Junge Leute stehen vor einem GameStop-Shop |

Anhörung in den USA GameStop-Akteure bestreiten Manipulation

Stand: 19.02.2021 12:30 Uhr

Für viele Anleger dürften die Schwankungen der GameStop-Aktie teuer geworden sein. Vor dem US-Kongress mussten nun Broker und Hedgefonds-Manager Rede und Antwort stehen. Die Frage dabei: Gab es heimliche Absprachen?

Nach dem Börsen-Schauspiel mit GameStop, Sozialen Medien wie Reddit und der Handelsplattform Robinhood in den Hauptrollen folgte jetzt das Nachspiel: Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress sind der Chef der Handelsplattform Robinhood, Vlad Tenev, der Chef der Online-Plattform Reddit, Steve Huffman, und Spitzenmanager der Hedgefonds Citadel und Melvin Capital Management von US-Politikern zu den Vorfällen rund um das Thema Gamestop befragt worden.  

Dem Onlinebroker Robinhood wird vorgeworfen, sich mit Großinvestoren abgesprochen zu haben, um den Handel mit GameStop-Aktien einzuschränken. Auf diese Weise haben man verhindern wollen, dass Kleinanleger durch weitere Aktienkäufe die Hedgefonds an den Rand der Pleite bringen.

Vlad Tenev, Cef der Handelsplattform Robinhood |

Auch Vlad Tenev, Chef der Handelsplattform Robinhood, musste den US-Abgeordneten Rede und Antwort stehen.

US-Behörden ermitteln

"Es stinkt nach Korruption", kommentierte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton die Vorgänge. Er nahm wegen des Verdachts von Absprachen zwischen Hedgefonds und Online-Brokern Ermittlungen auf. Die Börsenaufsicht SEC und das Finanzministerium untersucht die Fakten rund um die GameStop-Kapriolen ebenfalls. Wie US-Medien berichten, sind auch Justizbehörden eingeschaltet.

Robinhood-Chef Vlad Tenev wies die Vorwürfe gegen ihn zurück. "Ich möchte es von vornherein klarmachen: Jegliche Anschuldigungen, dass Robinhood Hedgefonds oder anderen speziellen Interessen, zum Nachteil unserer eigenen Kunden, geholfen hat, sind absolut falsch."

Citadel-CEO Kenetz Griffin |

Kenneth Griffin, der Chef des Hedgefonds Citadel

Entschuldigung bei Anlegern

Tenev entschuldigte sich zwar bei den betroffenen Anlegern: Er bedaure, was passiert sei, und bitte um Entschuldigung. Tenev unterstrich aber, dass die Handelsbeschränkungen einen sachlichen Grund gehabt hätten. Die Restriktionen seien aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Sicherheiten wegen des plötzlich massiv angesprungenen Handelsvolumens erforderlich gewesen.

Robinhood hatte auf dem Höhepunkt der Marktturbulenzen deshalb insgesamt 3,4 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben, um seine Kapitaldecke zu stärken. Einen Einfluss von Hedgefonds habe es laut Tenev nicht gegeben. Citadel-Chef Kenneth Griffin sprang Tenev bei seiner Anhörung bei: Absprachen seines Fonds mit Robinhood habe es "absolut nicht" gegeben.

Es sind mehrere Kongressanhörungen geplant, die die Rollen von Social Media, Online-Brokern und professionellen Finanzmarktspekulanten im Fall GameStop beleuchten sollen.

Riesengewinne waren möglich - und Verluste

Die Kursausschläge der GameStop-Aktie hatten an den globalen Finanzmärkten hohe Wellen geschlagen. Im Januar zwangen Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung von Wetten auf den Verfall des Gamestop-Kurses - und sorgten dadurch für Milliardenverluste.  

Der Kurs der GameStop-Aktie war zeitweise fast ungebremst nach oben geschossen. Zu Beginn des Jahres mussten Anleger etwas mehr als 17 Dollar bezahlen. Wer zum richtigen Zeitpunkt ausstieg, konnte ein Vermögen verdienen, denn die Aktie kletterte zeitweise bis auf 483 Dollar. Allerdings gilt ein solch passgenaues Geschäft als unwahrscheinlich, viele Anleger dürften daher einen großen Verlust erlitten haben. Aktuell kostet der Anteilsschein noch etwas mehr als 40 Dollar.  

Die Finanzaufsicht warnt

Hierzulande hat sich mittlerweile die Finanzaufsicht BaFin zu Wort gemeldet. Sie warnt Privatanleger vor Risiken, wenn sie Aufrufen zu Wertpapierkäufen in Sozialen Medien, Internetforen und Apps folgen. "Es besteht ein erhebliches Verlustrisiko, da auf kurzfristige Kurssteigerungen, die infolge der Aufrufe und entsprechenden Spekulationen entstehen, starke Kursrückgänge folgen können", fasst die Behörde zusammen, was einige Anleger jüngst erlebt haben.  

Die Empfehlung der Finanzaufsicht: Anlage-Entscheidungen sollten sich nicht auf Aufrufe wie beispielsweise auf der Onlineplattform Reddit oder im Messengerdienst Telegram stützen, sondern Privatinvestoren sollten sich über das jeweilige Wertpapier aus möglichst objektiven Quellen informieren. Denn es bestehe die Gefahr, "dass in Sozialen Medien falsche oder irreführende Aussagen getroffen werden."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2021 um 09:41 Uhr.