Busse des Unternehmens Greyhound parken auf einem Gelände in Toronto | REUTERS

Betrieb eingestellt Greyhound gibt in Kanada auf

Stand: 14.05.2021 13:20 Uhr

Das traditionsreiche Busunternehmen Greyhound hat den Betrieb in Kanada mit sofortiger Wirkung eingestellt. Nur einzelne Fernverbindungen in die USA sollen noch angeboten werden - sobald die Grenze wieder passierbar ist.

Nach mehr als 90 Jahren gibt das traditionsreiche Busunternehmen Greyhound sein Streckennetz in Kanada auf. Der Betrieb sei um Mitternacht Ortszeit mit sofortiger Wirkung eingestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Bereits ausgestellte Tickets sollen laut Greyhound erstattet werden. 400 Fahrerinnen und Fahrer verlieren nach Gewerkschaftsangaben ihren Job.

Passagierzahlen eingebrochen

Als Grund für die Entscheidung nannte das Unternehmen, das zum britischen Transportkonzern FirstGroup gehört, die wirtschaftliche Entwicklung. Im Zuge der Covid-19-Pandemie seien die Passagierzahlen um 95 Prozent eingebrochen, bevor die Verbindungen im Mai 2020 ganz eingestellt worden seien. "Ein ganzes Jahr ohne Einkommen hat es leider unmöglich gemacht, das Geschäft fortzuführen", erklärte der Chef von Greyhound in Kanada, Stuart Kendrick.

Das Unternehmen habe auch mit der Konkurrenz durch Billig-Airlines, öffentlichen Verkehrsunternehmen und der Deregulierung gekämpft - immer mehr Strecken hatte Greyhound nicht mehr exklusiv im Angebot.

Fernstrecken in die USA sollen bleiben

Schon im Jahr 2018 hatte Greyhound Canada das Streckennetz in der Region Western Canada (Alberta, British Columbia, Manitoba und Saskatchewan) aufgegeben und seither nur noch Verbindungen in den Provinzen Ontario und Québec aufrecht erhalten. Nun fallen auch diese Strecken endgültig weg.

Weiter anbieten will Greyhound lediglich die grenzüberschreitenden Strecken zwischen den großen Städten Montréal, Toronto und Vancouver und Zielen in den USA. Diese sollen wieder gefahren werden, sobald die Grenze geöffnet werde.

Regierung will nun Alternativen prüfen

Kanadas Verkehrsminister Omar Alghabra zeigte sich nach Bekanntgabe der Entscheidung "enttäuscht". Viele Menschen im Land seien auf den Greyhound angewiesen - die Regierung werde nun "die Optionen prüfen, um diese Lücke zu füllen".

Gewerkschaftschef John Costa nannte den Rückzug "eine niederschmetternde Nachricht".  Der Greyhound-Bus sei seit Generationen die einzige Möglichkeit gewesen, die Leute in den Kleinstädten in ganz Kanada mit den größeren Städten zu verbinden, sagte er. "Alte werden ihre Familien nicht mehr besuchen können, Schüler werden nicht zur Schule kommen, viele andere werden ohne Verkehrsmittel zurückbleiben."

Die Entscheidung von Greyhound Canada hat nach Unternehmensangaben keinen Einfluss auf das Greyhound-Angebot in den USA.