Überflutete Gleise am Bahnhof von Bischofswiesen (Archivbild) | dpa

Hochwasserkatastrophe Verkehrsbetriebe vor "Kraftakt"

Stand: 28.07.2021 10:59 Uhr

Von der Hochwasserkatastrophe im Süden und Westen ist auch der Nahverkehr massiv betroffen. In einer ersten Bestandsaufnahme rechnet die Branche mit Schäden in Milliardenhöhe.

Unterspülte Gleise, überflutete Bahnhöfe, unpassierbare Straßen: Die Hochwasserkatastrophe hat bei Bus und Bahn erhebliche Schäden angerichtet. "Wir rechnen derzeit mit einem Schaden von mindestens 1,5 Milliarden Euro", teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mit.

Bisher seien die Schätzungen noch lückenhaft, erst Ortsbegehungen durch Fachleute erlaubten detaillierte Schätzungen. Allein 1,3 Milliarden Euro der bisherigen Summe entfallen demnach auf Anlagen der Deutschen Bahn. Betroffen sind vor allem Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, zum Teil auch Baden-Württemberg und Sachsen.

Vor allem Schieneninfrastruktur beschädigt

"Vor der Branche liegt ein Kraftakt", sagte Verbandspräsident Ingo Wortmann über den Wiederaufbau. Er erwartet dafür einen Mittelbedarf rund 2,3 Milliarden Euro. Die Summe ist höher als der Schaden, weil möglichst hochwassersicher gebaut werden müsse und es sinnvoll sei, höhere technische Standards anzusetzen. Die Verkehrsbranche und die Bundesregierung hatten sich vergangenes Jahr darauf verständigt, bei Investitionen unter anderem auf mehr digitale Lösungen und mehr Lärmschutz zu achten.

Beschädigt ist nach bisheriger Kenntnis vor allem die Schieneninfrastruktur. Im Ahrtal in Rheinland-Pfalz etwa müsse sie abschnittsweise vollständig neu gebaut werden. Betroffen sind aber auch Züge und Busse. Die Fahrzeugschäden werden mit rund 51 Millionen Euro beziffert.

Wie lange der Wiederaufbau dauert, ist offen. Noch sei unklar, wie schnell Komponenten und Reparaturkapazitäten zur Verfügung stehen, sagte Wortmann. Man müsse mit eventuell längerfristig notwendigem Ersatzverkehr und deshalb mit möglichen Folgekosten sowie weniger Fahrgästen rechnen. Auch beim Güterverkehr könnten Kunden verloren gehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2021 um 11:00 Uhr.