaus seltener abends und müssten nicht ständig erreichbar sein.

Gesetzliche Regelung gefordert

Der DGB fordert ein Gesetz, das die Heimarbeit für alle Beschäftigten verbindlich regelt. "Arbeit zu entgrenzen belastet die Gesundheit", sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi der "Süddeutschen Zeitung". "Mit einem gesetzlichen Ordnungsrahmen für das mobile Arbeiten können die Rechte und die Selbstbestimmung der Beschäftigten gestärkt werden."

Seit der Pandemie ist der Anteil der Menschen, die im Homeoffice arbeiten deutlich gestiegen. Vor Corona waren es nur vier Prozent, während der Pandemie in der Spitze 27 Prozent, im April 2002 lag er immerhin noch bei knapp einem Viertel.

Homeoffice zum Gassparen?

Unterdessen erwägt der Konsumgüterhersteller Henkel, vorübergehend wieder mehr Homeoffice einzuführen, um Gas zu sparen. "Wir könnten dann die Temperatur in den Büros stark herunterfahren, während unsere Beschäftigten zu Hause im normalen Umfang heizen könnten", sagte Henkel-Chef Carsten Knobel der "Rheinischen Post".

Außerdem könne der Konzern in seinem firmeneigenen Kraftwerk in Düsseldorf, das aktuell überwiegend mit Gas betrieben werde, mehr Kohle und Öl nutzen. "Im Vergleich zum heutigen Betrieb könnten wir so knapp ein Drittel des Gases einsparen", sagte der Manager. Doch warte das Unternehmen hier noch auf die Genehmigung der Bundesnetzagentur.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Juli 2022 um 11:10 Uhr.