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Insolvenz der Greensill Bank Privatanleger werden entschädigt

Stand: 16.03.2021 19:58 Uhr

Kurz nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei der Bremer Greensill Bank hat die Finanzaufsicht BaFin den Entschädigungsfall festgestellt. Privatanleger sollen nun binnen weniger Tage ihr Geld zurückbekommen.

Nach der Insolvenz der Bremer Greensill Bank werden die Privatanleger innerhalb der nächsten Tage ihre Einlagen zurückerhalten. Die Finanzaufsicht BaFin stellte wenige Stunden nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht Bremen offiziell den Entschädigungsfall fest. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Einlagensicherung greift und vor allem Privatanleger innerhalb von sieben Arbeitstagen entschädigt werden.

Einlagen bis knapp 75 Millionen Euro abgesichert

Die gesetzliche Einlagensicherung tritt im anstehenden Insolvenzverfahren als Gläubiger auf und wird aus der Insolvenzmasse vorrangig bedient. Laut dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) sind Privatanleger bei Greensill nicht nur über die gesetzliche Einlagensicherung mit bis zu 100.000 Euro abgesichert, sondern es werden auch Ansprüche über einen Einlagensicherungsfonds bedient, in den Banken freiwillig eingezahlt haben. Über diesen Sicherungsfonds des BdB sind Einlagen bis zur Sicherungsgrenze von 74,964 Millionen Euro pro Einleger geschützt.

Der Einlagensicherungsfonds werde sich in Kürze bei den betroffenen Sparern melden, erklärte der Bankenverband BdB. Insidern zufolge stellt sich der Fonds darauf ein, rund drei Milliarden Euro an private Sparer auszuzahlen.

Kommunen um Schadensbegrenzung bemüht

Einlagen von Institutionen wie Bund, Ländern und Kommunen unterliegen seit Anfang Oktober 2017 nicht mehr der Sicherungseinrichtung. Insidern zufolge geht es bei dieser Kundengruppe um insgesamt rund 500 Millionen Euro. Bislang ist von 26 Kommunen ein Volumen von gut 250 Millionen Euro bekannt.

Diese Städte und Gemeinden wollen sich nach Angaben der Stadt Monheim am Rhein zusammentun, um aus der Insolvenzmasse einen Teil ihrer Einlagen zurückzuerhalten. Zudem sollen Haftungsansprüche gemeinschaftlich geprüft werden. Ob die betroffenen Kommunen ihr Geld je wiedersehen, hängt davon ab, wie viel der Insolvenzverwalter bei der Bank noch sicherstellen kann.

Frege wird Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht Bremen bestellte den mit Bankpleiten vertrauten Juristen Michael Frege zum Insolvenzverwalter für das Bremer Institut. Er hatte mit der Deutschland-Tochter von Lehman Brothers und der Maple Bank die beiden größten Bankinsolvenzen der vergangenen Jahre in Deutschland betreut. Bei der Lehman Brothers Bankhaus AG machte sein dreistelliges Millionenhonorar Schlagzeilen, das sich nach der Insolvenzmasse richtet.

Die BaFin hatte die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Anfang März wegen drohender Überschuldung bereits für den Kundenverkehr geschlossen. Die Finanzaufsicht zeigte zudem das Management der Bank bei der Staatsanwaltschaft Bremen an, weil für Forderungen in der Bilanz teilweise kein Nachweis erbracht werden konnte.

Mit hohen Zinsversprechen Sparer angelockt

Das Bremer Institut hatte über Online-Portale wie "Weltsparen" und "Zinspilot" mit vergleichsweise hohen Zinsen Spareinlagen bei Privatanlegern eingesammelt, mit denen Geschäfte der britisch-australischen Mutterfirma Greensill Capital abgesichert wurden. Alleine 2019 stieg die Bilanzsumme der Bank von 760 Millionen Euro auf 3,8 Milliarden Euro. Ende 2020 belief sie sich auf 4,5 Milliarden Euro.

Die Muttergesellschaft der Bremer Bank, Greensill Capital, meldete vor ein paar Tagen Insolvenz an, nachdem Versicherungen für ihre Fonds weggefallen waren. Das Kerngeschäft der 2011 vom Australier Lex Greensill gegründeten Firma war die Lieferketten-Finanzierung. Greensill bündelte Lieferantenforderungen zu Anleihen und verkaufte sie an Investoren. Unter anderem betrieb sie das Fondsgeschäft mit der Schweizer Bank Credit Suisse. Diese stellt sich wegen des Zusammenbruchs von Greensill Capital auf finanzielle Belastungen ein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2021 um 11:00 Uhr.