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CO2-Bilanz der Unternehmen Reichen die Klimaziele der Großkonzerne?

Stand: 07.02.2022 13:38 Uhr

Die meisten Konzerne haben erkannt, dass sie etwas gegen die Erderwärmung tun können. Doch häufig seien die Ziele nicht ehrgeizig genug, um Klimaneutralität zu erreichen, kritisiert eine neue Studie.

Von Jan Koch, WDR

"Klimaneutral" - ein Versprechen, das viele Länder, viele Unternehmen abgeben: "Bis zum Tag X sind wir klimaneutral." Doch was heißt das eigentlich genau? Diese Frage hat sich das NewClimate Institute in Bonn gestellt. Jährlich untersucht das Klimainstitut in seinem "Corporate Climate Responsibility Monitor" die Versprechen großer Unternehmen. Im diesjährigen Bericht, der tagesschau.de vorliegt, kritisiert das Institut, dass die Klimaziele von 25 der weltweit größten Unternehmen nicht ausreichend seien, um sich das Label "Netto-Null" oder "Klimaneutral" zu verpassen.

Jan Koch

"Es fehlt an echter Substanz"

Zu den Unternehmen, die es unter die Lupe genommen hat, zählen beispielsweise die großen Internetkonzerne Google, Amazon oder Apple, aber auch Unternehmen wie die Deutsche Telekom, BMW oder Deutsche Post DHL.

"Wir hatten uns vorgenommen, so viele gute Beispiele wie möglich aufzudecken, aber wir waren ehrlich gesagt überrascht und enttäuscht über die schlechte Qualität der Zusagen der Unternehmen", sagt Thomas Day vom NewClimate Institute, Hauptautor der Studie. "Während der Druck auf die Unternehmen steigt, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, fehlt es ihren ehrgeizig klingenden öffentlichen Versprechen allzu oft an echter Substanz, was sowohl die Verbraucher als auch die Regulierungsbehörden, die für die strategische Ausrichtung der Unternehmen entscheidend sind, in die Irre führen kann."

Lob für Reederei Maersk

Am besten schneidet laut Monitor der dänische Maersk-Konzern ab. Die größte Container-Reederei der Welt versprach erst vor kurzem, 2040 CO2-neutral zu sein. Das Logistikunternehmen will mit seinen Schiffen 2030 nur noch halb so viele Emissionen produzieren wie 2020. Dazu will Maersk die Flotte erneuern und emissionsarme Treibstoffe nutzen.

"Maersk und die Deutsche Post investieren in großem Umfang in Dekarbonisierungs-Technologien für Transport und Logistik. Es gibt noch reichlich Potenzial für Unternehmen, diese aufkommenden guten Beispiele zu übernehmen und zu erweitern," heißt es in der Studie. Neben dem NewClimate Institut ist auch Carbon Market Watch an dem Monitor beteiligt. Beide betonen, dass es bei den Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht immer nur Schwarz oder Weiß gebe. Problematisch sei vor allem die fehlenden Transparenz. Auf Basis der verfügbaren Informationen sei nicht klar erkennbar, wie genau die Unternehmen ihre Klimaziele erreichen.

Kritik an Maßnahmenkatalog

Die Deutsche Telekom zum Beispiel "setzt sich ehrgeizige Ziele, liefert aber unzureichende Informationen zu Emissionsminderungsmaßnahmen", schreiben die Macherinnen und Macher der Studie über den Konzern. "Dieser Mangel an Klarheit kann die Netto-Null-Ziele der Deutschen Telekom untergraben. Die Nutzung von verkauften und geleasten Produkten und eingekaufter Energie sind die beiden Hauptemissionsquellen des Unternehmens und machen 38 Prozent beziehungsweise 14 Prozent der Gesamtemissionen im Jahr 2020 aus."

Auf Anfrage schreibt die Deutsche Telekom dazu: "Als Konzern nehmen wir unsere Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt sehr ernst und setzen uns ambitionierte Klimaziele auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Bewertungen." Außerdem verweist das Unternehmen auf eine weitere Studie: "Im CDP Climate Disclosure Leadership Index können 100 Punkte erreicht werden." Mit 99 erreichten Zählern habe sich das Unternehmen als Branchenführer in Deutschland, Österreich und der Schweiz etabliert. Der von der Telekom genannte CDP-Index trug bis vor einigen Jahren Informationen zu Klimamaßnahmen von Unternehmen auf Basis freiwilliger Teilnahme und standardisierter Fragebögen zusammen.

CDP verwies darauf, ein solches Ranking nicht mehr zu erheben. Vielmehr würden nun mehr als 12.000 Unternehmen und ihre Umweltbemühungen in einem Scoring von A bis F unterteilt. Darin sei die Deutsche Telekom mit A gelistet und gehöre damit zu den zwei Prozent der Unternehmen, die diese Top-Bewertung erreichten.

"Kein klarer Hinweis auf echte Ambitionen"

Auf diese Erhebung verweist auch der Energiekonzern e.on, der ebenfalls im Klimamonitor des NewClimate Institute vorkommt. In der Studie heißt es: "E.on vermarktet sich als zukunftsorientiertes kohlenstoffarmes Energieversorgungsunternehmen, aber seinen Zielen und Strategien mangelt es an Substanz. Die derzeitigen Praktiken des Unternehmens geben keinen klaren Hinweis auf echte Ambitionen, ein Vorreiter im Klimaschutz zu werden."

Daraufhin nimmt das Unternehmen gegenüber tagesschau.de Stellung: "Der Corporate Climate Responsibility Monitor 2022 ist aus unserer Sicht nicht nur methodisch falsch angelegt, sondern in seinen Ergebnissen irreführend. Zudem wurde e.on in 2021 von CDP für seine Klimaberichterstattung erneut in die 'A List' aufgenommen. Damit ist e.on unter den 200 besten Unternehmen weltweit, die es in 2021 auf die 'A List' geschafft haben."

IKEA räumt Nachholbedarf ein

IKEA hingegen begrüßt die Kritik, die der Monitor an einer noch nicht ausreichenden Nachhaltigkeitskampagne der Möbelkette erhebt. Das Unternehmen schreibt auf tagesschau.de-Anfrage: "Der neue Bericht des NewClimate Institute ist eine konstruktive Ergänzung dazu. Obwohl sich IKEA dem Klimaschutz verschrieben hat und bereits viel erreicht hat, wie zum Beispiel den Trend zu brechen, indem wir unsere absoluten Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig das Unternehmenswachstum gesteigert haben, haben wir noch viel zu tun." Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben "Pläne, unsere verbleibenden komplexen Herausforderungen anzugehen, wie zum Beispiel die Klimabilanz der im IKEA-Sortiment verwendeten Materialien."

Festzuhalten ist, dass die Konzerne mehrheitlich Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen und einen Beitrag leisten wollen. An ihren Zielen werden sie in einigen Jahren noch stärker gemessen werden - ob das, was sie unternehmen, auch ausreicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Umwelt und Verbraucher" am 07. Februar 2022 um 11:42 Uhr.