Jochen Zeitz

Harley-Davidson Manager Zeitz setzt auf E-Mobilität

Stand: 20.04.2021 14:43 Uhr

Jochen Zeitz hat bei der Motorradmarke Harley-Davidson eine neue Aufgabe gefunden. Der ehemalige Puma-Chef und Manager des Luxuskonzerns Kering will sie unter anderem mit E-Motorrädern aufpolieren.

Harley-Davidson bekommt ein neues Image: Seit rund einem Jahr feilt der deutsche Manager Jochen Seitz am neuen Auftritt für die hochpreisigen und margenstarken Motorräder der Kultmarke. Von Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin in alle Welt will Zeitz die schweren Maschinen für freiheitsliebene Biker verkaufen.

Zeitz, einst mit 30 Jahren als jüngster Vorstandschef eines deutschen börsennotierten Unternehmens bei Puma gefeiert, hatte schon dem angestaubten Sportartikler nach seinem Amtsantritt in Rekordzeit ein neues Image verpasst. Der geschäftliche Erfolg ließ Puma zu einem globalen Anbieter von Lifestyle-Produkten werden und rasch wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Aktienkurs stieg nach Zeitz' Amtsantritt im Jahr 1993 kometenhaft.

Nachhaltigkeit als Fokus

Bei der späteren Muttergesellschaft von Puma, dem französischen Luxusgüterkonzern Kering, trimmte Zeitz als "Chief Sustainability Manager" das Unternehmen stärker auf Nachhaltigkeit. Bereits zuvor hatte Zeitz, der in Kenia eine Farm mit einem Luxushotel betreibt, eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich mit Umweltschutz, fairem Handel und dem Dialog zwischen den Kulturen beschäftigt.

Den Chefsessel bei Harley-Davidson hatte Zeitz im vergangenen Frühjahr eigentlich zunächst nur vorübergehend eingenommen. Im Mai 2020, mitten in der beginnenden Pandemie, übernahm er dann die Posten des Vorstands- und Verwaltungsratschefs der Harley-Davidson Motor Company in Personalunion, und zwar unbefristet. Zeitz ist in der 118-jährigen Geschichte des Unternehmens der erste Nichtamerikaner auf dem Spitzenposten.

Republikaner statt Millennials

Bei dem Motorradhersteller steht Zeitz vor einer ganz neuen Herausforderung: Einerseits ist seine typische Käuferklientel im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre gekommen. Laut einer Studie der Schweizer Großbank UBS ist der übliche Kunde des Unternehmens über 50 Jahre alt, ganz überwiegend männlich und zumindest in den USA politisch im Lager der Republikaner angesiedelt. Die wichtige Käufergruppe der "Millennials" interessiert sich derzeit noch wenig für die schweren Maschinen.

Zeitz hat dem Unternehmen nach seinem Amtsantritt mit hohem Tempo ein Fünf-Jahres-Programm verordnet, das die klassische Ausrichtung von Harley-Davidson korrigieren soll, ohne die Stammkundschaft zu vergraulen - typisch für den Manager.

Harter Umbau mit "Hardwire"

Das "Hardwire" getaufte Programm soll Motorradfahren vom Image her neu definieren. Zeitz will die Naturerfahrung beim Fahren auf den schweren Harleys mehr in den Vordergrund rücken. Er will die margenstarken Bestseller in den Vordergrund des Verkaufs rücken. Aber auch Einsparungen im Unternehmen sind Teil von Zeitz' Umbauprogramm. Seit seinem Amtsantritt hat er die Kosten massiv gedrückt und etwa 14 Prozent der Belegschaft entlassen.

Mit dem E-Motorrad LiveWire soll zudem eine zahlungskräftige Kundengruppe angesprochen werden, die mehr Wert auf Nachhaltigkeit legt. Allerdings muss sie auch Preise ab 30.000 Dollar in Kauf nehmen. Dies, zusammen mit der noch geringen Reichweite des E-Boliden von 120 bis 150 Kilometern, lassen das Produkt derzeit noch eher als Statement denn als Umsatzbringer erscheinen.

Touren-Bikes bringen Gewinne auf Touren

Jochen Zeitz hat es aber geschafft, den Gasgriff bei Harley-Davidson in Richtung Wachstum und Profitabilität zu drehen; das zeigen die aktuellen Geschäftszahlen, die das Unternehmen an diesem Montag vorlegte. Die Konzentration auf hochmargige Touren-Zweiräder hat zusammen mit den Kosteneinsparungen einen Umsatzsprung von zehn Prozent auf rund 1,4 Milliarden Dollar im ersten Quartal bewirkt.

Die Gewinne kletterten sogar von 70 auf 259 Millionen Dollar. Und für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 30 bis 35 Prozent, die Prognose wurde damit deutlich nach oben korrigiert.

An Herausforderungen wird es dem neuen Chef aber auch abseits des eigentlichen Geschäfts in den kommenden Monaten nicht mangeln. Am Montag kündigte Zeitz an, rechtlich gegen höhere EU-Zölle vorzugehen. Ab Juni würden die Einfuhrzölle auf Motorräder seines Unternehmens von 31 Prozent auf 56 Prozent steigen. "Dies ist eine beispiellose Situation und unterstreicht die sehr realen Schäden eines eskalierenden Handelskriegs", so Zeitz.