Amazon Web Services | picture alliance / photothek

Deal mit Cloud-Anbieter Amazon soll britischen Spionen helfen

Stand: 26.10.2021 13:06 Uhr

Britische Geheimdienste haben einem Zeitungsbericht zufolge Amazon mit der Verarbeitung von vertraulichem Material beauftragt. Das Ziel sei es, künstliche Intelligenz verstärkt für Spionage zu nutzen.

Amazon Web Services (AWS), ein US-Anbieter für Cloud-Computing, wird laut einem Zeitungsbericht künftig mit britischen Spionagebehörden zusammenarbeiten. Wie die "Financial Times" auf ihrer Webseite berichtete, sollen Künstliche Intelligenz (KI) und Datenanalyse dadurch verstärkt für Spionage genutzt werden.

Die britische Regierungsbehörde GCHQ, die sich mit Kryptographie, Verfahren zur Datenübertragung und der Fernmeldeaufklärung befasst, hatte sich demnach für die Nutzung eines solchen Hochsicherheits-Cloud-Systems eingesetzt. Geplant ist, dass künftig alle britischen Geheimdienste wie der MI5 und der MI6, aber auch andere Regierungsstellen wie das Verteidigungsministerium die Cloud nutzen.

Speicherung der Daten in Großbritannien

Das Abkommen ist ein Novum für den britischen Sicherheitsapparat. Bereits Anfang des Jahres hatte GCHQ erklärt, künftig verstärkt mit KI arbeiten zu wollen, um weltweit Muster in riesigen Datenmengen aufzudecken und Desinformationen zu entlarven.

Durch das neue Cloud-System sollen britische Geheimdienste schnellere Abfragen in den jeweiligen Datenbanken durchführen und leichter Informationen übermitteln können. Außerdem ist geplant, dass Spezialanwendungen einsetzbar werden, die beispielsweise bestimmte Stimmen aus stundenlangen Abhöraufnahmen "aufspüren" und übersetzen können. Die Daten der Behörden sollen direkt in Großbritannien gespeichert werden, schrieb die "Financial Times" unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Amazon selbst solle demnach keinen Zugriff auf die gespeicherten Informationen haben.

Cloud Computing | colourbox.de
Was ist die Cloud?

Der Begriff Cloud (deutsch: "Wolke") meint das Zusammenspiel von mehreren Server-Computern. Diese Server übernehmen etwa die Datenspeicherung oder komplizierte Programmabläufe. Darauf können Nutzer via Internet zugreifen, meist über Programme auf den zugreifenden Geräten ("Clients") und den Webbrowser.

Keine Stellungnahmen

Die Vereinbarung wurde in diesem Jahr unterzeichnet, wie die "Financial Times" unter Berufung auf beteiligte Personen berichtete. Weitere Details über den Deal, der von Branchenexperten auf bis zu eine Milliarde Pfund geschätzt wird, sind nicht bekannt.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklärte GCHQ, dass es sich nicht zu Berichten über seine Geschäftsbeziehungen zu Technologieanbietern äußere.

Geht die Souveränität verloren?

Die britische Entscheidung, künftig mit einem US-Unternehmen zu arbeiten, sorgte in Expertenkreisen für Erstaunen: "Souveränität ist wichtig und es gibt einen Grund, warum Sicherheitstechnologie historisch immer im eigenen Haus gebaut und gewartet wurde", sagte ein Security-Veteran der britischen Zeitung. Es gab wohl auch Pläne für die Zusammenarbeit mit einem britischen Konzern, allerdings habe sich gezeigt, dass einheimische Unternehmen nicht in der Lage seien, entweder den Umfang oder die Fähigkeiten, die sie benötigen, anzubieten, sagten zwei Personen, die mit dem Deal vertraut sind.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. Oktober 2021 um 22:57 Uhr.