Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. | dpa

Zuhause arbeiten Heil will dauerhaften Anspruch auf Homeoffice

Stand: 12.01.2022 10:42 Uhr

Bundesarbeitsminister Heil will Homeoffice auch nach der Pandemie im deutschen Arbeitsalltag etablieren. Die Arbeitgeber lehnen den Vorstoß ab und fordern stattdessen mehr Tempo beim Breitbandausbau.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant einen Rechtsanspruch auf Homeoffice auch nach der Pandemie. "Ich bin dafür, dass wir aus dem coronabedingten, ungeplanten Großversuch zum Homeoffice grundlegende Konsequenzen für die Arbeitswelt ziehen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Ampel-Koalition werde "moderne Regeln für mobiles Arbeiten in Deutschland" und einen Rechtsanspruch auf Homeoffice schaffen, so der Minister. Damit will der Bundesminister das Arbeiten von zu Hause dauerhaft in die deutsche Arbeitswelt integrieren.

Heils Pläne sehen vor, dass Beschäftigten künftig das Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht werden muss, sofern diese nicht zwingend im Unternehmen anwesend sein müssen. Beschäftigten darf dann nur aus zwingenden Gründen die Arbeit von zu Hause aus verweigert werden: "Etwa weil man im Stahlwerk am Hochofen arbeitet und natürlich nicht von zu Hause aus arbeiten kann", so Heil. "Aber wenn der Arbeitgeber keine betrieblichen Gründe nennen kann, soll der Anspruch, im Homeoffice zu arbeiten, gelten. Das gibt endlich vielen Menschen die Möglichkeit, auch nach der Pandemie von zu Hause aus zu arbeiten."

Mobiles Arbeiten als "neue Freiheit"

Für viele Menschen bedeute mobiles Arbeiten "eine neue Freiheit" und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte Heil. Seine Wahrnehmung sei aber auch, dass viele nicht dauerhaft, sondern nur gelegentlich von zu Hause aus arbeiten wollten. Auch dafür wolle er "mehr Flexibilität schaffen".

Gleichzeitig wies der Arbeitsminister auch auf "die Schattenseiten im Homeoffice" hin, die er unbedingt eingrenzen wolle. "Arbeit darf nicht krank machen. Auch im Homeoffice muss mal Feierabend sein."

Arbeitgeber kritisieren den Vorschlag

Die Arbeitgeber lehnen einen solchen dauerhaften Rechtsanspruch auf Homeoffice ab. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sagte: "Der Staat schafft mit neuen Vorschriften kein Vertrauen, sondern setzt die Sicht der Ministerialbürokratie über die sich fortentwickelte betriebliche Praxis. Wichtig ist stattdessen, wie vom Koalitionsvertrag vorgesehen: eine klare Abgrenzung von Telearbeit und Homeoffice als Form mobiler Arbeit."

Aus Sicht der Arbeitgeber müsse zunächst der Breitbandausbau vorangetrieben werden. Mobiles Arbeiten könne zudem durch flexiblere Arbeitszeiten gefördert werden. "In Teilen der Koalition gibt es offensichtlich ein Durcheinander zwischen Parteiprogramm und Koalitionsvertrag. Denn der Koalitionsvertrag der Ampelparteien sieht nicht die Schaffung eines Rechtsanspruchs, sondern einen Erörterungsanspruch bei Homeoffice vor", so der Geschäftsführer.

Homeoffice-Pflicht in der Pandemie seit Ende 2020

Arbeitgeber sind seit November 2020 dazu verpflichtet, Beschäftigten die Arbeit von zu Hause aus anzubieten - wenn nicht betriebliche Gründe dagegen sprechen. Dies ist eine der Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Derzeit arbeiten nach Angaben des ifo-Instituts rund 27,9 Prozent der Beschäftigten von zu Hause. Vier von zehn dieser Beschäftigten fühlen sich im Homeoffice wegen eines schlecht ausgestatteten Arbeitsplatzes belastet. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse hervor, die der Funke Mediengruppe vorliegt. Demnach nahm vor allem die psychische Belastung der Beschäftigten durch die Pandemie zu.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 12. Januar 2022 um 07:33 Uhr.